Aufsatz 
Beiträge zu einem Quellenlesebuche für die Kirchengeschichte
Entstehung
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XXII

Im Gegenteil: als wir einige solche TempeL und Blutschänder, auch Men- schenmörder zu verteidigen und zu schützen übernahmen, glaubten wir sie überhaupt gar nicht anhören zu dürfen. Da wir aber manchmal auch Mitleid mit ihnen hatten, fuhren wir nun, damit sie nämlich nicht sterben müßten, mit ziemlich grausamer Wut gegen sie los, um sie trotz ihres Geständnisses durch Foltern zum Leugnen zu bringen; bei solchen wendeten wir eine verkehrte Fragestellung an, nämlich nicht eine, welche die Wahrheit herausbringen. sondern eine, welche die Lüge erzwingen sollte.

Wenn es nun einmal einen Schwächeren gab, der, durch die Marter gebeugt und über- wältigt, leugnete, ein Christ zu sein, so begnadigten wir ihn, wie wenn er mit der Verfluchung des Namens auch schon alle seine Thaten durch jenes Neinsagen gesühnt hätte.

Erkennt ihr nun an, daß wir damals genau dasselbe gemeint und gethan haben, was ihr jetzt noch meint und thut? Aber sie müßten doch, wenn das Urteil nach Vernunftgründen und nicht infolge der Aufhetzung durch einen Dämon(s. u.) gefällt würde, vielmehr dazu gedrängt werden, daß sie über die unkeuschen Vorkommnisse, über die sündhaften Gottes- dienste und über die Schlachtung der Kinder ein Geständnis ablegten, nicht dazu, daß sie das Geständnis zurücknähmen Christen zu sein!

VII. Hadrian[117138]. 1. Kaiserliche Reiseeindrücke von Juden und Christen in Agypten.

Flarius Vopiscus vita Saturnini 8: Damit mir kein Agypter zürne und für meine Ansicht halte, was ich schriftlich berichtete, so lege ich den Brief Hadrians bei., welcher aus den Briefen Phlegons, seines Freigelassenen, entnommen ist und die Lebensweise der Agypter vollständig offenbart:

Kaiser Hadrian an den Consul Servianus.

Ich habe das vielgepriesene Xgypten ganz oberflächlich, unzuverlässig und in jeder Beziehung flatterhaft gefunden. Dort sind die Serapisverehrer Christen und die Serapis- diener sind die, welche sich Christi Bischöfe nennen. Da giebt es keinen Oberpriester bei den Juden, keinen Samaritaner, keinen Presbyter bei den Christen, der nicht ein Sterngucker, Wahrsager oder Quacksalber wäre. Wenn selbst jener Patriarch nach Agypten kommt, wird er von den einen den Serapis, von den andern den Christus anzubeten ge- zwungen. Es ist eine Sorte von Leuten, welche voller Unruhen, Thorheiten und Schlechtig- keiten stecken; eine mächtige, reiche und leistungsfähige Stadt, in welcher niemand müßig geht. Die einen blasen Glas, von andern wird Papier gemacht, wieder andre sind Leinweber. Auf jeden Fall erscheinen und gelten sie als Leute mit allen möglichen einzelnen Fertig- keiten. Da haben die Fußleidenden(Podagristen) etwas zu treiben; da haben die Blinden etwas zu thun; nicht einmal die Gichtischen(Chiragristen) leben müßig bei ihnen. Ihr einer Gott ist keiner(mullus) ²). Diesen verehren die Christen, alle Juden und auch Heiden: ach, wäre doch diese Stadt sittlich besser geartet! denn sie ist es wahrhaftig nach ihrer Pracht und Größe wert, an der Spitze Agyptens zu stehen. U. s. w.

¹) Andere Lesart:Ihr einziger Gott ist das Geld(nummus). Das würde allerdings das beste Zeichen dafür sein, daß ein Heide die oben erwähnten Zeichen christlicher Liebesthätigkeit nicht verstehen konnte oder wollte. Vgl. Tert. apol. 39:Dergleichen Liebesthätigkeit drückt uns bei manchen einen Makel auf.