IX
Anders ist es dagegen mit der oberen(Götter-) Welt. Denn während die Agypter meistens Tiere oder Zwitterwesen verehren, kennen die Juden nur Eine Gottheit, und auch diese nur im Geiste: die sind ihnen ein Greuel, welche aus vergänglichen Stoffen Bilder von Göttern machen, wie wenn es Menschen wären; denn der höchste und ewige Gott, sagen sie, könne weder einem nachgebildet werden, der ihm gleich sei, ¹) noch könne er jemals wieder vergehen. Daher stellen sie weder in ihren Städten, noch vollends gar in ihren
Tempeln Standbilder auf— und sie begehen diese Schmeichelei weder an ihren eigenen Königen, noch erweisen sie diese Ehre unsern Kaisern... Der Juden Cultus ist ab-— geschmackt und armselig.—(13) ein Volk, des Aberglaubens Knecht und den Götter-
zeichen Feind. IV. Trajan(98— 117).
a. N. A. für die bereits bestehenden Gründe zu einem staatlichen Einschreiten gegen die Christen. (Apgsch. 16, 20 f.): Diese Menschen machen unsre Stadt irre; sie sind Juden und verkündigen eine Weise, die uns nicht ziemt anzunehmen noch zu thun, weil wir Römrer sind.(Apgsch. 17, 6 f.): Diese, die den ganzen Erdkreis bewegen, sind auch hierher gekommen; diese alle handeln wider des Kaisers Gebot und sagen, ein andrer sei der König, nämlich Jesus.[Apgsch. 17, 18]: Es siehet, als wollte er neue Götter verkündigen.(Apgsch 18, 13): Dieser überredet die Leute, Gott zu dienen dem Gesetz zuwider. (Apgsch. 19, 27): Aber es will nicht allein unser Handel dahin geraten, daß er nichts gelte, sondern auch der Tempel der großen Göttin Diana wird für nichts geachtet werden, und wird dazu ihre Majestät untergehen, welcher doch ganz Kleinasien und der Weltkreis Gottesdienst erzeigt.(Apgsch 25, 19): Sie hatten aber etliche Fragen wider ihn von ihrem Aberglauben und von einem verstorbenen Jesus, von welchem Paulus sagte, er lebe.—[1. Kor. 1, 22 f: Indessen die Juden Zeichen ſordern und die Griechen nach Weisheit fragen, predigen wir den gekreuzigten Christus, den Juden ein Argernis und den Heiden eine Thorheit.] b. Plinius Secundus, der Proconsul von Bithynien, trägt seinem kaiserlichen Herrn seine Bedenken über die Christen vor und bittet bezüglich der Behandlung letzterer um Auskunft[112)].
. Plinius Secundus epistulae X, 96. Da ich noch nie an Christenprozessen teilgenommen habe, so weiß ich weder, was gewöhnlich dabei und wiefern es unter Strafe fällt, noch worauf sich die Untersuchung und wie weit sie sich zu erstrecken pflegt. Auch habe ich nicht wenig geschwankt, ob man einen Unterschied in den Altersstufen machen müsse oder ob auch die Schwächsten gar nicht von den Stärkeren unterschieden werden dürfen; ob man demjenigen, der Reue zeigt, Verzeihung gewähren oder ob es ihm überhaupt nichts helfen soll, kein Christ mehr zu sein; ob schon der Name ohne nachweisbares Verbrechen strafbar ist oder ob erst Verbrechen in Verbindung mit dem Namen bestraft werden sollen. — Inzwischen habe ich gegen die, welche mir als Christen denunziert waren, folgendes Verfahren eingeschlagen: Ich fragte sie selber, ob sie Christen wären. Die Gestän- digen fragte ich unter Androhung der Todesstrafe ein zweites und drittes Mal. Wenn sie bei ihrer Aussage blieben, ließ ich sie hinrichten. Denn ich meinte immer, daß man jedenfalls, wie man auch sonst über das von ihnen Eingestandene denken möchte, ihre Hartnäckigkeit und ihren unbeugsamen Trotz bestrafen müsse. Einige Genossen derselben Thorheit merkte ich für die Deportation nach Rom vor, weil sie römische Bürger waren.
¹) Jes. 40, 25.
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