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Die letzten Nachdem im Jahre 1610 zwischen beiden Linien ein schon Hanauer Gralen. 1581 entworfener Erbvertrag abgeschlossen war, worin unter an- deren bestimmt wurde, dass im Falle des Aussterbens einer Linie die überlebende beerben sollte, ging die Münzenberger Linie rasch dem Erlöschen im Mannsstamme entgegen; am 12. Jan. 1642 starb mit dem Tode des Grafen Johann Ernst aus der Neben- linie Hanau-Schwarzenfels die ältere Linie des Grafenhauses aus. Der noch nicht 19 Jahre alte Graf Friedrich Kasimir vereinigt die sämtlichen Besitzungen, zunächst unter vormundschaftlicher Re- gierung, seit 1647 selbständig; er zeigte sich aber wenig geeignet, den verschiedenen Stürmen und Anforderungen während des 30 jährigen Krieges zu trotzen. Namentlich musste er den An- sprüchen der Witwe des Landgrafen Wilhelms V. von Hessen, der Landgräfin Amalie Elisabeth, einer geborenen Gräfin von Hanau-Münzenberg, und ihren Forderungen für die i. J. 1636 beim Entsatze Hanaus aufgewendeten Kriegskosten, nachgeben. Er über- liess ihr 1643 die hanauischen Aemter Naumburg und Schwarzen- fels in hessischen Pfandbesitz und ging einen vom Kaiser erst 1733 bestätigten Vertrag ein, wonach das Haus Hessen beim Aussterben des hanauischen Grafenhauses die Grafschaft Hanau- Münzenberg erben sollte ¹50, Auch musste er 1681 die Ober- hoheit über die im Elsass liegenden 9 Hanauischen Aemter ab- treten, wodurch er dort die hohe Gerichtsbarkeit und Militärhoheit verlor; er leistete demgemäss Ludwig XIV. den Huldigungseid für die im Elsass gelegenen Gebietsteile. Da er selbst kinderlos war, nahm er die beiden Söhne seines Bruders Reinhard an Kindes Statt an, Philipp Reinhard und Joh. Reinhard III. Bei seinem Tode 1685 erhielt der ältere Hanau-Münzenberg, der jüngere Hanau-Lichtenberg. Da aber Philipp Reinhard 1712 ohne Kinder zu hinterlassen starb, vereinigte Johann III. noch einmal die ganze Grafschaft in eine Hand. Auch er hatte keine Söhne, sondern nur eine einzige Tochter Charlotte Christine, die im Jahre 1717
Ueber d. Grafen v. Zweibrücken Schoepfliin, Alsatia illustrata II, 134. — Dommerich, a. a. O. S. 142/3.— Karten: Grattenauer, Karte der Grafsch. Hanau-Lichtenberg aus d. besten franz. Karten zusammengetragen. Nürnberg 1787.— Joh. Jak. Müller, d. Gr. H.-L. mit Dep. Lichtenberg. Hanau 1794.— Karte der Grafsch. in Schwarzdruck(sehr fehlerhaft!) im Bulletin (s. o.) 1859.— Karte d. Herrschaftsgebiete d. Unter-Elsass n. d. Stande v. 1. Jan. 1648, Maßst. 1:320000, i. d. v. statist. Bureau d. kaiserl. Ministeriums herausgeg. Schrift Die alten Territorien des Elsass. Strassburg 1896; dort S. 132— 142 genauere Zusammenstellung über Erwerb und Besitz d. Gr. H.-L., soweit sie im Elsass lag.— Für die Abtretung der Aemter Ober- u. Nieder- bronn vgl. Dommerich a. a. O. S. 153, Anm. 1 u. S. 162, Anm. 2.— Die alten Territorien d. Elsass S. 134, 139, 151— 153.— Für die statistischen Berech- nungen vgl. auch Biersack, AHG. VIII, 20 u. Bulletin 1859.— ¹0 In der Erbvereinigung v. 1610 u. dem Heiratsvertrage v. 16. Nov. 1619 war ihr Erbrecht ausdrücklich vorbehalten worden, falls der Mannes- stamm der Grafen v. H. in beiden Linien erlöschen sollte, cf. Wille, Hanau 1. 30. Kr. S. 8 u. 506/9, Erbvertrag zw. Hessen-Kassel u. Hanau, Wille a. a. O. 511/13..


