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und dann einen Angriff riskieren. Es könne ſich in dieſem Falle nur um einen Aufſchub von höchſtens 36 Stunden handeln.
Dieſe Ausführungen entſprachen unzweifelhaft ganz und gar der Geſamtlage und fanden auch in dem Kriegsrat allgemeine Zuſtimmung ausgenommen bei Hohenlohe, der in dem Ge⸗ ſchützweſen geringe Kenntniſſe und wenig Erfahrung beſaß, außerdem auch in ſeinem Zorn ruhigen Erwägungen unzugänglich war.„Der König will ein raſches Vorgehen gegen Thion⸗ ville, folglich können wir nicht zögern“, war ſeine Haupterwiderung. Außerdem meinte er, würde die Stadt unter dem Geſchützfeuer in Brand geraten. Eine gewiſſe Unterſtützung fand ſeine Anſicht bei dem Commandeur der Artillerie, General Funck, welcher, um Hohenlohe gefällig zu ſein(pour le flatter), ſich anheiſchig machte, die Stadt in Brand zu ſchießen. Damit war die Sache entſchieden.
Als Waldeck einſah, daß nichts mehr zu ändern ſei, erklärte er Hohenlohe, welcher ſeine Abſicht dem Angriff beizuwohnen ausſprach, er wolle ebenfalls bei der Partie ſein, denn ſeine Freundſchaft mache es ihm zur Pflicht ihn in dieſer bedenklichen Lage nicht zu verlaſſen. Sie ſollen aber ſehen, fügte er ſcherzend hinzu, es wird Mord und Todſchlag geben, ein Ausdruck, welcher zwiſchen den beiden Freunden herkömmlich war, wenn ſie ein gefährliches Untermehmen bezeichnen wollten.
Für die Ausführung des Planes wurde die Nacht vom 5. auf den 6. September beſtimmt. Tags zuvor überbrachte ein Parlamentär an General Wimpfen die ſchriftliche Aufforderung zur Uebergabe. Die Antwort, welche auf dies im Namen der emigrierten Prinzen¹) er⸗ laſſene und mit vielen tönenden Phraſen ausgeſtattete Schriftſtück eingieng, war kurz und bündig. Man wolle mit den Prinzen nichts zu thun haben und ſei erſtaunt, daß einem Platze wie Thionville, welcher reichlich mit allem Bedarf für eine lange Belagerung verſehen ſei, eine Kapitulation zugemutet werde, ehe noch ein Anfang mit der Belagerung gemacht ſei.
Als dieſe Antwort in der Nacht eintraf, hatte man ſchon die Anſtalten für Eröffnung der Beſchießung getroffen. Die Haubitzen waren nach Eintritt der Dunkelheit von Chateau la Grange gegen die Feſtung vorgezogen und acht zwölfpfündige Feldgeſchütze vor Briqueni auf⸗ gefahren.
Prinz Waldeck hatte ſich Nachmittags von Richemont nach der Höhe von Guentrange bege⸗ ben, wo Hohenlohe und der Erzherzog Carl, welcher am 29. Auguſt bei dem Heere eingetroffen war, ſich befanden. Hier blieb man bis um Mitternacht, während die Geſchütze in Batterie gebracht wurden. In der Stadt war alles ruhig, nur von Zeit zu Zeit ertönte ein Schuß aus den Baſtionen der Feſtung, als wenn die Wachen dadurch munter gehalten werden ſollten. Denſelben friedlichen Charakter trug die Scenerie auf der Höhe von Guentrange. Erzherzog Karl ſaß zu Füßen Waldecks, hatte ſeinen Kopf ihm auf die Kniee gelegt und ſchlief ſanft und ruhig.
Um Mitternacht ſtiegen Hohenlohe und Waldeck quer durch die Weinberge nach Chateau la Grange und ſtellten ſich mit ihrer Suite an der Straße nach Thionville etwa ſechshundert
¹) Das Hauptcorps derſelben ſtand bei Hettange, 2000 Mann unter Marſchall Caſtrie hatten ſeit dem 3. September die Höhen von Jutz auf dem rechten Moſelufer beſetzt und vervollſtändigten ſo die Ein⸗ ſchließung Thionvilles.


