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in der Grundanlage des Stoffes und der Behandlung, daß, wie man irgendwo zu rücken an- fängt, gleich mehrere Fugen zu knistern anfangen und das Ganze dem Einsturz droht. ⁴²⁴)
Der Gedanke,„Stücke, die sich erhalten ließen, teils unverändert im Druck zu sammeln, teils aber verengert und ins Enge gezogen der neuern Zeit und ihrem Geschmack näher zu bringen“, 2s¹) wurde in bezug auf ausländische Stücke zunächst freilich nur(namentlich) an französischen Stücken zur Ausführung gebracht: den 30. Januar 1800 ward Voltaire’'s „Mahomet“ aufgeführt, am„nächsten immer gefeierten 30. Januar“ dessen„Tancred“,„Turandot“ von Gozzi 1802, Picard's„Parasit“ und„Der Neffe als Onkel“(1803), weiterhin Diderot's Rameaus„Neffe“, Racine's„Phädra“(1805) und„eine Ubersetzung oder Umbildung des „Cid“ von Corneille“(1806). Nachdem nun Schiller sich noch einmal zu Shakespeare gewandt hatte, indem er den von H. Voss übersetzten„Othello“ für die Weimarische Bühne ²⁸) einrichtete, trat ihm auch Goethe wieder näher, wie die„Annalen usw,“ von 1811 mit der Bemerkung bezeugen:„Romeo und Julie für's Theater bearbeitet.“
„Die drei Geburtstäge,“ wie sich Goethe in dem am 28. Dezember 1811 an Knebel²*) gerichteten Briefe noch so echt frankfurterisch ausdrückt,„die zu Ende Januars und Anfang Februars so schnell auf einander folgen, machen uns viel zu schaffen. Ich bin mit theatra- lischen Arbeiten und Sorgen beschäftigt; indessen ist„Romeo und Julie“ so gut als fertig.“ Daß dieses Stück für den„immer gefeierten 30. Januar“(s. o.) bestimmt, und von welchen Gesichtspunkten Goethe bei dieser Bearbeitung ausgegangen war, sagt er uns unter dem- selben Monatstage in dem Briefe an Caroline von Wolzogen:²s)„Ich darf nicht schließen, ohne Ihnen zu melden, daß ich durch unsre Theaterbedürfnisse, welche freilich täglich dringender und täglich weniger befriedigt werden, mich habe unmerklicher Weise verleiten lassen, das Shakespearische Stück„Romeo und Julie“ zu bearbeiten. Auf der Herzogin Geburtstag wird es erscheinen, und ich hoffe guten Effekt davon. Die Maxime, der ich folgte, war das Interessante zu concentriren und in Harmonie zu bringen, da Shakespeare nach seinem Genie, seiner Zeit und seinem Publikum, viele disharmonische Allotria zusammenstellen durfte, ja mußte, um den damals herrschenden Theatergenius zu versöhnen,“ Nicht minder deutlich für Leute, die ohne gefärbte Brillen lesen und mit Unbefangenheit zu urteilen ver- stehen, spricht er sich über Grund und Zweck dieser Bearbeitung nach deren theatralischer Vorführung, sowie über seine innere Stellung zu Shakespeare, in dem Briefe an C. F. von Reinhard vom 13. Februar 1812 ²⁹) aus:„So will ich berichten, daß ein Teil des Winters damit zugebracht worden das Shakespeare'sche Stück R. und J. zu concentriren und diesen in seinen Hauptteilen so herrlich behandelten Stoff von allem Fremdartigen zu reinigen: welches, obgleich an sich sehr schätzbar, doch eigentlich einer früheren Zeit und einer frem- den Nation angehört, die es gegenwärtig selbst nicht mehr brauchen kann.— Diese Arbeit war ein großes Studium für mich, und ich habe wohl niemals dem Shakespeare tiefer in sein Talent hineingeblickt; aber er, wie alles Letzte, bleibt denn doch unergründlich.“ Je freu- diger aber Goethe die Herrlichkeit der Behandlung des Stoffes im Einzelnen rühmte; je über-
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) W.-A., S. 335 u. 337.
²³) Goethe, Annalen oder Tag- und Jahreshefte 1799 und— im Folgenden— folgende Jahre, ²⁶) Dort aufgeführt am 8. Juni 1805. Siehe Genée a. a. O. S. 301 f.
²7) Briefe, W.-A. XXII, S. 228.— ²⁸) Ebenda S. 246.
²³⁸) Ebenda S. 269 f.


