XIX Eingebrachten, den niemand hatte suchen sollen, und der, dünkt mich, nun nicht deshalb Strafe verdient hat, weil er schuldig ist, sondern weil er aufgefunden wurde, obgleich er nicht aufgesucht werden sollte.
d) Den Zweck der Folterung betreffend.
Daher verfahrt ihr auch darin gegen uns nicht genau nach dem Schema, wie ihr sonst über Bösewichter Gericht haltet: daß ihr nämlich gegen alle andern, wenn sie leugnen, die Folter anwendet, um sie zum Geständnis zu bringen, während ihr sie gegen die Christen dazu benutzt, um sie zum Leugnen zu zwingen; wo wir doch(nach euren sonstigen Erfahrungen) leugnen würden, wenn es ein Verbrechen wäre(was wir gestehen), und ihr uns durch Foltern zum Geständnis desselben bringen müßtet!
Denn wenn ihr sicher wäret, daß ein Verbrechen schon darum begangen Ssei, daß Einer sich zu dessen Namen bekennt, so würdet ihr nicht meinen, die Verbrechen noch durch weitere Fragen untersuchen zu müssen: aber obgleich ihr genau wißt, was ein Mord ist, erpreßt ihr nichtsdestoweniger noch heute von einem geständigen Mörder den Verlauf der That der Reihe nach.
Da ihr nun aus dem Bekenntnis zu dem Namen auf unsre Verbrechen schließt, so ist es desto verkehrter, wenn ihr uns unter Foltern zwingt von dem Geständnis zurückzu— treten(; denn damit könnt ihr doch nur beabsichtigen), daß wir mit dem Namen auch die Verbrechen leugnen, auf die ihr doch schon aus dem Zugeständnis des Namens geschlossen hattet.
e) Das Endurteil betreffend.
Aber, glaube ich, ihr wollt nicht, daß wir getötet werden, die ihr doch für so große Bösewichter haltet. Denn ihr pflegt doch auch zu einem Mörder nicht zu sagen:„Leugne!“ und einen Tempelräuber pflegt ihr nicht foltern zu lassen, wenn er bei seinem Eingeständnis beharrt(damit ihr ihm das Leben schenken könnet).
Wenn ihr gegen uns trotz unserer Schuld nicht so verfahrt, so müßt ihr uns doch für sehr unschuldig halten: warum würdet ihr sonst wünschen, daß wir nicht bei einem Ge- ständnis bleiben, welches ihr, wie ihr wohl wißt, unter einem(staatlichen) Zwang, nicht aus rechtlichen Gründen verdammen müßt?
Ein Mensch sagt aus:„Ich bin ein Christ“. Er sagt, was er ist; du willst hören, was er nicht ist. Ihr, Präsidenten(eines Gerichtshofes) zur Entdeckung der Wahrheit, be- müht euch, nur von uns eine Lüge zu hören.„Ich bin das“, sagt er,„wonach du mich fragst: was folterst du mich zu so verkehrtem Zwecke? ich gestehe, und du folterst mich; was würdest du denn thun, wenn ich leugnete?“ In der That: wenn andre leugnen, meßt ihr. ihnen schwerlich Glauben bei; uns glaubt ihr gleich, wenn wir leugnen.
f) Die treibenden Gründe betreffend.
Möchte doch diese traurige Verkehrtheit bei euch den Verdacht erwecken. daß irgend eine Gewalt sich im Hintergrunde verbirgt, welche euch gegen alle Form, gegen alle Natur des Richtens, ja gegen die Gesetze selber als Handlanger benutzt. Denn täusche ich mich nicht, so sollen die Gesetze das Böse ans Licht ziehen, nicht verschleiern; sie schreiben vor. die Geständigen zu verurteilen, nicht freizusprechen. Das bestimmen Senatsbeschlüsse, das
bestimmen die Gebote der Fürsten, das bestimmt das Reich. dessen Diener ihr seid. Euere „ 3*


