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halten, als er das tiefe Mißtrauen des Königs und Luccheſinis hinſichtlich der Sendung Lehr⸗ bachs wahrnahm. ¹) Seine Vorſicht war allerdings ſehr berechtigt, da inzwiſchen auch bei dem König eine Umſtimmung zu Ungunſten des vor kurzem mit Waldeck feſtgeſtellten Planes einge⸗ treten war. Man wird kaum fehl gehen, wenn man annimmt, daß bei den Erwägungen des Monarchen ein militairiſches Gutachten den Ausſchlag gab, welches der Herzog von Braunſchweig unter dem 12. Auguſt auf Grund eigener in den letzten Tagen vorgenommener Recognoszierungen dem König einreichte. In demſelben hatte jener, wie er ſelbſt in einem Schreiben an den König vom 27.²) bemerkt, die Gründe dargelegt, welche eine Bewegung gegen die feindliche Stellung bei Weißenburg äußerſt bedenklich machten. Auch ſprach er die Anſicht aus, daß zu der beab⸗ ſichtigten Operation im Gebirge nicht 6 Bataillone, ſondern 28 erforderlich ſeien. ²) Nach ſeiner Meinung war die feindliche Poſition,— welche übrigens, wie ſich ſpäter ergab, durchaus nicht ſo ſtark war, wie der Herzog meinte,— am ſicherſten mit Hülfe einer kräftigen Diverſion im Oberelſaß zu nehmen, weil dadurch die Franzoſen gezwungen würden zu detachieren und ſich ſo an der Lauter zu ſchwächen. Es iſt leicht verſtändlich, daß dieſes Urteil des Feldherrn ſchwer in die ohnehin ſchwankende Wagſchale der Entſcheidung fiel und auch den König vorerſt zu einer völligen Verſagung ſeiner Mitwirkung zu dem in Ausſicht genommenen Angriff beſtimmte.
Als Waldeck von dieſer Wendung Kenntnis erhielt, entwarf er, wie es ſcheint, in Anpaſſung an die Ideen des Herzogs einen neuen Operationsplan,„damit, indeſſen die Zeit wiederkomme, daß der König operiren wolle, man doch etwas Vortheil von dieſer Unthätigkeit ziehen könne und die weiteren operationen der K. K. armée dadurch erleichtert werden“.¹4) Nach dieſem Plane ſollten die preußiſchen Truppen ihre ſeit kurzem eingenommene Stellung behalten, um zu gleicher Zeit Saarlouis und Landau zu bedrohen, und von Zeit zu Zeit Bewegungen gegen die Saar und in die Vogeſen vornehmen, auch durch andere Demonſtrationen und Vorkehrungen bei dem Feinde den Glauben erwecken, daß die Belagerung einer der genannten Feſtungen im Werke ſei. Desgleichen hätte das Wurmſerſche Corps ſeine ſeitherige Stellung am rechten Ufer der Queich zu behaupten und einerſeits Landau in Gemeinſchaft mit den Preußen zu blockieren, anderſeits den Feind in ſeiner Stellung an der Lauter zu bedrohen und im Norden des Elſaßes feſtzuhalten.
Inzwiſchen ſollte ein Korps von 16— 18000 Oſterreichern ſich möglichſt in der Stille unter Heranziehung von Truppen aus Tyrol und von Belagerungsartillerie aus Ulm im Breisgau ſammeln, um gegen Ende September den Rhein zu überſchreiten und die Belagerung von Hü⸗ ningen zu eröffnen, ein Unternehmen, welches bei der Schwäche des Feindes in jenen Gegenden in höchſtens 15 Tagen zu Ende geführt werden könne. Falls die feindliche Armee bei Weißen⸗ burg nach dem Oberelſaß detachieren ſollte, ſo müſſe ſie mit vereinten Kräften in ihrem Lager angegriffen werden und ſei dann unſchwer zu überwältigen. Sollte die Rheinarmee aber ſchon
¹) Zur Rechtfertigung ſeiner urſprünglichen Auffaſſung der Lage fügte Waldeck ſeiner Relation vom 17 zwei Aktenſtücke als Belege bei.
¹) Abgedruckt bei Wagner, S. 84. Das Aktenſtück vom 12. Aug. iſt bis jetzt meines Wiſſens nicht zur öffentlichen Kenntnis gelangt.
³) Vgl. Wagner S. 77 u. 79.
*) Bericht an den Kaiſer vom 17. Aug.


