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schaftliche Bildung besitzen, zum Teil auch schmutzige Gewerbe treiben. es wagen, etwas Gewisses über jene höchste und erhabene Macht zu bestimmen, über welche selbst die Philosophie von so vielen Jahrhunderten an bis heute mit dem größten Eifer ihrer Schulen berät.
2. Und das mit Recht; denn der Mensch in seiner Schwäche kann die Gottheit so wenig ergründen, daß wir weder wissen sollen noch erforschen können noch vermuten dürfen, was über uns am hohen Himmel hängt noch was unten in tiefer Erde steckt; auch dürften wir glücklich, ja klug genug sein, wenn wir nach jenem Orakelspruch des alten Weisen zunächst uns selber besser kennen lernten. Aber insofern wir. dem ungesunden und unpassenden Drange nachgebend, über die Grenzen unsrer Elendigkeit hinausschweifen und, obgleich auf die Erde geworfen, uns doch mit kühner Begierde selbst über Himmel und Sterne erheben, dürften wir sicherlich doch auch diesen Irrtum nicht noch mit nichtigen und grausigen Wahnvorstellungen verquicken... So sehr liegt für uns entweder eine sichere Gewißheit in Dunkel und Enge oder es herrscht überhaupt nur, was wahrscheinlicher ist, ein regelloses Schicksal in den schillernden und gleißenden Wechselfällen des Lebens.
3. Da also entweder unser Schicksal oder unsre Natur unzuverlässig ist, So ist es doch viel frömmer und besser, beim Schwanken über die Wahrheit die Lehre der Altvordern anzunehmen, die überlieferten Heiligtümer zu pflegen und die Götter, zu deren V erehrung dich dereinst deine Eltern angeleitet haben, lieber nur anbeten als näher kennen lernen zu wollen. Auch ist es besser, über die Gottheiten keine eigne Meinung auszusprechen, sondern den Vorfahren zu glauben, welche in einer noch rohen Zeit, wo der Cultus noch in den Windeln lag, es verdienten Götter entweder zu Mitbürgern oder zu Königen zu haben
4. Sieh dir nun die Römer an! So lange sie im Kriege Tapferkeit mit Religion verbanden; so lange sie ihre Hauptstadt mit religiösen Übungen. mit keuschen Jungfrauen und vielen priesterlichen Ehren und Ordnungen umschanzten; so lange sie belagert und in das Capitol zusammengedrängt die Götter noch verehrten. welche ein andrer da schon ver- achtet hätte; so lange sie sie trotz ihres Zornes unter den Geschossen der über ihren Glaubensmut verwunderten Gallier noch zu verehren fortfuhren: wehr- und w affenlos, und doch durch die Pflege ihrer religiösen Verpflichtungen geschützt; so lange sie nach Einnahme der feindlichen Mauern noch im Siegestaumel schon die besiegten Gottheiten verehrten; so lange sie überall die fremden Götter suchten und zu den ihrigen machten; so lange sie auch unbe- kannten und ungewohnten Gottheiten Altäre errichteten: so lange und in dem Maße nahm ihre Kraft und Macht den ganzen Erdkreis ein, dehnte ihr Reich seine Grenzen bis über Sonnenaufgang, ja über des Ozeanes Grenzen aus!
So haben sie, während sie die Heiligtümer aller Völker übernahmen, auch deren Reiche gewonnen. Daher kommt der fortwährende Zug der Verehrung, welcher durch die Länge der Zeit nicht geschwächt, sondern gesteigert wird; denn das heilige Ansehen religiöser Ge- bräuche und Stätten wächst im gleichen V erhältnis, wie mit dem Alter ihre Altertümlichkeit. Und nicht ohne Grund haben unsre Vorfahren sich um die Beobachtung der Augurien oder um die Befragung der Eingeweide oder um die Errichtung von Heiligtümern oder um die Stiftung von Tempeln bemüht. Betrachte die Gedenkbücher: da wirst du finden, daß sie sich in die
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