Aufsatz 
Zum Unterricht in den neueren Sprachen
Entstehung
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die Stadt u. s. w. und wohlgemerkt! nicht nur einzelne Begriffe, sondern diese in den man- nigfachsten Verbindungen, so daß Präpositionen und Verben zur Sprache kommen und geübt werden, so geht man zu kleineren Erzählungen über, in denen neu auftretende Wörter eben- falls durch die Anschauung klar werden. Durch unzählige, immer anders gestellte Fragen, es sei nach dem Subjekt oder Objekt oder dem Verbum oder einer näheren Bestimmung, kann man sich leicht überzeugen, wie Walter in mehreren Arbeiten ausgeführt und wie die Praxis es bestätigt hat, daß die Schüler den Sinn der Erzählung völlig erfasst haben. Durch der- artiges wiederholtes Fragen erreicht man zugleich, daß sie sich den Stoff schnell aneignen und imstande sind, das Gehörte wiederzugeben. Ich habe schon oft Veranlassung gehabt, den Einwand zu widerlegen, daß die Kinder nur gedankenlos, papageienhaft, nachsprechen, was man ihnen vorsagt. Nein, sie verstehen, beherrschen die Materie und können sie um- modeln, und das ist alles, was man auf der untersten Stufe, nehmen wir die ersten zwei Jahre an, verlangen darf. Ob sie den fremden Text auch in schönes wortgetreues Deutsch zu übersetzen vermögen, ist eine Frage, die erst später erörtert werden soll. Aber darauf kommt es ja noch nicht an. Sie sollen Französisch oder Englisch verstehen und sprechen, ihr Ohr und ihr Mund soll sich an die fremden Laute gewöhnen. Die gelegentliche Über- setzung eines abstrakten oder eines nicht häufig vorkommenden konkreten Begrifftes braucht man nicht allzu ängstlich zu scheuen und nicht zu befürchten, daß dadurch die ganze Methode über den Haufen geworfen wird. Nur vermeide man das durchgängige und regelmässige Üpertragen ins Deutsche. Auf Grund langjähriger Erfahrung behaupte ich, daß man den Unterricht selbst in der Grammatik so erteilen kann, daß die Muttersprache nur in den seltensten Fällen herangezogen werden muß, daß die Schüler den Gegenstand durchdringen und in der Grammatik ebenso gefördert werden, wie nach der alten Methode, in gewissem Sinne noch mehr. Denn das Verbum und dieses ist der Hauptbestandteil einer jeden Sprache, gleichsam ihr Rückgrat in seinen mannigfaltigsten Formen und Verschlingungen kommt viel mehr zu seinem Rechte als früher, da nur die Formen hergeleiert und erst später in deutschen Sätzen wirklich eingeprägt wurden. Daß die Erfolge im Englischen noch günstiger als im Französischen sind, ist leicht zu verstehen. Das Englische setzt bei uns drei Jahre später als das Englische ein; die Schüler sind reifer, sie sind durch das Franzö- sische gleichsam schon trainiert. Ja, man wird es vermeiden, den Unterricht hier zu elementar zu gestalten oder jedenfalls im Anfange schneller weitergehen können, und last not least, die Grammatik, die Formenlehre, vor allem das Verbum, ist einfacher als im Französischen.

Es ist selbstverständlich, daß in den ersten Wochen das Lesebuch ausgeschaltet wird, der Unterricht findet nur mündlich statt. War es bereits früher bisweilen der Fall, so wird die Frage jetzt noch dringender: Wie gestaltet sich der Ubergang zur Schrifte Der Laie stellt ihn sich sehr schwer und als eine Belastung für die Schüler vor. Aber das Gegenteil trifft zu. Nach der alten Methode wurde dem Ohre und dem Auge zu gleicher Zeit Neues geboten. Das Kind sollte den richtigen Laut und seine Wiedergabe durch die Schrift mit einem Male erfassen, das war zu viel. Das Nebeneinander wird in ein Auf- einder aufgelöst, erst Laut, dann Schrift. Hat man nämlich in der oben dargelegten Weise das Fundament geschaffen, auf dem weitergebaut werden kann, sind im mündlichen Verfahren die Schüler einigermassen in die fremde Sprache eingeführt worden, dann greift man zum Buche und zeigt ihnen, wie die Wörter, deren sie sich wochenlang bedient haben, wirklich aussehen, zeigt ihnen, wie anch im Deutschen Laut und Schrift leider oft sich nicht decken,