Aus dem Leben der Kinder in Hellas und in Rom.
Von Dr. Karl Joſeph Hattemer.
Wie lehrreich es auch immer ſein mag, bei Völkern, welche ſich, wie das griechiſche und römiſche, zu einer ungewöhnlichen Höhe der Kraft und Cultur emporgeſchwungen, eine Prüfung der Faktoren anzuſtellen, welche in der Erziehung zuſammengewirkt, um ein geiſtig tüchtiges Geſchlecht heranzubilden, ſo dürfte es nicht minder anziehend und von Intereſſe ſein, bei dem Studium der Geſchichte jener Völker einen Blick in das Leben des Kindes während der erſten Lebensjahre zu werfen, wo daſſelbe einer ernſteren geiſtigen Thätigkeit, einer Spannung der Kräfte noch nicht gewachſen iſt; oder das Thun und Treiben des Knaben zu verfolgen, in den Stunden ſeiner Erholung, in der Zeit des Tages, in welcher er, fern von der Schule und der Aufſicht des Erziehers, ſich ſelbſt überlaſſen, dem freien, ungetrübten Genuſſe ſeiner Jugend hingegeben iſt. In dieſer Beziehung bietet das Leben des Kindes, abgeſehen von zufälligen Einflüſſen, abgeſehen von der Verſchiedenheit der Zeit und des Ortes natur⸗ gemäß gewiſſe Stufen der Entwickelung dar. Im früheſten Alter, ſo lange daſſelbe ausſchließldh der Pflege der Mutter anvertraut iſt, wird die körperliche Befriedigung deſſelben allein ſeine Aufmerkſamkeit in Anſpruch nehmen; in dem Maße als die geiſtigen Kräfte ſich zu regen und zu entwickeln anfangen, wird ſich immer mehr das Streben zeigen, ſeine Unterhaltungen in Spielzeugen zu finden, welche dem Auge, dem Ohre, überhaupt den ſinnlichen Organen eine angenehme Beſchäftigung bieten(die Klapper). Bei immer wachſender Faſſungskraft wird, in der Altersſtufe, wo das jugendliche Auge bereits zu unterſcheiden und zu beobachten angefangen hat, immer mächtiger der Trieb im Kinde ſich regen, ſolche Dinge als Spielzeug zu beſitzen, in welchen daſſelbe eine Nachahmung deſſen ſieht, was den Erwachſenen zu den Zwecken des geſelligen Lebens dient, oder dieſelben zu beſchäftigen pflegt(Nachahmung von Thieren in Holz, Metall, Puppen). Je mehr der Blick des Kindes aus dem ſtillen Zimmer und über die engen Räume des Hauſes hinausſchweift, je mehr es in die Altersſtufe voranrückt, wo Geſpielen und Altersgenoſſen ſich ihm anſchließen, werden jene Spielzeuge zum großen Theil ihre Bedeutung verlieren und der geſelligen Unterhaltung, den eigentlichen Spielen, weichen müſſen; oder es werden jene Spielzeuge von der Art ſein, daß ſie eine körperliche Uebung und Bewegung in der freien Luft fördern(der Reif u. a. m.) Jedenfalls ſcheinen der letzten Stufe des Kindesalters jene Spiele haupt⸗
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