Aufsatz 
Aus dem Leben der Kinder in Hellas und in Rom / Karl Joseph Hattemer
Entstehung
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Kinder von Freigelaſſenen die bulla. Goldene ¹) Bullen finden ſich bei den Kindern vornehmer Familien, lederne²) bei ſolchen von ärmeren Leuten.

In ſpäterer Zeit beſchränkte ſich das Tragen der bulla nicht blos auf die Knaben. Nach Plaut. Rud. 4, 4, 112: Pa. Et bulla aurea est, pater quam dedit mihi, muß angenommen werden, daß auch von den Mädchen die bulla getragen wurde. Ungewiß iſt es, bis zu welchem Zeitabſchnitte ihres Lebens ſolches geſchah; vielleicht bis zu deren Verheirathung. Die bulla, welche man den Mädchen umzuhängen pflegte, hatte vielleicht eine andere Geſtalt, der lunula ähnlich ³).(vgl. Seite 7 Note 1 und Seite 8 Note 4.)

Gewoͤhnlich wurde die bulla an einer ſchmalen Schnur oder auch einem Metallreife an dem Halſe getragen; ſeltener ſieht man, daß dieſelbe von einem breiten Bande gehalten wird 4). Die Statuen vornehmer Römer mit der bulla geſchmückt, hießen bullatae).

Das Römiſch⸗germaniſche Central⸗Muſeum in Mainz beſitzt eine goldene Bulle(in Umriß und Naturgröße iſt dieſelbe hier beigefügt). Dieſelbe wurde in Pompeji gefunden, kam dann in die Hände des Antiquitätenhändlers Eckhel in Straßburg; von dieſem kaufte ſie Dr. Hepp, der vor mehreren Jahren ſeine ganze Sammlung, mitunter ſehr werthvolle Antiquitäten, dem hieſigen Muſeum überließ. Die Bullen in Bronze, die unſer Muſeum beſitzt, ſind weit einfacher, und bilden nur flach convexe Schalen mit wenigen Verzierungen, die zum Theil durch ein kleines Charnier mit einander ver⸗ bunden ſind.

Zur Beruhigung und Unterhaltung gab man den Kindern ſſowohl in Griechenland als in Rom die Klapper, beſonders von derjenigen Conſtruktion, wie ſie nach Ariſtoteles der Kinderfreund Archytas erfunden haben ſoll ⁰6). Dieſe Klapper bildete damals wohl das erſte Spielzeug der Kinder; an ſie

1) Stat. Silv. V, 3, 116. 2) Jup. 5, 164: Etruscum puero si contigit aurum Vel nodus tantum, et signum de paupere loro, wozu der Scholiaſt: Antiquitus nobilium pueri bullas aureas habebant, pauperum de loris, signum libertatis.

3) Des Schmuckes der goldenen lunula bedienten ſich ſchon frühe im Oriente die Frauen. Hieronym. weiſt ſie den Frauen zu: Habent mulieres in lunae similitudinem bullas dependentes. Tertull. Cult. fem. 10: Nullam de con- chylio vestem Esaias increpat, nullas lunulas reprobat. Iaid. Orig. 29, 31.

4) So die Statne eines jungen Römers in der Dresdener Gallerie(Clarac, Musée. pl. 906.) Buonarroti, Osser- vazioni su' medaglioni.

5) Valer. Max, III, 1: Aemilius Lepidus, puer etiam tum progressus in aciem, hostem interemit, civem ser- vavit; cujus tam memorabilis operis index est in Capitolio statua bullata et incincta praetexta, Senatus consulto posita. Juven. 14, 4.

6) Archytas, der um die 95104. Olymp. lebte, war einer der hervorragendſten Männer Großgriechenlands (Tarent), deſſen Theilnahme für Erziehung ſich ſo ſehr auf das Einzelne erſtreckte, daß er ein eigenes Spielwerk erfand. Ou doxöras xryνν εsεεν, ſtic soπꝛ si⁴oα ⁶ουσένον mxo* 7 6oον e& τεοννιοεει πααœνœ- y aαναe&νεμνο εετᷣeαeνν. Suid. Kalsircr udr odre Arναυνπνν να 2ειαονöνασ‿ 1

3 Gενόσσ 6 xœνα,εσασνναααασνν oαχ νιια v½ᷣxναννσι νι Jνσαναυνοοòνια ⁷ιν 1πταα εωοσν.

Ariatot. Pol. 8, 6: Axuörou Aœναmν¶κνεσρασ zνlς. Aelian. Var. Hist. 12, 15.

Häufig findet man Darſtellungen von Knaben und Genien auf Pompejaniſchen Gemälden, mit langen Klapperhölzern in den Händen, gxισσ xoοταα, ligna fissilia. So Murr(le antichità di Ercolano) Tom. I. 30.& 32. Es ſcheint, als habe der Maler damit die Uebungen und Zeitvertreibe der Kinder, vielleicht auch unter dieſen geflügelten Knaben die Genii verſchiedener Arbeiten und Ergötzlichkeiten vorſtellen wollen. Kürzere Klapperhölzer finden ſich auf Basreliefs in der Villa Borgheſe, im Palaſte Giuſtiniani, auch auf einem Carneol des Stoſchiſchen Muſeums.(Winebelm. descr. des pierr. grav. p. 463.) Ein tanzender Zwerg, der in beiden Händen Klappern hält, findet ſich bei Murr, Tom VI. 91.