29 reich müſſen meinen Befehlen gehorchen, und ich habe ihnen ſoeben die Ordre zugeſandt ſich nach Raſtatt zu wenden, anſtatt ihren Marſch auf Freiburg fortzuſetzen. Ich brauche den König und ſeine Preußen nicht und werde das Elſaß auch ohne ſie nehmen.— Meine zweitägige Ab⸗ weſenheit war von Herrn von Klingling und den Emigranten dazu benutzt worden, dem guten Greis alle dieſe Ideen in den Kopf zu ſetzen, und unterſtützt von dem ihnen ganz ergebenen Herrn von Hotze hatten ſie ihm eine ſolche Eiferſucht auf mich eingeflößt, daß er mir von die⸗ ſem Augenblick an ſtets mißtraute und ſich ganz und gar dieſer gefährlichen Clique zuwandte, welche ſich nur mit thörichten Projekten abgab, die in keinem Zuſammenhang mit unſeren eigent⸗ lichen Kriegsplänen ſtanden. Wurmſer ſchloß mit Schmähungen gegen die Preußen, wie er denn ſchon ſeit zwei Tagen aufgereizt durch die Emigranten, welche bei dem König ihre Rechnung nicht fanden, derartige Reden an vollbeſetzter Tafel geführt hatte. Als ich dies Alles ſah und hörte, war ich wie niedergedonnert; ich ſah, wie alles gute Einvernehmen zwiſchen den Preußen und Wurmſer vernichtet, wie unſer ſo vernünftiger Feldzugsplan umgeworfen war, und war darüber ganz außer mir. Aber nach reiflicher Überlegung begab ich mich nach einer Stunde wieder zu Wurmſer, um ihm zu ſagen, daß ich zum Beweis, wie wenig meinerſeits irgend ein perſönliches Intereſſe bei dem Plane gegen das Oberelſaß im Spiele ſei, auf das Kommando über das Corps, welches dazu beſtimmt war, den Rhein bei Hüningen zu überſchreiten verzichte und bei Wurmſer bleiben wolle, daß ich ihn aber anflehe, dieſem ſo entſchieden vorteil⸗ haften und mit dem König unwiderruflich feſtgeſetzten Plane nicht zu entſagen, und ihn bitte den Oberbefehl über dieſe Truppen einem General ſeiner Wahl anzuvertrauen. Ich glaubte Wurmſer überzeugt zu haben, daß ich wenigſtens in dieſem Augenblick nur an die großen und allgemeinen Intereſſen dachte, und da er nicht verkennen konnte, daß die Expedition im Ober⸗ elſaß notwendig ſei, gab er meinen Gründen nach, verſprach den folgenden Tag nach Edickhofen zu gehen, um dem König den Tag des Angriffs auf Weißenburg zu bezeichnen, damit die preu⸗ ßiſchen Truppen, welche denſelben unterſtützen ſollten, ſich zur rechten Zeit in Marſch ſetzen könnten. Schließlich verſicherte mir der gute Greis noch, daß der König zufrieden mit ihm ſein ſolle, und daß er, Wurmſer, alles das genau ausführen werde, was er zwei Tage vorher ver⸗ ſprochen hatte. So verließ ich ihn, um mich zur Ruhe zu begeben. Nachdem ich mich ihm empfohlen, begaben ſich Klingling und Wurmſers Sohn, welche auf mein Weggehen gewartet hatten, zu ihm, und es gelang ihnen zum zweitenmal die Anſichten des guten Generals, der wie Wachs in ihren Händen war, umzuformen. Wurmſer reiſte den anderen Morgen nach Edick⸗ hofen ab, und die Preußen verſichern, daß er dort verſprochen habe, der zuletzt feſtgeſetzte Plan ſolle genau eingehalten werden. Außerdem behauptet man, er habe zum König geſagt, daß der Marſch auf Weißenburg noch acht Tage hinausgeſchoben werden müſſe und er in einigen Tagen den Zeipunkt beſtimmen werde, an welchem das preußiſche Hülfscorps ſich auf den Marſch zu begeben hätte.
Wie dem nun auch ſein mag, Wurmſer kam am Abend nach Ottersheim zurück und war dem Anſchein nach ſehr zufrieden mit dem König. Am anderen Morgen ſuchte mich Herr von Klingling auf und eröffnete mir, nachdem er mir viel Schmeichelhaftes über das Vertrauen geſagt hatte, welches die ganze Armee und der Generalſtab in meine militäriſchen Talente ſetze, daß Wurmſer ſich entſchloſſen habe, ſchon am folgenden Tage aufzubrechen, um näher an Wei⸗


