Aufsatz 
Beiträge zu einem Quellenlesebuche für die Kirchengeschichte
Entstehung
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XXVI

Riten aller Religionen eingelebt haben, sei es um die Langmut der Götter zu belohnen oder um deren drohenden Zorn abzuwenden oder um ihn noch in seinem Sturmeswüten zu versöhnen.

5. Muß man es deshalb nicht bejammern, daß Leute einer verwünschten, verbotenen und verzweifelten Partei sich gegen die Götter zusammenrotten? die aus der untersten Hefe die Ungebildeteren und leichtgläubige Weiber, denen ihr Geschlecht den Abfall er- leichtert, aufbringen und eine verruchte Verschwörung organisieren; ja in nächtlichen Zusammenkünften und an festgesetzten PFasttagen und bei bestialischen Gelagen nicht durch ein Opfer, sondern durch ein Verbrechen sich verbünden!

Es ist ein im Dunkeln schleichendes und lichtscheues Volk, nach außen stumm, in seinen Verstecken geschwätzig. Sie gehen den Tempeln aus dem Wege, spucken vor den Göttern aus, verlachen die Opfer, bedauern(wenn die Jammergestalten dazu überhaupt ein Recht haben!) die Priester und verachten Ehrenstellen und Purpurgewänder, während sie selbst halbnackend gehen.

Und was noch für eine sonderbare Dummheit und unglaubliche Frechheit! Sie ver- achten die Folterqualen der Gegenwart, während sie ungewisse in der Zukunft fürchten; ja, während sie ein Sterben nach dem Tode fürchten, fürchten sie die, Zwischenstufe dieses Todes nicht: so zaubert ihnen eine trügerische Hoffnung die Furcht davor weg, indem sie sie mit einem neu auflebenden Leben tröstét.

Und wie das Schlechtere ja immer üppiger sproßt, so wachsen jene traurigen Heilig- tümer der gottlosen Rotte schon über den ganzen Erdkreis herauf, da ihre verruchten Gebräuche sich von Tag zu Tag weiter verbreiten: diese Vereinigung muß aber völlig aus- gemerzt und ausgerottet werden!

Sie erkennen sich an geheimen Merkmalen und Abzeichen und entbrennen in Liebe zu einander, noch ehe sie sich recht kennen gelernt haben; denn überall verbindet sich damit auch so etwas wie eine Religion der Lüste: sie nennen sich alle ohne Unterschied Brüder und Schwestern, so daß eine auch so schon ungewöhnliche Unzucht durch die Vermittelung dieses hehren Namens zur wirklichen Blutschande wird.

6. So macht sich ihr eitler und verrückter Aberglaube noch aus dem Verbrechen einen Ruhm. Und wenn nicht der Sache etwas Wahres zu Grunde lüge, würde die geschäftige Fama nicht das Schändlichste und nur mit Respekt zu Vermeldende von ihnen erzählen.

7. Ich höre, daß sie den Kopf eines der erbärmlichsten Tiere für heilig erklärt haben und nun auf Grund dieses höchst abgeschmackten Glaubens verehren: eine für solche Sitten passende und ihnen natürliche Religion!..[Näheres hierüber bei Tacitus hist. V, 3 f.].

8. Und wer erzählt, daß ein Mensch, der für sein Verbrechen mit dem Tode bestraft ward, und seines Kreuzes Todesbalken Gegenstände ihrer Verehfung seien, der giebt ihnen nur solche Heiligtümer, wie sie für solche Taugenichtse und Verbrecher passen: sie verehren das, was sie selber verdienen!

9. Auch die Geschichte von der Einweihung ihrer Neulinge ist ebenso ab- scheulich wie bekannt.

Ein Kindlein, welches zur Täuschung der darauf nicht Vorbereiteten mit Spelt bedeckt ist, wird demjenigen vorgesetzt, der in ihre heiligen Handlungen eingeweiht werden soll. Dieses Kind wird von dem Novizen, der durch die Oberfläche von Getreide sich zu