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damals erst im 62. Lebensjahre!— besessen haben, wenn er es fertig brachte, innerhalb zweier Tage 945 Zeilen Shakespeare'schen Originaltextes(s. o.) durchzulesen, sich für die völlige Ausscheidung von 619 und für die unveränderte Beibehaltung von 103 derselben zu entscheiden, 224 von ihnen zum Teil bis zur Unerkennbarkeit des Urtextes zu verändern und zu diesen 327 Zeilen der englischen Vorlage noch 232 aus dem Eigenen hinzuzudichten!¹ ³⁸) Sein erster Akt ist ihm natürlich besonders nahe gegangen, und so hat er gerade an ihm, als der Grundlage des Ganzen, die Arbeit immer und immer wieder aufgenommen, während er gleichzeitig an den folgenden schon eifrig weiter arbeitete. Das können wir erkennen aus der Bemerkung unterm 12. Dezember:„Nach Tische Lektüre des ersten Aktes von Romeo“, und unter dem 17. Dezember:„Revision des 1. Akts von R. und J.“ Endlich wurde in oder nach der Theatersession des 19. Dezember„Abends der 1. Akt von R. und J. vorgelesen“. Mittlerweile waren die folgenden drei Akte schon so weit fertig geworden, daß am 20. Dezember „R. und J. 2. Akt durchgegangen“ und am Abende dieses Tages„bei der regierenden Herzogin die vier ersten Akte von R. und J. vorgelesen“ werden konnten. So wurde denn nun noch am 24. Dezember„R. und J. 5. Akt“ vorgenommen und„Abends der Anfang des 5. Aktes ins Reine“ gebracht. Er bearbeitete nun am 25. Dezember„R. und J. 5. Akt“ weiter und hatte am 26. Dezember„R. und J. Schluß“ erreicht. Nachdem er sich noch am 29. Dezember, das Ganze wohl noch einmal überlesend,„mit R. und J. beschäftigt“ hatte, konnte am 31. Dezember die„Abschrift von R. und J. besorgt“ werden. So war er am letzten Tage des Jahres 1811 mit dem Ganzen fertig geworden, zu dem er in kaum zwei Monaten gegen 500 Verse aus dem Eigenen beigesteuert hatte. Nun konnten die Vorbereitungen zur Auf- führung beginnen! So wird am 7.(und 12.) Januar„Abends Leseprobe von R. und J.“, am 10. „Leseprobe von R. und J. mit den vier Hauptpersonen“, am 23. und 24.„Leseprobe(bezw. Probe) von R. und J. zu vieren“, am 26.„Abends Probe von R. und J. 1. Akt“ mit„Madame Wolff Julia“ gehalten. Nachdem am 28. Januar die„erste Theaterprobe von R. und J.“ stattgefunden hatte, wird wohl auch die„Probe von R. und J.“ am 30. Januar eine Theater- Probe gewesen sein, der am 31. Januar„Abends Hauptprobe von R. und J.“ folgte. Mit dieser Datierung in den„Tagebüchern“ scheint es freilich nicht zu stimmen, daß von Goethe selbst an Reinhard(s. o.) geschrieben wird:„Zum 30. Januar, als dem Geburtstage der Her- zogin, haben wir es zum erstenmal und nachher wieder mit voller Teilnahme des Publikums gegeben, welche sich um so mehr erwarten ließ, als die Rollen durchaus, besonders aber die Hauptrollen, den Schauspielern recht auf den Leib paßten“. ³⁹) Dasselbe wird bestätigt durch die„Notizen über Göthes und Böttichers Korrespondenz“ vom 16. 2. 1812:„Göthes Bear- beitung von R. und J.,—, hat hier große Teilnahme erregt und wurde trefflich gespielt.“*¹⁴⁰)
Die oben(S. 9) angeführte Stelle aus den„Annalen usw.“ von 1811 lautet voll- ständig:„Romeo und Julie fürs Theater bearbeitet, wobei sowohl Riemer als Wolff eifrig mitwirkten.“ Wolffs Mitwirkung an Goethes Arbeit hat sich wohl nur auf die Vorlegung
³s) Über die Einzelheiten dieser Berechnung s. w. u.
²⁰) Genast, aus Weimars klassischer und nachklassischer Zeit(Stuttgart 1904) S. 110, schreibt freilich: „Wolff paßte nicht zum Romeo, noch seine Frau zur Julia.“
4⁰) A. Stahr a. a. O. S. 63 bezeichnet dagegen als den Eindruck, den die Aufführung auf das„urteils- fähige“ Publikum in Weimar machte:„Man sah sich überrascht, getäuscht, ja geärgert.“ Dieses Urteil wird, ebenfalls ohne Quellenangabe und Nennung der„Augenzeugen“, in unsern Dramaturgien weiter gegeben.
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