Aufsatz 
Das Verhältnis von Goethes "Romeo und Julia" zu Shakespeares gleichnamiger Tragödie / von G. R. Hauschild
Entstehung
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Zeit der Arbeit.

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derAnnalen usw. von 1811(!) bemerkt. Unter den ersteren aber war 1554 die Bearbeitung (oder der Neudruck) von des Masuccio Salernitano und Luigi da PortaHystoria novellamente ritrovata di due nobili amanti(1524 geschrieben, 1535 gedruckt) erschienen, welche, zunächst von Boaistuau 1559 auf französisch bearbeitet, mit anderen Novellen in Paris 1571 unter dem TitelHistoires Tragiques extraictes des Oeuvres de Bandel herausgekommen und, buch- stäblich ins Englische übersetzt, in den Palace of Pleasure(London 1576) von W. Painter aufgenommen worden war. Sie oder Clitia'sL'Infelice Amore dei due Fedelissime Amanti Giulia e Romeo oder A. Brooke''s denselben Gegenstand behandelndes episches Gedicht sollen Shakespeare selbst als Quelle für seine Tragödie gedient haben.²⁴) Da nun auch Weiße sich a. a. O. ausdrücklich auf die Vorerwähnten als auf seineFührer beruft, so würde Goethe schon durch das Studium Bandello's nicht nur auf seine alte Leipziger Liebe zurück- gekommen, sondern auch auf Weißes Romeo als einen immerhin noch beachtenswerten Gegenstand zurückverwiesen worden sein(S. 1). Was Goethe sonst noch für Hilfsmittel bezw. Quellenstoff zur Hand gehabt haben mag, das muß der sog. ästhetisch-kritischen Besprechung seiner Arbeit vorbehalten bleiben, wenn mir überhaupt der Raum gestattet, für diesmal noch darauf einzugehen. Kehren wir also vorläufig zu den nachweisbaren Tatsachen zurück!

Da finden wir denn nun, daß des Dichters Zeit und Mühe von dem oben angegebenen Zeitpuukt an täglich durch seine Arbeit an R. und J. in Anspruch genommen wurde. Ent- weder lesen wir, wie am 16., 21. und 23. Dezember 1811, nur:Abends R. und J., oder, wie am 9., 10., 13., 14., 15. und 16. Dez. 1811, auch:Romeo und Julie Abends ſam 14. nach Tische] R. und J., oder wir erfahren besondere Einzelheiten über den Verlauf seiner Arbeit daran: wie am 7. 12. 1811:Ich blieb zu Hause und bearbeitete den ersten Akt von R. und J.*

Nachdem er am 7. Dezemberzu Hause geblieben und den ersten Akt von R. und J. bearbeitet hatte, war schon am 8. Dezember Goethes Arbeit soweit gediehen, daß erR. und J. den ersten Akt umdiktierte undAbends R. und J. folgende Akte vornehmen konnte. Was man da unterumdiktieren zu verstehen haben mag, wird später noch erörtert werden können; dagegen muß gleich hier bemerkt werden, daß wir dabei unterl1. Akt den der Goetheschen Arbeit zu verstehen haben, wie auch bei den folgenden Akt-Angaben immer an den jeweils in Behandlung stehenden Akt seiner Bearbeitung zu denken ist; denn den 1. Akt von Shakespeare's Tragödie hätte er doch wohl dem Hofrat Meyer nicht erst vorzulesen brauchen, dem er aberden 1. Akt vorgelesen zu haben unterm 11. Dezember berichtet. Wenn das zugegeben wird, dann mußder alte Herr, ³⁵) deralternde Dichter ³³⁶) den Stoff entweder schon lange in sich getragen und innerlich verarbeitet gehabt haben, oder er muß, um seinem Geschäfte ganz gewachsen zu sein, dochnoch die reiche und vielseitige Pro- duktivität, die frische Geistesbeweglichkeit seiner Jugendjahre ³⁷) Goethe stand übrigens

³⁴) Nach: 1. Delius, Brooke's episches und Shakespeare's dramatisches Gedicht R. und J. im Shake- speare-Jahrbuch XVI, 2. A. Cohn, Adrian Sevin's Bearbeitung der Sage von R. und J., ebend. XXIV, 3. C. F. Weiße, Vorrede zu R. und J.(s. o.), 4. Elze, W. Shakespeare(Halle 1876), S. 403.

35) A. Stahr inShakespeare iu Deutschland(Prutz' Literarhistor. Taschenbuch I(1843), S. 63.

³6) Ebend. S. 66.

²ꝛ) Nach H. Viehoff,Ober Goethes Bearbeitung von Shakespeare's R. und J. in Herrigs Archiv usw. I, 1(1846), war aberdieser reiche Born versiegt.