Aufsatz 
Aus dem Leben des Prinzen Christian von Waldeck : ein Beitrag zur Geschichte der französischen Revolutionskriege nach urkundlichen Quellen : 1. Teil / von Theodor Hartwig
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ſchon begonnen hatte, eine förmliche Belagerung von Saarlouis zu unternehmen, für welche Waldeck eine Unterſtützung mit Belagerungsmaterial aus Luxemburg anbot. Zu einer regel⸗ rechten Belagerung von Saarlouis äußerte er, ſei es zu ſpät, höchſtens ſei er bereit, ſich der Feſtung zu nähern und ſie zu bombardieren. Als der Prinz den König, welcher hierin der Oſterreich feindlichen Partei folgte, unerſchütterlich ſah, nahm er das Blockadeprojekt von Landau wieder auf und erlangte für dasſelbe die königliche Zuſage. Außerdem verabredete er mit dem Herzog von Braunſchweig, daß die Preußen den Oſterreichern bei ihrem Angriff auf die feindliche Stellung an der Lauter mit 6 Bataillonen Infanterie, 2 Jägerbataillonen, 5 Schwa⸗ dronen Huſaren und 1 Batterie ſekundierten. Dieſe Abteilung ſollte, ſobald Wurmſer den Tag für den Angriff feſtgeſetzt hätte, durch das Gebirge marſchieren und auf dem Wege über Bun⸗ denthal dem Feinde in die Flanke fallen, in dem Moment, wo Wurmſer ihn in der Front an⸗ faßte. Wäre der Feind geſchlagen, ſo würde der König eine Stellung einnehmen, welche eine gänzliche Einſchließung Landaus ſichere. Der Prinz ſelbſt würde ſodann den Oberbefehl des Corps übernehmen, welches im Oberelſaß zu operieren hätte, während Wurmſer im Unter⸗ elſaß vordringe. ¹)

Von dieſen Abmachungen erſtattete der Prinz am 9. Auguſt ſeinen Bericht an den Kaiſer und an Thugut, welch' letzterem er ſchon früher von dem Reſultat ſeiner Beſprechungen mit Wurmſer Mitteilung gemacht hatte, und bat um ſchleunige Abſendung der zur Verſtärkung des Corps am Oberrhein verſprochenen 10000 Mann. In dem Antwortſchreiben Thuguts vom 18. Auguſt²) wurde Waldeck um Einſendung einer ausführlicheren Darlegung des vereinbarten Operationsplanes erſucht,s8) in welcher man nähere Aufſchlüſſe über die intendierte Flanken⸗ bewegung der preußiſchen Diviſion, über den Angriff auf das Oberelſaß und außerdem eine Begründung der Hoffnungen auf eine raſche Unterwerfung des Unterelſaßes erwarte. Damit jedoch keine Zeit verloren gehe, genehmige S. Majeſtät die alsbaldige Eröffnung der Opera⸗ tionen auf Grund des feſtgeſtellten Planes.)

*) Mit den obigen Angaben des Prinzen über die mit dem König getroffenen Verabredungen ſtimmen in der Hauptſache die von Wagner a. a. O. S. 72 ff. zum Abdruck gebrachten Aktenſtücke zu jenen Ver⸗ handlungen überein. Nur wird in denſelben Waldeck nicht ausdrücklich als deſignierter Befehlshaber des im Oberelſaß operierenden Corps genannt.

¹) Arolſer Archiv.

*) Thugut bezeichnet den Bericht Waldecks vom 9. als appercu préalable. Derſelbe muß hinſcchtlich ſeiner Ausführlichkeit ſeinen Anſprüchen wenig genügt haben. Nur ſo läßt es ſich erklären, wenn man nicht etwa eine abſichtliche Verdunkelung des Sachverhalts durch Thugut annebmen will, daß dieſer in einem Schreiben an Colloredo(v. Vivenot, Vertr. Briefe, S. 30) am 18. Auguſt, alſo an dem Tage ſeiner Ant⸗ wort an Waldeck, ſagen konnte: Je suis un peu surpris que le rapport que le Prince de Waldeck se proposait d'adresser à l'empereur ne soit pas encore arrivé.

¹)Mais comme il seroit tres nuisible de perdre le temps dans irrésolution et que d'ailleurs Votre Altesse affirme qu'ayant müúrement discuté la matiere avec Me le comte de Wurmser Vous Vous étes convaincus l'un et l'autre que les mesures que Vous avez proposées au Roi étoient absolument celles qui sont les plus conſormes aux circonstances du moment, Sa Majesté m'ordonne de Vous faire savoir, que la confiance, qu Elle met dans les connoissances, les talents militaires et le z6le de Votre Altesse et de Mr le général de Wurmser l'engage à approuver, qu'on procède sur le champ et sans plus de delai à T'execution des opérations quelconques sur lesquelles Votre Altesse se sera convenue avec Sa Majesté Prussienne de maniere à ne plus avoir à craindre de la part de notre allié des nouvelles vacillations par la suite. 1