Aufsatz 
Aus dem Leben des Prinzen Christian von Waldeck : ein Beitrag zur Geschichte der französischen Revolutionskriege nach urkundlichen Quellen : 1. Teil / von Theodor Hartwig
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nach der Champagne Teil genommen hatte, ſeit dem 18. October aber wieder in Arlon ſtand, wünſchte ihm in einem Schreiben vom 11. November) Glück zu ſeiner Wiederherſtellung und bat ihn, in Wien ihm zu bezeugen, daß es ſeine Schuld nicht ſei, wenn die Campagne ſo äu⸗ ßerſt ſchlecht abgelaufen wäre.

Waldeck machte ſeine Reiſe, um ſich zu ſchonen, mit mehreren Unterbrechungen. In Coblenz, wo damals das preußiſche Hauptquartier ſich befand, verweilte er faſt drei Wochen und ſah oft den König und den Herzog von Braunſchweig. Es war natürlich viel von den Ereigniſſen des letzten Feldzuges und den Ausſichten für den folgenden die Rede. Der Prinz gewann hierbei die Überzeugung, ²) daß der König(ce bon et brave roi) feſt entſchloſſen war, den Krieg mit allem Nachdruck weiter zu führen und die Scharte, welche die preußiſche Waffenehre erlitten, auszuwetzen. Friedrich war geradezu empört über die damals viel beſprochenen, geheimen Ver⸗ handlungen der Pfälzer Regierung mit Frankreich und meinte, man müſſe dagegen einſchreiten (faire la loi à l'Electeur). Als man ihm den Vorſchlag machte, Frankfurt wiederzunehmen, ergriff er dieſen Gedanken mit Begeiſterung, während der Herzog von Braunſchweig in ſeiner Weiſe alle möglichen Einwände dagegen erhob. Der König nahm dieſe indes ſehr ungnädig auf und ſagte dem Herzog rund heraus:Eure Hoheit haben darüber zu befinden, ob Sie an dem Unternehmen Teil nehmen wollen, oder nicht. Ich für mein Teil werde dasſelbe jedenfalls zur Ausführung bringen. Als der Herzog ſah, daß der Monarch feſt entſchloſſen war, gab er nach und traf nun Anordnungen, welche Waldeck als ein wahres Meiſterſtück bezeichnet.

Der Prinz verließ Coblenz mit den preußiſchen Truppen und befand ſich am Tage der Erſtürmung Frankfurts durch die Heſſen(2. Dezember) in Hanau. Von da ſetzte er ſeine Reiſe nach Wien fort, wo er um die Mitte des Dezember ankam und zu ſeiner großen Freude ſeine Schweſter Louiſe von Naſſau antraf. Von der kaiſerlichen Familie wurde er mit großer Aus⸗ zeichnung behandelt, und der Kaiſer ſelbſt machte ihm bald nach ſeiner Ankunft einen Beſuch, um ſich nach ſeinem Befinden zu erkundigen und ihm für ſeine Dienſte zu danken. ³)

Da der Prinz jedenfalls ſeinem militäriſchen Beruf treu bleiben wollte und ihm doch der Zuſtand ſeiner Wunde, welche ihm noch immer von Zeit zu Zeit empfindliche Schmerzen verur⸗ ſachte, für einige Zeit den aktiven Dienſt unmöglich machte, ſo wurde er vorläufig dem Hof⸗ kriegsrat zugewieſen.¹) Auf die Dauer konnte jedoch dieſe Thätigkeit, obwohl Waldeck auch jetzt

¹) Arolſer Archiv.

²)Le roy de Prusse bien résolu dans ce temps- de pousser la guerre avec vigueur ne fut ce que pour faire oublier sa campagne de Champagne. Le roy etoit certainement bien intentionné alors; j'en sais trop sur cela pour pouvoir croire que je me fusse trompé: NB. je dis le roy tant qu'il commandait son armée on pouvait compter sur quelque chose etc.

²¹) Schreiben des Majors von Beſt an den Prinzen vom 25. Dezember.

*) Der Eintritt Waldecks in dieſes in der öſterreichiſchen Kriegsgeſchichte ſo übel beleumundete Kolleg gab Karl Auguſt von Weimar Anlaß zu einem launigen Briefe.Lon vient de me dire ſchreibt der Herzog am 21. Februar 1793 aus Frankfurt,cher Seigneur que Votre Altesse Serenissime est entré dans le Hof Kriegs Rath; profitant de chaque occasion pour présenter des projets importants je ne saurais manquer celle ci pour en fournir un qui rendra Votre College et tous les Kriegs Collegia de la terre ntiles et non nuisibles au genre soldatesque, c'est ordonner que pendant le courant d'une année prise à 365 jours il ne sera permis au college que de barbouiller un Ries de papier y compris les listes des regiments qui doivent étre renvoiez(sic!) et de ne consumer que six mesures d'encre. Arolſ. Archiv.