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grössten Teil von Ziegenhain, sowie die Hälfte von Schmal- kalden mit der Anwartschaft auf die andere Hälfte, den hess. Anteil an Treffurt, Itter, Hersfeld; es ist das Land an der Diemel, Fulda, Schwalm und Werra. Dem zweiten Sohn, Ludwig IV. fiel ein Viertel der Landgrafschaft zu, Oberhessen mit Marburg, sowie die Grafschaft Nidda und die Herrschaft Eppstein; der nördlichste Teil dieses Gebietes gehörte noch, weil an der Eder gelegen, in den Bereich der Fulda; die Hauptmasse aber lagerte sich um den Mittellauf der Lahn mit ihren Nebenflüssen Ohm und Wieseck. Das Gebiet reichte von Borken und Frankenberg im Norden bis Grünberg und Giessen im Süden. Die beiden jüngeren Söhne erhielten je ein Achtel des Landes, Philipp II. die nie- dere Grafschaft Katzenelnbogen und Georg IJ., nicht ohne Vorzug vor seinem älteren Bruder, wie die Steuertafeln er- weisen ¹5, die obere Grafschaft ohne Bickenbach und Um- stadt. Den sieben Söhnen aus der Nebenehe Philipps fielen mit dem Titel„Geborene aus dem Hause Hessen, Graven zu Dietz und Herren zu Lissbergk“ folgende Aemter zu: Ulrich- stein, Schotten, Stornfels, Homburg v. d. Höhe, Bickenbach, Umstadt, Lissberg ¹6. Trotz des Wider- spruchs der Grafen von Diez nahmen die Landgrafen bei der Erb- huldigung durch Bevollmächtigte mit Zustimmung des erbver- brüderten Kurfürsten von Sachsen die landesfürstliche Obrigkeit aus, sicherten sich den Rückfall der Aemter, die Oeffnung aller Festen, den Durchzug, den Gulden-Weinzoll. Entsprechend der von ihnen abgegebenen Erklärung lehnten die Brüder also die Verpflichtung ab, den Söhnen Margarethens zur Erlangung der reichsgräflichen Würde behilflich zu sein, sie leisteten vielmehr den dahin gerichteten Bestrebungen den möglichsten Widerstand ¹7. So blieben alle Bemühungen jener erfolglos, auch bei Kaiser Ferdi- nand I. und seinem Nachfolger Max II., und schliesslich bequemten sich die Grafen von Diez zu gütlichen Unterhandlungen(Treysa 31. Mai 1568), wonach sie die ihnen vermachten Aemter unter Schutz und Schirm des Fürstentums Hessen von den vier Land- grafen zu Afterlehen annahmen. Da die Grafen von Diez alle kinderlos starben, fielen ihre Besitzungen bereits 1577 an die 4 Landgrafen zurück und zwar kam Schotten, Stornfels, Liss-
¹ Rommel, HG. V, 282.
¹s Schotten war 1390, Ulrichstein 1394 erworben und dem Ober- fürstentum zugeschlagen worden(Hattemer, Territorialgesch. 43), Lissberg und Stornfels war alter Besitz der Ziegenhainer(Hattemer S. 45 bez. 46), Homburg, Bickenbach und Umstadt sind Erwerbungen aus der bair. Fehde(Hattemer S. 69).
Rehm, GbH. II, 14/15.— Rommel, HG. V, 83. Die Landgrafen wiesen vor allem auf die Schwierigkeiten hin, die sich der Vollziehung der Schenkung in den Weg stellten: die Gegenvorstellungen der Landstände, die Einsprüche des erbverbrüderten Sachsen, die Weigerung der Lehensherrn(Pfalz f. Bickenbach und Homburg v. d. H., Fulda f. Stornfels), die Verpfändung Um- stadts und die Reichslehnbarkeit von Lissberg, Ulrichstein und Schotten.


