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Schritt hinter den Haubitzen auf. Die Bedienungsmannſchaft hatte in der Dunkelheit und bei ihrer unzulänglichen Ortskenntnis die für die Batterie ausgeſuchte Poſition verfehlt und war in ihrem Eifer zu nahe an die feindlichen Werke herangegangen, indem ſie die Geſchütze in einer Entfernung von nur 250— 300 Schritt von der Feſtung aufſtellte. Um 2 Uhr endlich gab die Batterie ihr erſtes Feuer. Die Granaten giengen über die Stadt hinweg in die Moſel. Die Haubitzen mußten nun anders gerichtet werden und litten ſehr durch die zu ſtarke Elevation. Auch wurde das Feuer, welches zwei Geſchoſſe in der Stadt entzündeten, ſchnell gelöſcht. Zehn Minuten ſpäter begann das Feuer aus der Feſtung und wuchs von Mi⸗ nute zu Minute, indem es ſich faſt ganz auf die Haubitzen konzentrierte. Bald war ein Geſchütz demontiert und ein Teil der Bedienungsmannſchaft kampfunfähig. Als das Feuer der Poſitions⸗ geſchütze ſo raſch erlahmte, machte Waldeck den Fürſten Hohenlohe darauf aufmerkſam mit dem Bemerken, daß, nachdem man nun einmal dieſes Unternehmen begonnen, man auch die Konſe⸗ quenzen ziehen müſſe, und kündigte ihm an, daß er ſelbſt zu den Kanonieren gehen und ihnen Mut machen wolle.¹) Doch erhob Hohenlohe gegen dieſes Vorhaben entſchiedenen Widerſpruch, da die Gefahr, welcher er ſich ausſetze, zu drohend ſei. Als aber bald nachher die Haubitzen faſt ganz verſtummten, während das Feuer aus der Feſtung ſich immer mehr verſtärkte, erklärte Waldeck nochmals ſeinen feſten Entſchluß zur Batterie vorzugehen, um den eigenen Leuten ein Beiſpiel zu geben. Hohenlohe erwiderte, er möge gehen, wenn er durchaus wolle, und ſehen, ob noch etwas auszurichten ſei, General Funck aber die Weiſung geben, die Geſchütze, wenn keine Hoffnung auf Erfolg mehr vorhanden, vor 3 Uhr zurückzuziehen.
Da der Prinz ſich von den Strapazen des Tages zu ſehr ermüdet fühlte, um den Weg zu Fuß zurückzulegen, ſo ließ er ſich von einem Offizier des Gefolges das einzige Pferd, wel⸗ ches zur Hand war, geben und ritt langſam nach der Batterie. Das Feuer aus den Feſtungs⸗ werken hatte jetzt ſeine größte Stärke erreicht. Die Kugeln ſchlugen in ſolcher Menge um ihn her ein, daß er nicht daran zweifelte, zerriſſen zu werden, ehe er an Ort und Stelle käme. Doch erreichte er noch die Haubitzen. Die Dinge ſtanden hier verzweifelt genug. Elf Kanoniere waren bereits von den feindlichen Projektilen getötet, und vier Geſchütze demontiert. General Funck erklärte es für eine Unmöglichkeit das Feuer noch fortzuſetzen. In dem Moment zerriß eine Kanonenkugel einen Ar⸗ tilleriſten, welcher neben Waldecks Pferd ſtand, in zwei Stücke. Der Prinz ſelbſt in der feſten Überzeugung, daß er bei dem Hagel von Geſchoſſen, welche ihn umſauſten, bald an die Reihe kommen würde, ſah dieſem Moment, wie er verſichert, ruhig entgegen. Seine Vorausſicht ſollte nicht getäuſcht werden. Die Schilderung der folgenden Scene und die Verantwortung für die volle Objektivität des Berichts überlaſſe ich dem Prinzen ſelbſt.
„Eine Kanonenkugel“, ſo erzählt er,„traf mich 5 Zoll unter der linken Schulter und zer⸗ ſchmetterte mir den Arm derart, daß er nur noch an einem dünnen Streifen Fleiſch hing. Mein Hut flog zwanzig Schritt weit vom Kopf. Das Pferd, wahrſcheinlich von einer anderen Kugel geſtreift, machte einen wütenden Sprung, und ich würde herabgeworfen ſein, wenn ich nicht feſt⸗ gehalten hätte. Allein ich verlor nicht einen Augenblick die Beſinnung und hielt mich im Sattel. Das Pferd machte noch etwa 20 Schritt und blieb dann ſtehen, zitternd wie Espenlaub Jetzt
¹)„Nous avons dit A, il faut dire B et ne pas cesser notre feu aussi vite, je m'en vais aux haubitz pour encourager nos canoniers.“


