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ſie, da man es ſogar verſäumt hatte Schiffe für alle Fälle auf dem Strom bereit zu halten, zur Kapitulation. Die Vorräte des Magazins wurden nach Landau geſchafft. Die Folgen die⸗ ſes Handſtreichs ſind in ihrer Tragweite kaum zur Genüge gewürdigt. Cuſtine durch den Erfolg kühn gemacht, faßte jetzt den Plan eines Angriffs auf Mainz. Wie er ſelbſt nach Waldecks Verſicherung mehr als einmal eingeſtand, würde er es gar nicht gewagt haben, ohne die in Speier erbeuteten Vorräte im Herbſt 1792 zur Ausführung eines ſolchen Unternehmens zu ſchreiten, da es ihm bis dahin in Landau an allem gefehlt habe, was das Gelingen des Zuges ermöglichte. Selbſt die Beſpannung für die Feldartillerie gewann er erſt durch ſeinen Zug nach Speier. Dazu kam, daß durch die Vernichtung der kombinierten Abteilung der Feſtung Mainz 3000¹) Verteidiger entzogen wurden, deren militäriſcher Wert weit höher anzuſchlagen war als der des bunt zuſammen gewürfelten und zumeiſt aus Rekruten oder Bürgern und Bauern beſtehenden Haufens, welcher bei Cuſtines Anmarſch die Beſatzung der Feſtung bildete. Nimmt man noch hinzu, daß die bei Speier erlittene Schlappe einen tief deprimierenden Eindruck auf die Garniſon und Bürgerſchaft von Mainz machte, ſo wird man der Folgerung Waldecks eine gewiſſe Berechtigung nicht beſtreiten können, daß Mainz am 21. October nicht gefallen ſein würde, wenn man ſeiner Zeit auf ſeine Warnungen gehört hätte.
Auf die Kapitulation von Mainz folgte am nächſten Tage die Beſetzung Frankfurts, und die weiteren Folgen dieſer Fortſchritte der franzöſiſchen Waffen waren die, daß der König von Preußen verhindert wurde ſeine Winterquartiere, wie er beabſichtigt hatte, zwiſchen Coblenz und Trier zu nehmen, ſo daß Dumouriez nun ohne Beſorgnis vor einem preußiſchen Flankenangriff die Oſterreicher aus Belgien hinaus drängen konnte, und daß die Alliierten in der erſten Hälfte des Jahres 1793 ihre verſtärkten Heere zur Wiedererwerbung des Verlorenen verwenden muß⸗ ten, anſtatt in Frankreich einzufallen, welches damals ſeine großen Rüſtungen noch nicht begonnen hatte. So zeigte ſich denn auch hier wieder, meint Waldeck, daß kleine Verſäumniſſe im Kriege oft die größten und verderblichſten Folgen haben. Gewiß wahr, aber in der Regel doch nur da zutreffend, wo wie in dem vorliegenden Falle dieſe kleinen Verſäumniſſe als die Symptome großer und tiefgehender Schäden in der Geſamtleitung des Krieges ſich erweiſen.
Mehr Beachtung als dieſe post eventum gemachten Bemerkungen des Prinzen zum Kapitel von den kleinen Urſachen und den großen Wirkungen darf ſicher das Geſtändnis beanfpruchen, mit welchem er ſeine erſt in ſpäter Zeit niedergeſchriebene Erörterung des unglücklichen Ausgangs des Feldzugs von 1792 abſchließt, indem er ſagt: Wir hatten den Krieg leichtfertig unter⸗ nommen mit zu ſchwachen Mitteln, weil wir ihn nicht ernſtlich führen wollten; wir hätten ſpäter alles wieder gut machen können, wenn wir nur gewollt hätten, aber die Vorſehung, deren Entſchlüſſe unabänderlich ſind, hat es nicht gewollt. ²)
Ende October war die Wunde des Prinzen ſoweit geheilt, daß er ſeine Rückreiſe nach Wien antreten konnte. Hohenlohe, welcher inzwiſchen mit ſeinem Corps an dem unglücklichen Zuge
¹) Renouard, S. 248 berechnet auf Grund der„Denkwürdigkeiten des Generals Eickemeier“ von H. König die Zahl auf 3200.
²) Nous avions entrepris cette guerre à la légère avec de faibles moyens puisque nous ne voulions pas la faire sérieusement.— Nous pouvions tout réparer depuis si nous avions voulu— mais la pro- vidence dont les decrets sont immuables ne le voulut point, je n'en dirai pas d'avantage pour le moment.
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