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war, brachte dem Regenten viele Schwierigkeiten²e. Die Ursache lag nicht allein in dem mässigen Umfange des in dem Testamente dem erst zwanzigjährigen Prinzen zugewiesenen Erbteils, sondern vor allem in den geringen natürlichen Hilfsmitteln der wenig ertragreichen Gebiete, die die kleine Landgrafschaft bildeten. Die in den gebirgigen Teilen, den nördlichen Ausläufern des Odenwaldes gelegenen Landstriche zühlten zu den ergiebigeren, während die am Rheine in der Ebene sich hinziehenden entweder aus Sandboden bestanden oder häufigen Uberschwemmungen durch den Strom ausgesetzt waren. Grosse Strecken dasselbst waren auch sumpfig und deshalb nicht anbaufähig. Die Obergrafschaft, die Hälfte der Grafschaft Katzenelnbogen, die kaum hundert Jahre vorher(1479) an das IIaus Hessen gefallen war, bestand damals aus fünf Aemtern: Darmstadt(mit 17 Ortschaften), Zwingenberg(mit 10 Ortschaften), Dornberg(mit 12 Ortschaften), Lichtenberg(mit 30 Ortschaften), Rüsselsheim(mit 9 Ort- schaften), die also insgesamt 78 Orte umfassten, dazu kam noch die Hälfte der mit Württemberg gemeinschaftlichen Vogtei Kürn- bach ²7. In der Landgrafschaft wohnten ungefähr 22 000 Einwohner, die sich noch nicht von den im Schmalkaldischen Kriege durch den kaiserlichen General von Büren erfahrenen Leiden erholt hatten, auf einem Gebiet von ungefähr 1300 qkm(also etwa gleich dem heutigen Herzogtum Sachsen-Altenburg oder Fürstentum
Lippe) ².
2s Für Landgraf Georg I. vgl. H. B. Wenck, Georg I. Ldgr. v. H.-D., eine hist. Skizze, hg. v. Steiner, Darmstadt 1828.— J. W. Ch. Steiner, Georg I., Ldgr. v. H.-D. nach seinem Leben und Wirken, Gross-Steinheim 1861.— Günther, denkwürdiger und nützl. hess. Antiquarius I, 2 Friedberg 1856.— Rommel, HG. VI, 84— 114; IX, 396— 398.— G. Nick, Georg d. Fr., Ldgraf zu Hessen, der Stifter des Hessen-Darmst. Regentenhauses; Denkschrift des hist. Ver. zum dreihundertj. Gedenktage des Todes des Ldgrf. Darmstadt 1896.
Für die allgem. Verhältnisse der ganzen Periode 1567 1648 sind zu vergl. L. Häusser, Gesch. des Zeitalters der Reformation 1517— 1648, Ber- lin, 3. Aufl. 1903.— M. Ritter, deutsche Gesch. im Zeitalter der Gegenref. u. des 30j. Krieges 1555— 1648, 3 Bde. Stuttgart 1908.— L. v. Ranke, Z. d. Gesch. v. Religionsfrieden bis zum 30. Kriege. Leipzig, 3. Aufl. 1903(7. B. d. Werke).— G. Droysen, Gesch. d. Gegenreformation. Berlin 1893.— G. Wolf, D. Gesch. i. Zeitalter d. Gegenref. Berlin 1899 u. 1908.
* Ueber die frühere Gesch. u. Zusammensetzung der Obergrafsch. Katzenelnbogen vgl. H. B. Wenck, HL. I. Bd.(an versch. Orten) u. Hatte- mer, Territorialgesch. S. 57/61, 64/66. Ueber. Kürnbach bes. vgl. H. B. Wenck, HL. I, 231.— K. Zimmermann, die Sonderrechte d. Proyinzen Starkenburg u. Oberhessen, Darmstadt 1873, S. 60 ff.— E. Becker, Gesch. des Kondominats zu Kürnbach bis 1598 AHG., NF. 4, 1— 155.
²² Eine sehr eingehende Schilderung der Landgrafsch. nach Lage, Grenzen, Bevölkerung, innerer Einteilung in Aemter, Centen, Kellereien, ade- ligen Gerichten gibt Steiner, Georg I., S. 8— 26; die Bevölkerung der Land- grafsch. berechnet auf Grund einer nach vielen Seiten vergleichenden Bevöl- kerungsstatistik Biersack im AHG. VIII. 1. ff., vgl. auch C. F. Günther. Beiträge z. Landeskultur in Hessen-D. z. d. Z. d. Landgrafen 1567— 1816, I. Periode 1567— 1591, AHG. IX(1861), 445— 462.


