Aufsatz 
Entwicklungsgeschichte Hessen-Darmstadts. 1. Teil. Vom Tode Philipps des Großmütigen bis zur französischen Revolution
Entstehung
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sen Leinwandtapeten ihm nichts als die Bilder marschierender und kämpfender Soldaten entgegensahen. Das Drillen der Mannschaften zum schnurgeraden Parademarsch und zum blitzschnellen Exer- zitium war seine einzige Beschäftigung(Oncken, Zeitalter Friedr. d. Gr.).

Seine geistvolle Gemahlin Henriette Karoline von Pfalz-Zweibrücken ¹³¹, die grosse Landgräfin, neben der ihr in kleinlicher Beschäftigung aufgehender Mann trotz seiner nicht ungewöhnlichen Menschenkenntnis, seiner scharfen Auffassungsgabe und seiner klaren, nüchternen Urteilsfähigkeit herzlich unbedeutend erscheint, nahm anfänglich ihren Wohnsitz in dem reizend ge- legenen Buchsweiler, siedelte aber, weil es die Staatsklugheit erforderte, noch vor dem Tode ihres Schwiegervaters mit ihren Kindern nach Darmstadt über. Dagegen hielt das leidenschaftlich betriebene Soldatenspiel den Landgrafen während seiner ganzen Regierungszeit meist ausserhalb seines Hauptlandes und getrennt von Frau und Kindern.

Trotz dieser Neigung fehlte es dem Landgrafen nicht an dem klaren Blick für die Schäden, an denen sein Land litt, und er war eifrigst bemüht, sie abzustellen. Schon seine ersten Regierungs- erlasse brachten eine Reihe von Reformen, die in ihren wohltätigen Wirkungen dem ganzen Lande zum Segen gereichten.

Selbst ausserordentlich sparsam und fleissig gelang es ihm durch geeignete, wenn auch oft schroff und rücksichtslos durch- geführte Massregeln vor allem die zerrütteten Finanzen des Landes wieder ins Gleichgewicht zu bringen, wenn auch in anderen Res- sorts gemachte Ersparnisse vielfach wieder durch seine militäri- schen Liebhabereien verschlungen wurden ¹³⁵. Ein Zahlungssystem

¹84 Ph. Bopp, Die grosse Landgräfin, d. Bild einer deutschen Fürstin d. 18. Jahrh. i. histor. Taschenbuch, 3. Folge, 4. Jahrg.(1853), S. 533 575 Ph. A. F. Walther, Diegrosse Landgräfin Karoline v. Hessen(nach d. im Hausarchiv bef. Papieren bearbeitet) Darmstadt 1873. E. Grupe, Landgr. Karoline v. H.(1741 1763) Progr. d. G. Buchsweiler 1901. E. Mentzel, K. v. H.-D., ihr Aufenthalt in Prenzlau 1750 56, D. 1906. A. Becker, Von Zweibrücken nach Weimar(Goethe u. d. grosse Landgräfin) i. Pfälz. Museum 28. Ig. 1911 Nr. 5/6. Ph. A. F. Walther, Briefwechsel d. grossen Landgräfin Karoline v. Hessen, 2. Bde. Wien 1877. ADB. XV, 410 415 (Walther). A. Eberlein, Ldgr. Ludwig IX. u. s. Pirmasenser Militärkolonie, namentlich S. 10 22.

¹35 Schwierigkeiten gab es durch die fortgesetzten Geldforderungen vor allem mit den Ständen, deren Freund der Landgraf an und für sich nicht war. Als begeisterter Anhänger der Regierungsgrundsätze seines Meisters, des grossen Friedrich, fühlte Ludwig in sich die volle Verantwortlichkeit eines ersten Dieners des Staates, der pflichtmässig mit seiner Ueberzeugung decken wollte, was unter seinem Namen geschah. Nun hielt er die Landstände für höchst überflüssig, ja schädlich, da sie seinen auf das Wohl der Gesamtheit gerichteten Bestrebungen im Wege ständen. Er glaubte, um seine auf die Verbesserung der Lage seiner Untertanen gerichteten Pläne durchzuführen, keiner Hülfe zu bedürfen und fand es drückend, dass er sich alle Gelder hier- zu von den Ständen erbitten musste, zumal diese ihm auch noch allerhand Beschränkungen in ihrer Verwendung auferlegen wollten. An dem energischen