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und Preußen, welche Rußland und dem mit ihm zu einem Offenſivbündnis geeinigten Oſterreich keine Machterweiterung auf Koſten der Pforte gönnten, hatten zum Schutzs der letzteren ein „Föderativſyſtem“ zu begründen geſucht, welches mehrere Staaten zweiten Ranges wie Holland, Schweden und Polen umfaßte. In ihren Beſtrebungen wurden ſie durch die in einigen großen Provinzen des öſterreichiſchen Ländergebiets ausgebrochenen Unruhen ſowie durch die franzöſiſche Revolution, welche in ihren Anfängen dem ſeit 1756 mit Oſterreich verbündeten Staate jede Machtentwickelung nach außen verſagte, begünſtigt. Gleichwohl ließ ſich bei den großen Erfol⸗ gen, welche die beiden Kaiſerhöfe im Jahre 1789 über die Türken davongetragen, und bei dem Charakter ihrer Herrſcher nicht annehmen, daß dieſelben ihre Beute auf die Drohungen der Verbündeten hin fahren laſſen würden, und ein Konflikt ſchien ſomit unvermeidlich. Da ſtarb Kaiſer Joſeph II.(20. Februar 1790). Sein Tod bezeichnet einen Wendepunkt in der europäi⸗ ſchen Lage. Das Schwert, welches ſchon halb aus der Scheide gezogen war, ſank in dieſelbe zurück. Der Nachfolger Joſephs, Leopold II, ein kühler, klar blickender Politiker, würdigte die Gefahren, in welche der leidenſchaftliche Ehrgeiz ſeines Bruders den Staat geſtürzt hatte, und ſuchte denſelben durch eine Annäherung an Preußen vorzubeugen. In Berlin wurde die ge⸗ botene Hand nach einigem Schwanken ergriffen. Denn ſo ſtark dort auch die Oſterreich feindliche Strömung war, und ſo ſehr vor allem der Miniſter Herzberg, der Erbe und Träger der Friedericianiſchen Politik einem Ausgleich mit öſterreich entgegenarbeitete, man hatte doch mannigfache Gründe eine Ausſöhnung mit Oeſterreich zu wünſchen.¹) Namentlich aber entſprach der perſönlichen Stimmung des Königs eine friedliche Wendung weit mehr als die weitaus⸗ greifende kriegeriſche Politik ſeines Miniſters. So kam es, daß durch den Reichenbacher Vertrag (27. Juli 1790) die Kluft zwiſchen Oſterreich und Preußen überbrückt wurde. Kaiſer Leopold verzichtete auf alle Erwerbungen in der Türkei und verſprach ſeine Mitwirkung, um auch Katharina II. zu einer gleichlautenden Zuſage zu bewegen.
In der nächſten Zeit gewann es dann mehr und mehr den Anſchein, als wenn der Riß zwiſchen den alten Rivalen ſich völlig ſchließen ſollte. Die Sendungen des vertrauten Ratgebers des Königs, des Oberſt von Biſchoffswerder, an den Kaiſer, die Wiener Konvention vom 25. Juli 1791, die Pillnitzer Fürſtenzuſammenkunft(25.—27. Auguſt) waren Etappen auf dieſem Wege gegenſeitiger Annäherung. Es kam noch ein anderes hinzu, was dieſe Annäherung beſchleunigte.
Im Anfang der franzöſiſchen Revolution hatten die deutſchen Höfe keineswegs allgemein mit Antipathie die Unruhen und Neuerungen in dem benachbarten Königreich betrachtet. Man war noch nicht von der Beſorgnis beherrſcht, daß die revolutionäre Bewegung nach Deutſchland herübergreifen würde, hielt dagegen eine Schwächung der Gewalt der Krone in Frankreich noch für gleichbedeutend mit einer Schwächung der Macht des Staagtes ſelbſt, und eine ſolche konnte in Deutſchland nach den früheren Erfahrungen in den meiſten Staaten ja nur mit freudigen Empfindungen begrüßt werden.
In dieſen Anſchauungen aber mußte eine Wandelung eintreten, als der Strom der Revo⸗ lution die Grenzen Frankreichs zu überfluten drohte, und als die perſönliche Sicherheit der königlichen Familie in Frage geſtellt wurde. Seitdem fühlten ſich die Monarchieen des alten
¹) S. Ranke, Revolutionskriege, S. 14 f. und Häuſſer a. a. O. I S. 252 f..


