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lehren, um das Hinüber und Herüber in zwei Sprachen während des Unterrichtes zu ver- meiden, um den Schülern für die ganze Stunde ein einheitliches Milieu zu schaffen.
Es giebt aber einen dritten Weg, der die mittlere Linie innehält und der oft mit, Erfolg und Nutzen beschritten worden ist. Ich möchte noch einmal betonen, daß ich hier keine graue Theorie erörtere, sondern ein Verfahren schildere, wie wir es einzuschlagen pflegen.
Zunächst— die brennende Frage— wie halten wir es mit der Ubersetzung ins Deutsche? Vor der Beantwortung dieser Frage muß der dritte Punkt besprochen werden, der Unterricht in der Grammatik. Die amtlichen Lehrpläne verlangen diesen Unterricht. Sie weisen dem Französischen an den Lateinschulen dieselbe Rolle zu wie dem Lateinischen an den Gymnasien, d. h. es soll die sprachlich-logische Schulung befördern. Um diese sprach- lichlogische Schulung dreht sich eigentlich der ganze Streit. Die Reformer finden in der Syntax des Lateinischen und Französischen keine Logik und messen ihr keine Wichtigkeit bei. Ich meine, das ist zu viel gesagt. Wenn der Schüler im Französichen, das mit seiner fein ausgebildeten Syntax dem Lateinischen fast gleich kommt, zeigen kann, daß er eine syntakliche Regel verstanden hat, so hat er tatsächlich eine Denkübung vollbracht.(Sehr pezeichnend hierfür und auch in anderer Beziehung ist eine Stelle in Prevost's Demi-Vierges pag. 179. Maxime sagt da:„Je vous assure qu'il a tenu à presque rien que je n'entre pas, que je rebrousse chemin«.—„Entrasse“ et„rebroussasse“, pensa Hector qui observait, Maxime aver une pitié un peu jalouse. Mais la passion excuse tout). Aber sehen wir ein- mal davon ab. Dient die Syntax nicht einem ganz praktischen Zwecke? Braucht man sie nicht, wenn man den fremden Text verstehen will, wie in dem eben angeführten Satze? Wie oft stoßen wir uns an der übersetzung ausländischer Werke, selbst wenn sie vom Verfasser autorisiert ist, wie die Trebitzsche Übersetzung der Dramen und Essays von Bernhard Shaw! Wie oft fühlen wir, daß das Original einen anderen Sinn bieten muß, daß der Übersetzer es nicht verstanden hat! Und der Fehler rührt nicht allein davon her, daß er einem einzelnen Worte eine andere Bedeutung beigelegt, sondern daß er den ganzen Satz nicht erfabt hat. Welch eine feine Nüanzierung des Sinnes bewirkt peispielsweise der Konjunctiv, wenn indirekte Rede vorliegt! Nicht grammatisch geschulte Translatoren haben schon oft Unheil angerichtet. Endlich, braucht man nicht Syntax, wenn man sich französisch oder englisch ausdrücken will, und zwar mündlich sowohl wie schriftlich? Müssen nicht unsere jungen Leute in den Geschäften— ich hebe absichtlich dieses Moment hervor— Öbersetzerarbeit leisten? Kom- men nicht viele andere in dieselbe Lage? Und das sind Fälle, wo nicht mit dem Sinne allein gedient ist, wo geradezu eine wörtliche Übertragung verlangt wird.(Ich will ganz davon schweigen, daß die Gleichberechtigung der drei Schulgattungen diesen Unterricht zur Pflicht, zu einem point d'honneur macht.) Ist aber die Grammatik unumgänglich nötig, dann muß sie, und zwar systematisch, gelehrt werden, und nicht in der fremden, sondern in der Muttersprache. In der Formenlehre kann man die letztere entbehren, durchaus aber nicht in der Syntax. Die Universitätsprofessoren tragen diesen Teil der Grammatik mit gutem Grunde deutsch vor, weshalb sollen die Lehrer, gesetzt daß sie die fremde Sprache so voll- kommen beherrschen, daß sie auch z. B. die Infinitiv— und Subjonctivregeln in ihr klar machen könnten, nicht so wie jene verfahren, wo sie dreizehn- bis fünfzehnjährige Knaben vor sich haben? Man komme mir aber nicht mit dem den ganzen grammatischen Unterricht. gleichsam mit einer Handbewegung beseitigenden Einwurf, die Regeln eigne sich der Schüler unbewußzt durch die Lektüre und die an sie geknüpften Übungen an, er spreche ja seine


