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Die größere Menge alten Grolls war wohl in den Herzen der öſterreichiſchen Krieger auf⸗ geſpeichert. Sie hatten ſich in zahlreichen Kämpfen daran gewöhnt, die Preußen als die gefähr⸗ lichſten Feinde ihres Waffenruhmes zu betrachten, und ihre Seelen brannten noch im Gefühle friſcher Erbitterung, wenn ſie daran gedachten, daß nur durch die preußiſchen Kabalen ihnen die Früchte des Türkenkriegs und vor allem das ſchwer errungene Belgrad, deſſen Erwähnung ſchon jedes öſterreichiſche Soldatenherz wärmer ſchlagen ließ, entriſſen ſei. Auch die Inſurrektion Belgiens ſahen ſie als das Werk preußiſcher Hinterliſt an. Mit einem Wort, Preußen und ſeine Armee war für ihr Empfinden ſeit langer Zeit der Inbegriff alles Unheils geweſen. Was Wunder, daß ſie ſich jetzt nur mit Widerſtreben in die Waffengemeinſchaft mit„den Kameraden in den blauen Röcken“ finden konnten?
Die mir vorliegenden Aktenſtücke geben manchen ſprechenden Beleg für dieſe Stimmung ſelbſt bei den hervorragendſten Führern der öſterreichiſchen Armee und laſſen deutlich erkennen, wie hierdurch von Anfang an jedes planvolle Zuſammenwirken erſchwert wurde. ¹)
Nach den in Wien getroffenen Verabredungen ſollte jede der verbündeten Mächte für den Feldzug 50000 Mann ins Feld ſtellen abgeſehen von den Truppen, welche Preußen in Weſt⸗ falen und Oſterreich in den Niederlanden unterhielt. ²) War ſchon dieſe Macht für eine Invaſion, deren Zielpunkt Paris war, kaum ausreichend, ſo wurden die Ausſichten auf glückliche Durchführung des Unternehmens dadurch noch erheblich herabgeſtimmt, daß die ausrückende Stärke beſonders der öſterreichiſchen Truppen hinter der Sollſtärke beträchtlich zurückblieb. ³) Obwohl Preußen nur Hülfsmacht war, ſo war ihm in dem erſten Feldzuge nicht nur die Füh⸗ rung, ſondern auch der größere Teil der Mühen zugefallen. öſterreich hatte ſich mit der Rolle der Auxiliarmacht begnügt. Es entſprach dieſes Verhältnis ebenſoſehr der Begeiſterung, mit welcher ſich Friedrich Wilhelm II dem Gedanken an dieſen Krieg hingab, wie der vorſichtigen Schonung der eigenen Kraft, mit welcher man in Wien in den Kampf eintrat.
Der Plan für die gemeinſamen Operationen war der Hauptſache nach im Mai 1792 in Sansſouci auf Grund der vom Herzog von Braunſchweig gemachten Vorſchläge zwiſchen preu⸗ ßiſchen Offizieren und dem öſterreichiſchen Feldzeugmeiſter Fürſten von Hohenlohe⸗Kirchberg, welchem ſelbſt eine Hauptrolle in dem Feldzug zugedacht war, und im einzelnen ſpäter bei der Zuſammenkunft in Mainz feſtgeſtellt worden.¹) Hiernach ſollten außer den in den Nieder⸗ landen ſtehenden Streitkräften 50000 Oſterreicher am Oberrhein Aufſtellung erhalten, von denen 23000 Mann unter Hohenlohe ſich mit dem Hauptheere unter dem Herzog von Braunſchweig zu vereinigen hätten, um auf dem Vormarſch deſſen linke Flanke zu ſichern.
Aus dem Feldzuge, welcher dieſer Vereinbarung zufolge unternommen wurde, ſind für un⸗ ſeren Zweck nur die Operationen des Hohenloheſchen Corps von Wichtigkeit, da Prinz Chriſtian von Waldeck zur Teilnahme an denſelben als Führer einer Kolonne berufen war.
¹) Auch in dem preußiſchen Heere berrſchte wenig Sympathie für die neuen Bundesgenoſſen. über die Stimmung des Herzogs von Braunſchweig vgl. v. Spbel a. a. O. 1 S. 438.
¹) S. Ranke, Revolutionskriege, S. 173.
*) Über die Differenz des offiziellen Etats und des Effektivbeſtands vergl. die Überſichten bei Renonard a. a. O. S. 79 f. u. S. 99.
*) S. Ranke, a. a. O. S. 194 f. u. v. Spbel, Rev. I S. 503.


