Aufsatz 
Erklärungen über Phädrus / von Kunkel
Entstehung
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wäre we denn in der Stelle Lib. III. ſab. X. die man auch für die in Frage ſtehende Anſicht angeführt hat, doch das, was Phädrus aus der ſabulosa vetustas anführt, wol nur deßwegen exemplum genannt wird, weil es als Beleg utriusque rei dienen ſoll, und er haͤtte gewiß eben ſo gut das, wovon er ſagt:Narrabo tibi memoria quod factum est mea exemplum nennen können. Selbſt die Fabel von Gyges bei Cicero de offic. III. 9.

wird dort als Beiſpiel d. i. als einzelner Fall für einen altgemsinen Satz angeführt und es könnte an dieſer Stelle⸗ eben ſoh ant eine ha Geſchi hte ſtehen, um zur Er⸗ läuterung zu dienen. Eine jede. rzählung(gleichbiel ob wahr oder erdichtet t) wird alſo in ſo fern und nur in ſo fern exemplum genannt werden können, als ſie einen einzelnen Fall für einen allgemeinen Satz enthält. Wer die entgegengeſetzte An⸗ ſicht vertheidigen will, der dürfte, wol die Ausdrücke; narratio. argumentum. res.] versus. versus Suljecti aſif ahnliche Weiſ e deuten, weil ſich dieſelbeir henfalls da fünden⸗ wo fabula ſtehen könnte. 3

V. 5. Ich bin geneigt, von der Lesart der codd. woremmde ſuerit ergo narrandi

locus möglichſt wenig abzuweichen, ſo daß nurJocus inJocus verwandelt würde.

Die Vertauſchung locus ſtatt jocus konnte beim⸗ Abſährjben leicht vorkommen, ſo wie ſie ſich wirklich auch Lib. I. fab. XXI. 2. findet. Jocus narrandi(= Scherz des Erzählens) wird alſo ſein: Der Scherz, der ſich in der Erzählung zeigt, d als Schmuck ſich der Erzählung beimiſcht.

V. 12. Die codd. leſen:lta sic rependet illi brevitas gratiam. was man auf viel⸗ fache Weiſe zu ändern und dann zu erklären geſucht hat. Ich dächte, man ſollte nichts ändern, außer illi in illic und alſo erklären: dem Uach wird auf dieſe Weiſe(d. h. unter ſolchen Umſtänden) die Kürze dort(wo ich mir nämlich erlaubt habe, Etwas ein⸗ zuſtreuen) den Dank(dafür für dieſe Nachſicht nämlich) abſtatten. Demnach würde ſo die zweite Partikel(sich auf den Sachverhalt(das Einſtreuen und die dafür gewünſchte Nachſicht) zu beziehen ſein, und die erſte(ila) die ſich daraus(aus dem Sachverhalte, der in sie gleichſam noch einmal zuſammengefaßt angedeutet wird) erge⸗ bende oder daran geknüpfte Folge andeuten; gerade wie in dem Anfange dieſes Satzes demnach ſo gebraucht ſind. Wenn das Beiſpiel, welches zum Beleg aus Liyius It. 40. angeführt wird aita sic in poutem desiluit(in Tiberim desiluit) Horatius Cocles nämlich, nachdem er die Brücke vertheidigt und dann den Flußgott angefleht hatte richtig ſiebt. ſo läßt ſich wol auch(um ſo eher) an unſerer Stelle aita sicu feſthalten.ßlta si, was Viele dafür aufgenommen haben, läßt ſich freilich durch meh⸗ rere Beiſpiele belegen. Allein zu einer Aenderung ſollte man doch erſt dann ſchreiten, wenn die Lesart der Handſchriften durchaus nicht haltbar erſcheint wie es freilich mit villi wol ſein wird. Die Aenderung, welche ich in Vorſchlag bringe, entfernt ſich wol am wenigſten von der Lesart der Handſchriften und paßt in den Zuſammenhang. Dort iſt nämlich an den Stellen, wo Phädrus Etwas einſtreuen will. Ich muß mich wundern, daß unter den vielen Aenderungen, welche für dieſe Stelle in Vorſchlag gebracht wurden, ich dieſeillie inillic nicht finde, während ſie doch ſehr nahe (vielleicht am nächſten) zu liegen ſcheint. Auch illa wäre wol noch dem ipsa, ista. illam als eine kleinere Aenderung vorzuziehen geweſen und zu erklären: jene(an mir⸗