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ſächlich anzugehören, in welchen die Jugend, die Vorgänge und Erſcheinungen im großen geſelligen Ganzen des Gemeinweſens, die ſtaatlichen Parteien, die kriegeriſchen Heere ꝛc. nachahmend, in Maſſen und Abtheilungen ſich vereinigt, um den Vorrang und Sieg zu ringen. Grade dem Umſtande, daß die Unterhaltungen, die Spiele der Kinder aus der Natur derſelben hervorgehen und der körperlichen wie geiſtigen Faſſungskraft zu entſprechen pflegen, grade dem Umſtande, daß ſich das Kind in ſeinen Spielen mit der Außenwelt in der oben gegebenen Weiſe in Beziehung ſetzt(welch' letztere die in allen Zeiten und unter allen Zonen ſich gleichbleibende Natur des Menſchen abſpiegelt,) iſt es zuzuſchreiben, daß wir in allen Zeiten und bei allen Völkern ſo ziemlich dieſelben Jugendſpiele und Unterhaltungen mit Modifikationen, wiederfinden, welche noch heute unſere Jugend erfreuen.
Wir haben uns in der vorliegenden Abhandlung zur Aufgabe geſteckt, auf einzelne Gebräuche hinzuweiſen, welchen wir im Leben der Kinder bei den Griechen und Römern begegnen, und jene Erheiterungen und Beſchäftigungen zu beleuchten, welche zunächſt nicht in den Bereich der ſtreng geiſtigen Erziehung gehören. Das große Intereſſe, welches der Gegenſtand bietet, insbeſondere durch paſſende Vergleiche mit dem Leben der Kinder der modernen Zeiten, hat eine Anzahl von Gelehrten veranlaßt, dem Gegenſtande eine beſondere Aufmerkſamkeit zu weihen. Bekannt ſind die höchſt verdienſt⸗ vollen und fruchtbaren Unterſuchungen von Becker(Rein, Hermann), Guhl und Koner, Marquardt, Göll, Graßberger u. a. m., welche auch bei unſerer Bearbeitung verglichen und benutzt wurden. Doch weichen die Meinungen oft ſo ſehr von einander ab, daß man in denjenigen Fällen, wo die betreffenden Stellen der alten Autoren noch eine zweite Deutung zulaſſen können, oder aber zur vollkommenen Löſung einer beſtrittenen Frage gar nicht ausreichen, ſich diejenige Meinung aneignen muß, welche als die wahrſcheinlichſte erſcheint.
Schon die in den erſten Tagen nach der Geburt vorgenommenen Gebräuche bei den Griechen und Römern deuten darauf hin, daß die Angehörigen und Freunde der Familie es für ihre Pflicht erachteten, wenn auch nur ſcheinbar, die erſten Stunden des Kindes zu erfreuen.
Bei den Griechen war die Sitte eine ziemlich allgemeine geworden, daß die Kinderwärterin mit dem neugeborenen Kinde am fünften oder ſiebenten Tage nach deſſen Geburt mehrere Male um den brennenden Hausaltar lief; dieſer Tag hieß 0μέἀααμαοων uaxo, die Handlung ſelbſt das Umlaufs⸗ feſt 49 α0 90 1,. Suidas ſagt hierüber:) su— α«n nd roic S06⁴.ερ⁴σασ Aroxa- Saiooyrai do xeoœs d αeνeuëμνevu-riſe uœBαεοσς,&u(εοσ ε οεμρο ττεοιρςεοοναν tν sεᷣπia rosxovrs*œ dσ ⸗πιειμινιονυαισνσν ποοσππmmννπινε, d&ι τ πQ᷑wάwάwroν 1ο⁵ιπιο⁴³αρς œu iox v dexd* ε ταωνπννοιμαα εενεντναν. Durch dieſe Ceremonie wurde das Kind eigentlich in die Familie auf⸗ genommen und den Schutzgöttern des Hauſes empfohlen ¹). Die Thüre des Hauſes pflegte bei der Geburt eines Knaben mit Oelzweigen bekränzt zu werden²); bei der Geburt eines Mädchens umwand
1) Harpocr. v. Au*†α⁴³ σνμμα, Meursius in Graec. Fer. p. 18; Hesychius v. foouμα‿νμισων uao, wo dieſer den ſiebenten Tag als ſolchen angibt. 2) Hesych. Meurs. Lect. Att. 1. 10.


