13
damals Kommandant von Landau, welcher im folgenden Winter auswanderte, ¹) verſicherte ſpäter wiederholt, daß wenn am 4. Auguſt die Oſterreicher vor Landau erſchienen wären, er die Thore geöffnet haben würde, da die Beſatzungstruppen unter dem friſchen Eindruck der vorausgegan⸗ genen Scharmützel nur von Übergabe geſprochen hätten. Dieſe Verſicherung gewinnt einen ge⸗ wiſſen Grad von Glaubwürdigkeit, wenn man berückſichtigt, daß nach Waldecks auch anderweitig beſtätigter Angabe die Feſtung, deren Werke eine Beſatzung von 6000 Mann erforderten, da⸗ mals nur 2500 Vertheidiger hatte und daß die Garniſon zur Hälfte aus einem Schweizerregi⸗ ment beſtand, deſſen Sympathieen der Sache der ausgewanderten Prinzen gehörte, während die andere Hälfte größtenteils Nationalgarden waren, deren Widerſtandskraft ſicher nicht hoch an⸗ geſchlagen werden konnte. Jedenfalls wäre aber ein Erfolg nur am 4. Auguſt durch einen Handſtreich zu erreichen geweſen, da General Kellermann ſchon am folgenden Tage bedeutende Verſtärkungen in die Feſtung warf und an Stelle Martignacs Cuſtine das Kommando über⸗ nahm. An jenem Tage aber wurde das Hohenloheſche Corps durch eine falſche Nachricht von einem beabſichtigten Angriff des Feindes in ſeinem Lager bei Lingenfeld feſt gehalten. Waldeck ſpricht die, wohl nicht grundloſe, Vermutung aus, daß dieſer blinde Lärm vom Feinde veranlaßt ſei, um einen Vormarſch des Corps an dieſem Tage zu verhüten.
Am 5. Auguſt empfing Hohenlohe vom Herzog von Braunſchweig aus Trier die Ordre, ſchleunigſt gegen die Saar zu marſchieren, und am 6. meldete Prinz Condé aus Neuſtadt, daß Cuſtine mit 11 Bataillonen und 4 Schwadronen in Landau eingerückt ſei, indem er Hohenlohe bat durch eine detachierte Abteilung ein Scheinmanöver gegen die Feſtung ausführen zu laſſen, um hierdurch ſeinen Rückzug auf Speier zu decken. Infolge dieſer Mitteilung, welche mit den durch Spione eingezogenen Nachrichten übereinſtimmte, verzichtete der Fürſt auf ein ernſtliches Unternehmen gegen Landau und beſchränkte ſich darauf am 7. Auguſt die von Condé gewünſchte Bewegung mit ſeinem geſamten Corps bis in die Nähe des Platzes auszuführen. Am 8. Auguſt erreichte er Neuſtadt. Waldeck führte auf dieſem Marſche am 1. Tage die Avantgarde, am zweiten den Nachtrab.
In Neuſtadt raſtete Hohenlohe 4 Tage, wie Waldeck bemerkt, zum Teil wohl, um die Verpro⸗ viantierung ſeines Corps zu ſichern, gewiß aber auch, weil es ihm leid that, dem Elſaß den Rücken zu kehren und weil er keine Eile hatte an die Moſel zu kommen und eine untergeord⸗ nete Rolle unter dem Oberbefehl des Herzogs von Braunſchweig zu ſpielen. Auch während des Weitermarſches machte Waldeck wiederholt die Wahrnehmung, daß es Hohenlohe ſchwer fiel, ſich den Anordnungen des Herzogs zu fügen, und daß ſeine Wünſche immer nach dem Elſaß giengen, wo ſeiner, wie er meinte, ſichere Erfolge warteten, welche er mit niemand zu teilen gehabt haben würde.
Am 12. Auguſt brach Waldeck mit dem Vortrab, welchen er während des Marſches nach der Moſel ſtets führte, aus der Stellung bei Neuſtadt auf. Das Hauptcorps folgte am näch⸗ ſten Tage. Der Marſch gieng über Kaiſerslautern, Homburg, Neunkirchen gegen die Saar. Bei Homburg erfuhr der Prinz am 15. Auguſt, daß die Garniſon von Saarlouis um 1700 Mann verſtärkt ſei. Hierdurch wurden die Pläne, welche man auf ein Einverſtändnis mit dem
¹) Er diente im Feldzug von 1793 unter dem Prinzen Condé und wurde in einem Gefecht am 2. Dezember tödlich verwundet. Journal.


