Aufsatz 
Aus dem Leben des Prinzen Christian von Waldeck : ein Beitrag zur Geschichte der französischen Revolutionskriege nach urkundlichen Quellen : 1. Teil / von Theodor Hartwig
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Üüber das Verhalten Waldecks bei den Verhandlungen im königlichen Hauptquartier giebt die Inſtruktion keine Vorſchriften von beſonderem Belang. Es wird dem Prinzen empfohlen, ſich mehr und mehr in dem Vertrauen des Königs, deſſen Wohlwollen er ja ſchon länger beſitze, zu befeſtigen und ſo eine glückliche Ausführung ſeiner Aufträge zu fördern. Im übrigen ver⸗ laſſe ſich der Kaiſer auf ſeine bekannten Talente, ſeine Anhänglichkeit an das kaiſerliche Haus und ſeinen Eifer im Intereſſe des Dienſtes. Über den Erfolg ſeiner Miſſion ſollte der Prinz an den Kaiſer ſelbſt berichten.

Am 30. Juli verließ Waldeck Wien und begab ſich direkt in das Hauptquartier Wurmſers, welches ſich ſeit dem 3. Auguſt in Ottersheim befand. Am Tage ſeiner Ankunft(4. Auguſt) hatte er daſelbſt eine längere Unterredung mit dem General, bei welcher er die Wahrnehmung machte, daß jener in ſeinen Anſichten unter den beherrſchenden Einfluß der Emigranten und namentlich eines Generals von Klingling ſtand, welcher ſein vertrauteſter Ratgeber war und auch zu den Beſprechungen mit Waldeck hinzugezogen wurde. Beide, Wurmſer und Kling⸗ ling, Elſäßer von Geburt, waren von dem Wunſche erfüllt ihre in der Revolution verlorenen Güter mit dem Schwert in der Hand wieder zu gewinnen, und Wurmſer erklärte dem Prinzen, nachdem dieſer ihm ſeine verſchiedenen Feldzugspläne entwickelt hatte, rundweg, daß er ſich auf keinen anderen Plan einlaſſen könne als den, die Franzoſen an der Lauter aufzuſuchen. Er ſelbſt wolle mit ſeiner Armee den Feind in der Front angreifen, während ein preußiſches Corps von 6 8000 Mann über Bundenthal vorgehen und denſelben in der linken Flanke faſſen möge. Wäre der Feind geſchlagen und Fort Louis und Hagenau genommen, ſo werde er gegen Straß⸗ burg marſchieren, das ihm widerſtandslos die Thore öffnen werde. Die Unterwerfung des geſamten Elſaßes, das nichts mehr wünſche als ſich offen für Öſterreich zu erklären, müſſe den Abſchluß des diesjährigen Feldzugs bilden.

Dieſe Gedanken, den Wünſchen Klinglings entſprungen, hatten in der Seele Wurmſers, der ohnehin ein Freund raſchen und kühnen Vorgehens war, unter dem fortdauernden Einfluß der Emigranten ſo feſte Wurzel geſchlagen, daß Waldeck zu der Erkenntnis gelangte, daß es unmöglich ſei den alten General von ſeiner Lieblingsidee abzubringen. Er entſchloß ſich daher, vielleicht auch von eigenen Wünſchen und Hoffnungen geleitet, den Plan zu adoptieren, indem er ihn nur dahin vervollſtändigte, daß eine Blockade Landaus durch die Preußen und ein Un⸗ ternehmen gegen Hüningen unter ſeiner eigenen Leitung mit in Ausſicht genommen wurde.

Nachdem Wurmſer dieſen Modifikationen nach Waldecks Verſicherung zugeſtimmt hatte, reiſte der Prinz in das preußiſche Hauptquartier, welches ſoeben von Neuſtadt nach Dürkheim verlegt worden war. In den Konferenzen, welche er hier mit dem König und ſeinen Räten hatte, gewann er den Eindruck, daß Friedrich Wilhelm für ſeine Perſon immer noch wohlwollend geſinnt ſei (bien intentionné), dagegen ſeine Miniſter den Krieg als ein Mittel zur Schwächung Oſterreichs betrachteten und insbeſondere von dem Augenblick an eine zweideutige Haltung annahmen, als ſie die Abſichten der Öſterreicher auf Elſaß witterten. Waldeck war deshalb bemüht den Angriff auf dieſe Provinz nur als eine Diverſion hinzuſtellen, welche geeignet wäre, die Ein⸗ ſchließung Landaus durch die Preußen zu erleichtern. Der König zeigte ſich bereit Landau zu blockieren, wollte aber von einem wirklichen Angriff auf die Feſtung nichts hören. Ebenſo wei⸗ gerte er ſich, obwohl die Truppenbewegung gegen die Saar dem Coburg'ſchen Plane entſprechend