Aufsatz 
Erklärungen über Phädrus / von Kunkel
Entstehung
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nicht ſehr verſchieden und konnte daher leicht Eines aus dem Andern entſtehen. Das Bedenken, als ſei mulla laude zu prahleriſch geſprochen, fällt weg, da ja Phädrus die für ſeine literäriſche Thätigkeit günſtigen Momente aufzählt. 1

V. 54 und folgende. Die Ausleger gehen in der Auffaſſung dieſer Stelle ſehr aus⸗ einander. Die Einen ſehen V. 55 in pelriae, Mazedonien, die Anderen Thrazien. Für die eine wie für die andere Anſicht iſt vor Allem V. 17. zu vergleichen und aus der Auffaſſung jenes Vesſes die geeignete Schlußfolge zu ziehen. Je nachdem nämlich der Berg Pierus in Mazedonien oder in Thrazien liegt, nachdem wird man auch bei patria au Mazedonien oder an Thrazien zu denfen haben. In Beziehung auf jenen Vers wurde anderwärts gezeigt und ſoll hier als Refultat bloß angeführt werden, daß der Berg Pierus und die Gegend Pieria vor Alters zwar zu Thrazien, aber zur Zeit des Strabon und ſonach auch des Phädrus zu Mazedonien gerechnet wurde. Indem nun dieſes alſo gewonnene Reſultat als Argument benützt wird, bringt man V. 54 mit V. 56 und folgenden in Verbindung etwa alſo: Warum ſoll ich, der ich(als Mazedonier) dem gebildeten Griechenlande näher bin (als Aeſopus und Anacharſis?) in trägem Schlafe die Ehre meines Vaterlandes(Mazedo⸗ nien) verlaſſen(verſäumen), da(ja ſelbſt) das(doch entferntere?) Thraziſche Volk ſeine Schriftſteller(Dichter) zählt.h in egrnen e in 141chi and miemn Allein, wird man fragen, welches wäre denn das decus palriae? etwa bloß: propiorem esse literatae Graeciae? Es wäre doch ſonderbar, wenn für Phrygien Aeſopus, für Skythien Anacharſis; ferner für Thrazien Linus und Orpheus angefüͤhrt würden und für Mazedonien Niemand. Es wäre ferner ſonderbar, wenn das propior aus⸗ ſchließlich im Gegenſatz zu Thrazien ſtehen ſollte, da doch Phrygien und Skythien noch weiter von Griechenland entfernt ſind als Thrazien. Sollte aber propior ſowol im Gegenſatz zu den voranſtehenden Phrygien und Stythien, als auch zu dem nachfolgenden Thrazien ſtehen; ſo müßte es ganz beſonders auffallen, daß Phädrus(wenn wir auch ſeine Kürze nicht tadeln wollen) dieſe Theile ſo auseinander geriſſen und nicht vielmehr der Deutlichkeit wegen alſo ſollte geſchrieben haben:

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Si PhryxX Aesopus polnit, si Anachursis Scytha 191 d Keternam famam condere ingenio suo; 1 Threissa si gens numerat auctores suos. 12 In Linoque Apollo parens est. Musa Orpheo, 101 en nan Oui saxa cantu movit, et domuit ſeras. Hlebrique tenuit impetus dulci mora:

Egg, literatae qui sum propior Graeciaę, 5 51 5 Dn Hu mnan Cur somno inerti deseram patriae decus? 11 9 lo⸗ Auch bei V. 60 und 61 wird man wieder fragen: welches denn das deeus patriae ſei? denn nur erſt, wenn dieſes klar geſtellt iſt, wird es verſtändlich ſein, warum solemmis gloria geſagt wird. Bei der Anſicht, daß Thrazien nnter patriae zu verſtehen ſei, fielen alle dieſe Bedenken weg und die ganze Stelle wäre, für ſich genommen, klar. Allein wie erledigt ſich dann der Widerſpruch mit V. 172 Ob ſich alle Bedenken und Widerſprüche durch die An⸗ nahme beſeitigen ließen: Phädrus habe hier zwiſchen einem engeren und weiteren Vaterlande