Aufsatz 
Aus dem Leben des Prinzen Christian von Waldeck : ein Beitrag zur Geschichte der französischen Revolutionskriege nach urkundlichen Quellen : 1. Teil / von Theodor Hartwig
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in der Feſtung liegenden Schweizerregiment von Sonneberg gegründet hatte, zu nichte. Am 20. wurde überdies das Regiment durch 2 Bataillone Nationalgarde abgelöſt und nach Metz geſandt.

Am 22. erreichte die Spitze des Hohenloheſchen Corps in Gemäßheit der Ordre des Herzogs von Braunſchweig auf dem Wege über Lembach Merzig an der Saar. Der ganze Marſch war durch die infolge anhaltenden Regens überaus ſchlechten Wege und das damalige höchſt mangel⸗ hafte Verpflegungsſyſtem¹) ſehr erſchwert worden. Am 24. überſchritt die Avantgarde die Saar und gelangte an demſelben Tage in der Nähe von Remich in das Moſelthal.

Hier trat das Corps zuerſt in nähere Berührung mit einem preußiſchen Truppenteil, der unter General Köhler in Remich ſtand. Die feindſelige Stimmung der Oſterreicher gegen die Preußen trat ſchon damals recht augenfällig hervor, am meiſten bei den ungariſchen Huſaren, welche, wie Waldeck bemerkt, jene von Grund ihres Herzens haßten(les haissent cordialement) und namentlich die preußiſchen Huſaren nicht anſehen konnten, ohne den Wunſch auszudrücken, ihnen etwas am Zeuge zu flicken.

Nachdem am 26. die verſchiedenen Kolonnen ſich im Lager bei Remich zuſammengefunden hatten, wurde zufolge der an dieſem Tage von dem Herzog von Braunſchweig eingetroffenen Inſtruktionen am 28. Thionville zum Zielpunkt der Marſchrichtung genommen und Rodemacher erreicht. Am folgenden Tage umgieng Hohenlohe auf dem Wege über Hettange, Guentrange, Weymerange, Huckange die Feſtungim Weſten und beſetzte Richemont im Moſelthale. Der größere Teil des Corps nahm hier Stellung, um die Verbindung der Feſtung mit Marſchall Luckner, welcher bei Frescaty oberhalb Metz mit ſeinem Heere ſtand, zu durchſchneiden und den Angriff auf Thionville zu decken, der von der 2. Kolonne gemacht werden ſollte.

Am 31. Auguſt²) unternahm Waldeck mit einer combinierten Abteilung eine größere Re⸗ cognoszierung gegen Metz. Er drang bis Maiſonrouge bei Woippy vor und gieng gegen Abend, nachdem er den Feind zur Entwicklung ſeiner Streitkräfte veranlaßt und die gewünſchten Auf⸗ ſchlüſſe über die Stärke des Lucknerſchen Corps gewonnen hatte, in die alte Stellung zurück.

Wenige Tage nach dieſem Streifzuge traf den Prinzen ein Unfall, welcher nicht nur ſeiner militäriſchen Laufbahn, ſondern auch ſeinem Leben ein jähes Ende zu bereiten drohte. Zum Verſtändnis iſt es notwendig auf die damalige Lage der Dinge in und vor Thionville etwas näher einzugehen. Wir folgen auch hierin den Mitteilungen des Tagebuches.

Durch die oben berührte Inſtruktion des Herzogs von Braunſchweig vom 25. Auguſt war Hohenlohe die Aufgabe geſtellt worden ſich der genannten Feſtung zu bemächtigen. Der Her⸗ zog gieng dabei von der Anſicht aus, daß das Unternehmen keine ſonderliche Schwierigkeit ha⸗ ben würde, da der Kommandant des Platzes, General Wimpfen, welcher ſchon längere Zeit mit dem König von Preußen in Korreſpondenz ſtand, verſprochen hatte zu kapitulieren, ſobald einige Bomben in die Stadt geworfen wären.

Allein die Situation hatte ſich inzwiſchen völlig geändert. Wimpfen war nicht mehr Herr in ſeinem Hauſe. Ende Auguſt war die Beſatzung durch anſehnliche Verſtärkungen auf die Zahl

¹) In Homburg kaufte man in größeren Quantitäten Heu, den Ctr. zu 3 Fl. 30 Kr.; ſechs Pſund Brot mußten in Merzig mit 20 24 Kr. bezahll werden und trotzdem war der Bedarf nicht zu decken. über die damalige Art der Heeresverpflegung vgl. Geſchichte der Kriege in Europa I S. 13 ff.

¹) Renouard a. a. O. S. 140 verlegt dieſes Unternehmen auf den 30. Auguſt.