Aufsatz 
Beiträge zu einem Quellenlesebuche für die Kirchengeschichte
Entstehung
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N

Bald fielen mir mehrere Gruppen auf, da, wie gewöhniich, gerade durch die Unter- suchung die Schuld sich immer mehr verzweigte. Ich bekam eine anonyme Denunziation, welche die Namen vieler Leute enthielt.(1). Von diesen meinte ich diejenigen, welche leug- neten Christen zu sein oder gewesen zu sein, freigeben zu müssen, wenn sie nach meinem Vorgang die Götter anriefen, dein Bild, welches ich zu dem Zweck mit den Götterbildern hatte herbeibringen lassen, unter Weihrauch- und Weinspenden anbeteten und überdies Christo fluchten; denn echte Christen, sagt man, könnten zu nichts dergleichen ge- zwungen werden.(2). Andere, die auf der Liste standen, sagten zwar, sie seien Christen, nahmen es aber bald zurück: sie seien es allerdings gewesen, aber sie hätten es wieder sein lassen, einige vor drei, andere vor mehreren, manche schon vor zwanzig Jahren. Sie alle beteten auch erst dein Bild und die Götterzeichen an, dann verfluchten sie Christum. Sie versicherten ferner, daß folgendes ihre Hauptschuld oder ihr Hauptirrtum wäre: Gewöhnlich wären sie an einem bestimmten Tage beim Morgengrauen zusammengekommen und hätten Christo gleich Gott mit einander wechselsweise lobgesungen, sich aber nicht zu einem Ver- brechen verschworen, sondern vielmehr eidlich verpflichtet, keine Art von Diebstahl, Raubmord und Ehebruch zu begehen, das gegebene Wort nicht zu brechen und ein anver- trautes Gut zurückzugeben, wenn man es verlangte. Nach diesen Verrichtungen seien sie gewöhnlich auseinandergegangen und erst später wieder zusammengekommen, um ein Mahl einzunehmen; dieses sei jedoch lose zusammengesetzt und unanstößig gewesen: auch hätten sie dessen Feier ganz eingehen lassen seit meiner Verfügung, durch welche ich laut deiner Befehle das Bestehen geheimer Verbindungen verboten hatte.(3). Um so nötiger er- schien es mir, auch zwei Dienerinnen, sogenannte Diakonissen, zu verhören und unter Anwendung der Folter sie zu wahrheitsgemäßen Angaben zu veranlassen. Da ich aber auch dabei nur einen widersinnigen und maßlosen Aberglauben fand, verschob ich die Unter- suchung und wende mich nun an dich um Auskunft. Denn die Sache scheint mir der Beratung wert, hauptsächlich auch wegen der Menge der Angeklagten. Deun viele Personen jeden Alters, jeden Standes, ja beider Geschlechter sind in den Prozess verwickelt und wer- den darein noch verwickelt werden, weil die Seuche dieses Aberglaubens schon nicht nur die Städte durchlaufen hat, sondern auch in die Dörfer und auf das platte Land gedrungen ist.

Und doch scheint es möglich, sie aufzuhalten und zu heilen. Wenigstens fangen nach- weislich die Tempel, welche schon fast vereinsamt waren, wieder an sich zu füllen; die Götterfeste, welche schon so lange unterblieben waren, werden wieder aufgesucht; auch wird wieder Futter für Opfertiere verkauft, wofür sich bisher nur sehr selten noch ein Käufer fand. Hieraus kann man leichtlich sehen, welch einer Menge Menschen wieder auf- geholfen werden könnte, wenn man sie um ihrer Reue willen begnadigen wollte.

c) Die Entscheidung des Kaisers.

Plinius Secundus epistulae X, 97. Du hast bei der gerichtlichen Untersuchung gegen diejenigen, welche dir als Christen denunziert waren, das entsprechende Verfahren ein- geschlagen. Denn in der That kann nicht für alle Fälle etwas derartiges verfügt werden, daß es sich gewissermaßen in eine ganz bestimmte Form fassen ließe. Aufspüren darf man sie nicht; werden sie aber angezeigt und überführt, so muß man sie bestrafen: jedoch mit der Einschränkung, daß derjenige auf Grund seiner Reue begnadigt wird, welcher