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bündeter Preussens den ersten Angriff Frankreichs befürchten müssen; Kassel dagegen stand auf seiten Preussens. Wir finden also die beiden hessischen Linien wieder in verschiedenen Lagern. Trotz dieser Stellung des Landgrafen hatte das Fürstentum durch Durchmärsche, Lieferungen und Verwüstungen schwer zu leiden. Namentlich bildete das von den Franzosen 1759— 63 besetzte Giessen den Stützpunkt für deren Unternehmungen, so dass das ganze Oberfürstentum von beiden Parteien stark heimgesucht wurde ¹³².
Entsprechend den kleinlichen Streitfragen, mit denen der Regensburger Reichstag in jenen Tagen die Zeit vertrödelte, be- schäftigte sich die auswärtige Politik der Landgrafschaft damals mit Grenzgebiets- und Lehensstreitigkeiten, mit Münz- und Zoll- fragen, mit Verhandlungen wegen der Durchmärsche fremder Trup- pen und zuletzt mit alten Streitfragen, die immer wieder zwischen der kasselschen und darmstädtischen Linie ausgefochten wurden.
Kennzeichnet Ludwig VIII. der Hang zur Jagd, so Lud- wig IX. ¹33 die Liebhaberei für das Soldatenspiel. Anfänglich in französischen, dann in preussischen Diensten stehend trat er in nähere Beziehungen zum grossen Preussenkönig, musste aber bei Beginn des siebenjährigen Kriegs auf Wunsch seines Vaters, der gemäss darmstädtischer Tradition mit seinem ganzen Herzen auf Oesterreichs Seite stand, politischer Erwägungen halber das preus- sische Heer verlassen; diese Entfernung vom ernsten Kriegsspiel war für Ludwig eine schwere Entscheidung, aber er blieb Soldat und widmete sich fortan der musterhaften Ausbildung eines er- lesenen Grenadierregiments in Pirmasens, aus dem er„ein süd- deutsches Potsdam für seine weltberühmte Riesengarde“ schuf. „Nüchtern und bedürfnislos wie ein Spartaner, wohnte er in einem Gemach, das in seiner Einfachheit einem Lagerzelt glich, von des-
11 112. dil Nies, Kriegselend i. d. Wetterau 1745— 62. Friedb. Gesch.-Bl. , 111—20.
¹ss Ueber Ludwig IX. vgl. ADB. 550/51(Walther); sein politisch-philos. Glaubensbekenntnis hat er in einem Briefe an den Regierungsrat Hombergk niedergelegt.— s. Walther, die grosse Landgräfin S. 52/53.— O. Rathgeber, der letzte deutsche Fürst v. Hanau-Lichtenberg Landgr. Ludwig IX. v. H.-D. Strassb. 1890.— A. Eberlein, Landgr. Ludwig IX. v. H.-D. u. s. Pirmasenser Militärkolonie(Erl. Diss.) Pirmasens 1911.— K. Esselborn, Pirmasenser Er- innerungen aus d. Aufzeichn. d. Geh. Oberrechnungsr. K. F. Maurer zus. gest. QBl. NF. IV, 491— 502.—(Für die Gesch. v. Pirmasens vgl. Th. Weiss, P. i. d. Franzosenz. 1905).— H. Heidenheimer, Hessen-Darmstadts Stellung z. Fürstenbunde 1785, Forsch. z. d. Gesch. 22(1882), S. 21 ff.— Von zeitge- nössischen Quellen sind bes. wichtig die Briefe, die Joh. H. Merck, der be- kannte Freund Goethes, an die Herzogin-Mutter Amalia und den Herzog Karl August gerichtet hat. Wenn auch die Pudenda u. Scandalosa einen grossen Raum einnehmen, so bieten doch die Briefe anschauliche Kulturbilder, die wertvolle Einblicke in Hessen-Darmstadts politisches, kirchliches, gesellschaft- liches und höfisches Leben gewähren. Die Briefe sind hg. von H. G. Graf, Leipzig 1911.— Zu Merck vgl. G. Zimmermann, J. H. M., seine Umgebung u. Zeit, Frankf. 1871.— R. Loebell, QBl. NF. I, 107— 110(Charakter u. Mei- nungen), I, 510— 518(Mephistopheles Merck), ADB. 21, 400/4(Fr. Muncker).
Ludwig MN.


