Aufsatz 
Aus dem Leben des Prinzen Christian von Waldeck : ein Beitrag zur Geschichte der französischen Revolutionskriege nach urkundlichen Quellen : 1. Teil / von Theodor Hartwig
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von 6 7000 Mann gebracht worden, und, was die Hauptſache war, die zuletzt eingerückten Truppen waren wütende republikaniſche Fanatiker, beſonders ein Bataillon aus Paris und 200 Kanoniere. Die letzteren brachten die Artillerie des Platzes, die Munition und die Magazine in ihre Gewalt, bedrohten die anſtändige Bürgerſchaft mit dem Tode und wollten den Komman⸗ danten in Haft nehmen.

Wimpfen ſetzte die Oſterreicher von dem Umſchwung in Kenntnis mit dem Bemerken, daß er nicht mehr in der Lage ſei die Feſtung zu übergeben, ohne daß eine förmliche Belagerung vorausgegangen wäre, und Hohenlohe hatte hierauf ſeinerſeits dem König und dem Herzog genaue Meldung von den ihm gewordenen Mitteilungen zugehen laſſen. Trotzdem erneuerte der Herzog in einer ſchriftlichen Entgegnung die Aufforderung baldigſt einen Verſuch gegen die Feſtung zu machen und ſchloß ſein Schreiben, welches Waldeck als lettre mielleuse bezeichnet, mit den Worten: Wir hatten ebenfalls in Verdun Fanatiker uns gegenüber und haben gleichwohl den Platz genommen. ¹) Dieſe Worte reizten den ohnehin heißblütigen Hohenlohe, welcher außerdem den Herzog und die Preußen von ganzem Herzen haßte(complètement haissant), dergeſtalt, daß er ſich raſch für den Angriff entſchied ohne Rückſicht auf die in Ausſicht ſtehenden Folgen.

Für einen ernſtlichen Angriff auf die Feſtung fehlte es zunächſt an den notwendigen Vor⸗ kehrungen, namentlich aber beſaßen die Oſterreicher keine hinreichende Belagerungs⸗Artillerie.

Das Hohenloheſche Corps ſelbſt führte nur Feldgeſchütze mit ſich. Erſt am 4. September trafen von Luxemburg 6 ſechszehnpfündige Haubitzen ein. Dazu hatte der Herzog die Sendung von 4 Vierundzwanzigpfündern und von 4 zwölfzölligen Mörſern verſprochen. Allein Hohenlohe, welcher durch die Bemerkungen des Herzogs ſeinen Mut und ſeine Energie in Zweifel gezogen ſah, wollte in ſeiner gereizten Stimmung nicht einmal das Eintreffen dieſer Geſchütze abwar⸗ ten und von einer Verzögerung des Angriffs nichts hören. In einer Sitzung des Kriegsrats kam es zu ſehr erregten Debatten. Waldeck legte mit ausführlicher Motivierung die abſolute Ausſichtsloſigkeit eines ſo wenig vorbereiteten Unternehmens dar. Er wies darauf hin, daß von Wimpfen für den Augenblick nichts zu hoffen ſei, da er das Heft nicht mehr in der Hand habe, daß aber ein Artillerieangriff mit einer Batterie von ſechs Haubitzen gegen eine Feſtung, deren Werke von 200 Feuerſchlünden und einer Garniſon von 7000 Mann verteidigt würden, ein hoffnungsloſes Wagnis ſei. Man könne nicht daran denken die Stadt in Brand zu ſchießen, denn die zahlreiche und gut bediente Artillerie würde die 6 Haubitzen, welche in offener Batterie und in geringer Entfernung von der Feſtung aufgeſtellt werden müßten, bald zum Schweigen brin⸗ gen. Mit einer ſolchen Beſchießung würde man ſich nur lächerlich machen und den Mut des Fein⸗ des erhöhen. Wenn Hohenlohe einen ſichern Erfolg erzielen wolle, ſo möge er ausreichende ſchwere Artillerie aus Luxemburg und Longwy heranziehen und eine förmliche Belagerung er⸗ öffnen. Dieſe würde gewiß nicht viel Zeit in Anſpruch nehmen, wenn anders die Zuſagen Wimpfens ernſt gemeint ſeien. Denn dieſer werde dann bald, ohne ſich zu kompromittieren, Mittel und Wege finden, um eine Lage herbeizuführen, welche eine Kapitulation als den na⸗ turgemäßen Abſchluß erſcheinen laſſe. Wolle man aber dieſem Vorſchlage kein Gehör ſchenken, ſo möge man wenigſtens das Eintreffen der verſprochenen ſchweren Geſchütze aus Longwy abwarten

²)Nous avions aussi des enrages dans Verdun contre nous et nous n'avons pas laissé que de prendre la place.