Aufsatz 
Das Verhältnis von Goethes "Romeo und Julia" zu Shakespeares gleichnamiger Tragödie / von G. R. Hauschild
Entstehung
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zeugter er dessen Schätzbarkeitan sich anerkannte; je tiefer er sich in Shakespeare's Talent versenkte, um so schwerer fiel es ihm natürlich, R. und J.zu einem faßlichern Ganzen zu organisieren ³⁰), undalles, was nicht zur Haupthandlung gehört, zu entfernen ³¹), und man wird es ihm nicht bloß gerne glauben, sondern auf Grund der darüber nun zu berichtenden Einzelheiten auch anerkennend zugeben, was er an Cotta am 21. Februar 1812 schreibt:Diesen Winter habe ich mich mehr als ich wünschte und dachte, mit dem Theater beschäftigt und eine Redaction von Shakespeare's R. und J. vorgenommen. Sie hat mir viel Zeit gekostet. ³²) Sehen wir uns nun Goethes sorgfältige, gewissenhafte und von edler Begeisterung für seinen Gegenstand getragene Arbeit ebenso an!

Goethe begann seine Arbeit am 5. Dezember 1811, unter welchem Tage in seinem Tagebuche aus diesem Jahre zum erstenmale bemerkt ist:Abends Romeo und Julia. Daß er seine Arbeit ernst nahm und aus dem vorhandenen Material weder einfach nur ausscheiden wollte, was ihm nicht paßte, noch aneinander kleben, was er beibehielt, das geht wohl am besten daraus hervor, daß er nach dem mir gütigst mitgeteilten Ausweis der Ausleihebücher der Großherzoglichen Bibliothek zu Weimar sich aus ihr an demselben Tage entlieh: Shake- speare's Works, vol. VIII, ed. London 1747 by Mr. Pope and Mr. Warburton. Printed for J. and P. Knapton, S. Birt, F. Longman etc. ³³)Romeo und Julia bildet das erste Stück dieses Bandes. Dieselbe Ausgabe war von Wieland für seine Ubersetzung benutzt worden(s. o.), deren acht Bände, als aus Goethes eigenem Besitz, sich noch heute im Goethe- hause(Nationalmuseum) zu Weimar sich befinden. Es wird sich weiter unten zeigen, daß und wie Goethe den Urtext in der Tat verglichen und dessen Wielandsche Übersetzung benutzt hat. Von den andern Sammel-Cbersetzungen besaß Goethe ebenfalls selbst die Schlegelsche in Band 1 und 2, Berlin 1797 bezw. 1801(s. o.) und Band 5 9, I, Berlin 1799/1810. Goethes Stellungnahme zu ihr wird im Folgenden am eingehendsten erörtert werden. Von der Vossischen, die sich auch in Goethes Privatbibliothek befindet, war der Band mit R. und J. noch nicht erschienen. Eschenburgs Übersetzung(s. o.) scheint Goethe weder selbst besessen, noch auch zunächst zu seiner Arbeit benutzt zu haben: wenigstens weisen die oben erwähnten Ausleihbücher eine Entleihung des 12. Teiles derselben(mit R. und J.) an Goethe erst vom 6. Februar bis 21. März 1812 nach, während die entliehene Shakespeare-Ausgabe am 8. Februar 1812 wieder an die Bibliothek zurückging. Welche Ausgabe von Eschenburg Goethe benutzte, war nicht mehr ersichtlich: daß aber Goethe die Eschenburgsche Ubersetzung, sowohl die echte erste(S. o.), wie den Mannheimer Nachdruck(1780) und auch die zweite echte(1806) benutzte, wird weiter unten ersichtlich werden. Das waren also die Hilfsmittel, mit denen Goethe sicherlich gearbeitet hat.

Ich vermute, daß hierzu noch andere traten: ohne Zweifel die Novelle del Bandello, deren Lektüre er der der Novelle galanti von Verrocchio anschloß. Er lasdie Bändchen mit Vergnügen und Eile, da sie mir nicht lange vergönnt waren, wie er gerade am Schluß

³⁰) An Caroline von Humboldt am 7. April 1812.; W.-A. XXII, S. 320. ³¹) An Fr. Schlegel, ebend. S. 328. ³²) Ebend. S. 286. ²³) The Genuine Text(collated with all the former Editions, and then corrected and emended), is here settled: Being restored from the Blunders of the first Editors, and the Interpolations of the two Last: With a Commentary and Notes, Critical and Explanatory. Als benutzt werden besonders bezeichnet die Quartos von 1597(Hunsdon-Danter), 1599(Chamberlain-Crede-Burby), 1637(Noung-Smethwicke). 2

Goethe an der Arbeit: Hilfs- mittel.