7
Monate des Jahres 1793. Noch mehr aber iſt zu bedauern, daß die ſo wichtigen Vorgänge des Jahres 1794 nur lückenhaft und mehr reſumierend beſprochen werden. Auch läßt die Form der Darſtellung erkennen, daß der Verfaſſer ſeine Arbeit nicht zum Abſchluß gebracht hat.
Immerhin aber bieten dieſe Memoiren ein reiches Material nicht nur für die Biographie des Prinzen ſelbſt, ſondern auch für eine eingehende Behandlung der Kriegsgeſchichte jener Jahre, und es fällt außerdem auf die politiſche Zeitgeſchichte mancher helle Lichtſtrahl. Der Ver⸗ faſſer beſaß eine lebendige und ſcharfe Auffaſſung und war durch ſeine vertrauten Beziehungen zu den tonangebenden Wiener Perſönlichkeiten und durch ſeine eigenen Streifzüge auf diploma⸗ tiſchem Felde über die politiſchen Strömungen ſeiner Zeit hinlänglich informiert. Seine Auf⸗ zeichnungen tragen, obwohl ſie kaum zur Veröffentlichung beſtimmt waren, da wo der eigene Anteil an dem Entwickelungsgang der Dinge in Frage kommt, begreiflicher Weiſe einen apolo⸗ getiſchen Charakter. Doch tritt dieſer mehr in der Darlegung der Motive als in der Erzäh⸗ lung des Thatſächlichen hervor. Eine ſorgfältige Prüfung der Glaubwürdigkeit der Denkwür⸗ digkeiten und insbeſondere eine Vergleichung der darin gemachten Aufſtellungen mit den ſicheren Reſultaten der Geſchichtsforſchung ergiebt nun, daß der innere Wert der Memoiren ein un⸗ gleicher iſt, und zwar wird das Urteil ein verſchiedenes ſein, je nachdem man die detaillierten Berichte über die Kriegsereigniſſe oder die Referate über die diplomatiſchen Negotiationen ins Augefaßt. Man wird die Wahrnehmung machen, daß in der Darſtellung der Kriegsoperationen die Dinge keine oder eine nur unerhebliche Verſchiebung erfahren haben, während die diplomatiſche Aktion auch da, wo der Prinz über ſeine eigene Beteiligung referiert, nicht mit gleicher Treue behandelt iſt. Die einfache Erklärung für dieſe Ungleichheit liefert die Erkenntnis, daß der Prinz bei dem Bericht über ſeine Kriegserlebniſſe, wie dies ſchon die tagebuchartige Form der Darſtellung verrät, Aufzeichnungen vor Augen hatte, welche im Laufe der Begebenheiten ſelbſt gemacht waren, dagegen über die politiſchen Verhandlungen, an welchen er beteiligt war, nur aus einer oft getrübten Erinnerung berichtet.
Trotz des Vorzugs größerer Genauigkeit, welcher nach dieſer Darlegung den kriegsgeſchicht⸗ lichen Partien des Journals zukommt, wird man von mir aber nicht erwarten, daß ich dieſer Seite meine Hauptaufmerkſamkeit zuwende und in eine Erörterung des militäriſchen Details eintrete. Es würde dies einesteils für einen Laien in dieſen Dingen ein ſehr gewagtes Unter⸗ nehmen ſein, andernteils verbietet es ſich auch von ſelbſt ſchon durch die Rückſicht auf die dieſer Arbeit gezogenen engen Grenzen. Nur die Hauptmomente aus dem Soldatenleben des Prinzen können hier etwas eingehendere Berückſichtigung finden. Dagegen wird größere Ausführlichkeit am Platze ſein, wo es gilt die politiſchen Einflüſſe zu kennzeichnen, welche auf das militäriſche Gebiet hinüber ſpielten, und die auf dieſem Grenzgebiet ſich entwickelnde Thätigkeit Waldecks zu verfolgen.
Vergegenwärtigen wir uns zuvörderſt kurz die allgemeine politiſche Lage und die wechſel⸗ vollen gegenſeitigen Beziehungen der deutſchen Großmächte beim Ausbruch der Revolutionskriege.
Im Beginn des letzten Jahrzehnts des vorigen Jahrhunderts ſchien ein großer Kampf zwiſchen den zu einer Tripelallianz verbundenen Mächten England, Preußen, Holland und den beiden öſtlichen Kaiſerſtaaten dem Ausbruch nahe. Es war dies eine der zahlreichen Kriſen, in welche die Gefährdung der Türkei durch ruſſiſche Erorberungsſucht Europa geſtürzt hat. England


