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an den damaligen Erbprinzen, späteren Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt vermählt war. Noch zu Lebzeiten seines Schwiegervaters trat dieser in der Grafschaft Hanau-Lichtenberg die Herrschaft an; allerdings sollten nach dem Willen des letzten Grafen von Hanau die geerbten Gebiete ein von den hessischen Ländern unabhängiges Besitztum des Landgrafen mit einer be- sonderen Regierung bilden. Als Johann Reinhard III. i. J. 1736 starb, erlosch mit ihm das Grafenhaus, nachdem es über 500 Jahre regiert hatte ¹⁵1.
Nach dem Vertrag v. 1643 fiel nun die Grafschaft Hanau- Münzenberg an Hessen-Kassel und zwar an den Landgrafen Wilhelm VIII., den Urenkel der Landgräfin Amalie Elisabeth; durch Erbschaft dagegen ging Hanau-Lichtenberg an Hessen- Darmstadt über.
Wegen der Zugehörigkeit der Herrschaft Babenhausen zu Münzenberg oder zu Lichtenberg ergaben sich zwischen Kassel und Darmstadt viele Schwierigkeiten. Da die genannte Herrschaft früher Jahrzehnte lang bei Hanau-Lichtenberg war, zudem auch Graf Reinhard seinem Schwiegersohne schon am 17. Sept. 1729 Stadt und Land Babenhausen eingeräumt hatte, so mussten wohl auch Darmstadt berechtigte Ansprüche zuerkannt werden. Hessen- Kassel hatte noch ausserdem in einem Vergleich und meh- reren Verträgen diesen Besitzstand ausdrücklich gebilligt. Trotz- dem schritt auch Kassel 1736 zur Besitzergreifung von Baben- hausen. Die Folge waren schier endlose Streitigkeiten und Streitschriften, die endlich durch einen 1762 zu Celle und 1771 zu Darmstadt geschlossenen Vergleich beseitigt wurden. Darnach fielen an Kassel: Babenhausen, Kleestadt, Langstadt, Harres- hausen, Dudenhofen; an Darmstadt: Schafheim, Schlierbach, Altheim, Hergershausen, Dietzenbach. Die Hanauischen Lehen an die Freiherrn von Groschlag Hergershausen und Sickenhofen blieben zwischen Darmstadt und Kassel gemeinschaftlich[Erst 1810 kam Babenhausen an Darmstadt und zwar aus den Händen der französischen Regierung] ¹⁵2².
¹51 F. d. letzte Zeit vgl. Zimmermann a. a. O. 722 ff.— R. Wille, Hanau i. 30. Kr.(Mitt. d. Han. Bez.-V. f. h. G. Nr. 11, 1886).— R. Wille, die letzten Grafen v. H.-L. Hanau 1886.
¹52 Ueber diesen Streit Kassels u. Darmstadts R. Wille, d. letzten Gr. v. H.-L. S. 84 ff.— Ueber die vorhergetroffenen Abmachungen wegen d. Amtes Babenhausen ibid. S. 60 ff. Steiner, Bachgau III, 206 u. VII, Vertrag zu Celle. — Steiner, Bachgau III, 232, VIII, Vertrag zu Darmstadt.— K. Zimmer- mann, d. Sonderrechte d. Pr. Starkenb. u. Oberhessen S. 30.— Scriba, HR. St. 2449, 2450/1, 2454, 2455, 2462, 2466.— Für die Streitschriftenliteratur über d. Frage, Nick, Verzeichnis d. Bibl. d. hist. Vereins S. 30 ff.— Walther, Liter. Handb. f. Gesch. u. Landesk. v. Hessen S. 90— 96.— Vgl. auch Zim- mermann, d. Sonderrechte d. Prov. St. u. Oberh. S. 39.— Veränderungen in dem früher angegebenen Besitzstand der Grafschaft hatte es nur zu Ende des 17. u. zu Anfang des 18. Jahrh. gegeben. Die lebhaften Auseinander- setzungen, die Kurmainz wegen des gemeinsamen Besitzes des Gerichtes Biebergrund, des Amtes Partenstein mit Lohrhaupten führte, wurden 1684
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Uebernahme dureh Hessen.


