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Schlegel hatte außer der Shakespeare-Ausgabe von Johnson und Steevens(S. 0.) hauptsächlich die von Malone benutzt. ²¹)) Vor dem Texte enthielt diese Ausgabe(1840 bei E. Fleischer in Leipzig neu erschienen): Johnson's Vorwort, Chalmers' Skizze von Shakespeare's Leben, Shakespeare's Testament, die chronologische Reihenfolge, in welcher Shakespeare's Stücke vermutlich geschrieben sind(nach Chalmers, Malone und Drake), die Ausgaben zu Shakespeare’s Lebenszeit, die späteren Ausgaben bis Ende des 18. Jahrhunderts, die Shakespeare zugeschriebenen Stücke, Shakespeare’s Bild und die Einleitungen zu 37 Stücken (60 S.) Nach dem Texte der Schauspiele und der„Vermischten Gedichte“(945 S.) folgt Commentar und Glossar zu den einzelnen Stücken des Textes(115 S.) Durch das Schlegelsche Vorwort auf diese Ausgabe aufmerksam gemacht, hatte Goethe sich mit neuem Eifer dem Studium Shakespeare's zugewendet und sich der durch Schlegel hiermit gegebenen Anregung um so mehr gefreut, als er eine solche in der neuen, umgearbeiteten und mit kritischen Anhängen versehenen Eschenburgschen Ausgabe von Shakespeare'schen Schauspielen ver- gebens gesucht hatte. So schreibt er denn, ebenso freudig erregt durch Schlegel, wie ent- täuscht durch Eschenburg, am 6. Dezember 1799 an Schiller:„Dem alten englischen Theater bin ich um vieles näher. Malone's Abhandlung über die wahrscheinliche Folge, in welcher Shakespeare seine Stücke gedichtet, haben mir manche gute Ein- uud Aussichten gegeben. Wie Eschenburg sich hat entgehen lassen, seiner neuen Ausgabe diesen kritischen Wert zu geben, wäre nicht zu begreifen, wenn man die Menschen nicht begriffe. Mit sehr kurzen Einleitungen in jedes Stück, teils historischen, teils kritischen, wozu der Stoff schon der letzten englischen Ausgabe von Malone bereit liegt, und die man mit einigen wenigen Apperçüs(!) hätte aufstutzen können, war der Sache ein großer Dienst geleistet und mit dieser Art Aufklärung hätte Jedermann denken müssen, neue Stücke zu lesen. Wahr- scheinlich wird er das, und vielleicht umständlicher als nötig ist, wie schon vormals ge- schehen, in einem eignen Bande nachbringen. Aber wie viele Menschen suchen's und lesen's dahinten!“
Schiller folgte der gegebenen Anregung(s. o.) und— am 14. Mai 1800 ging Shake- speare's„Macbeth“ in der Schillerschen Gestaltung und Ubertragung über die Weimarsche Bühne. Der Erfolg reizte zur Nachahmung, und so konnte, nachdem inzwischen auch(1801) die Schlegelsche UÜbersetzung mit acht Bänden zum Abschluß gekommen zu sein schien, ²³) Goethe an Schlegel im Oktober 1803 schreiben:„Wir führen hier J. Cäsar nur mit symbo- lischer Andeutung der Nebensachen auf, und unser Theater ist, wie ein Basrelief oder ein gedrängtes historisches Gemälde, eigentlich nur von den Hauptpersonen ausgefüllt. Die Shakespeare’schen Stücke lassen sich besonders so behandeln, weil sie wahrscheinlich zuerst für beschränkte Theater geschrieben worden; sie auf eine größere Bühne zu verpflanzen, wo die Wirklichkeit mehr gefordert wird, wenn das Wahrscheinliche geleistet werden soll, ist eine Aufgabe, welche Iffland von seinem Standpunkte aus am besten lösen wird.— Doch wünscht man, zur äußern theatralischen Zweckmäßigkeit, noch hier und da durch Nehmen und Geben nachzuhelfen. Doch liegt, wie bei Shakespeare überhaupt, alles schon
2¹) The Plays and Poems of William Shakespeare with Notes critical, historical and explanatory, selected from the most eminent Commentators by E. Malone 1790.
²²) W.-A. XIV, 232 f.—
²³) Der 9. Band erschien erst 1810 und blieb der letzte!


