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nungen ſtützt, welche nicht für amtliche oder öffentliche Zwecke gemacht ſind, ſondern die innere Stimmung und Anſchauung der betreffenden Perſon reflektieren. 6
Für eine Darſtellung des öffentlichen Wirkens des Prinzen Chriſtian von Waldeck werden gewiß aber auch die Jahre ſeines Lebens die wichtigſten ſein, in denen er den weltgeſchicht⸗ lichen Momenten am nächſten ſtand und manche Fäden des großen Gewebes durch ſeine Hand liefen. Glückliche Jahre ſind es freilich für ihn nicht geweſen. Die Kraft ſeines Lebens wurde in ihnen gebrochen, und ungetrübte Freude hat er an dieſem Kriege kaum jemals empfunden. Politiſche Bedenken hielten ſeine Thatenluſt meiſt gefeſſelt. Große Erfolge hat er daher nicht er⸗ rungen, und herbe Kritik hat ſein Thun oft getroffen. Selbſt des Verrats wurde er beſchuldigt, und der unglückliche Ausgang des Feldzugs von 1794 in den Niederlanden ihm zum großen Teil zur Laſt gelegt.
Soweit nun auch dieſe Vorwürfe über die Wahrheit hinausgehen, ſo iſt doch anderſeits nicht zu beſtreiten, daß der Prinz ſeinen vollen Anteil an der allgemeinen Schuld trägt. Gerade weil aber ſein Verſchulden nicht ſo ſehr in ſeinen individuellen Beſonderheiten als in dem allgemeinen Verhängnis der Zeit, deren Einflüſſe ihn beberrſchten, begründet war, hat für die Beurteilung ſeiner Wirkſamkeit in dieſer Epoche wie für jene Zeit überhaupt das tout com- prendre c'est tout pardonner ſeine beſondere Bedeutung.
Die Unterlage für die folgenden Ausführungen bildet neben den die allgemeine oder ſpeciell die Kriegsgeſchichte der Zeit behandelnden Werken und Monographieen“) ein mit ausgezeichneter und dankenswerter Liberalität mir zur Benutzung überlaſſenes reiches urkundliches Material. Daſſelbe be⸗ ſteht in den teilweiſe ſchon von Witzleben für ſein Werk über Joſ. von Coburg verwerteten Archivalien der Geheimen Kabinettsregiſtratur zu Arolſen, hauptſächlich aber in dem bisher noch nicht be⸗ benutzten in doppelter Ausfertigung(Original und Copialbuch) der Arolſer Hofbibliothek ange⸗ hörigen Journal des Prinzen Chriſtian über ſeine Teilnahme an den Feldzügen der Jahre 1792— 94. Die letztgenannten Aufzeichnungen, welche in franzöſiſcher Sprache einige Jahre nach jenen Ereigniſſen²) gemacht wurden, geben meiſt in der Form eines eigentlichen Tagebuchs eine zum Teil ſehr ausführliche, vielfach kritiſierende Darſtellung der Ereigniſſe der Jahre 1792 und 93, ſoweit der Prinz ſelbſt aktiv daran beteiligt war. Leider fehlt die Geſchichte der beiden letzten
¹) Von der hier einſchlagenden Literatur ſtanden außer den ſchon erwähnten Werken zu meiner Be⸗ nutzung: F. C. Schloſſer, Geſchichte des 18. Jahrh. 4. Auflage 1856; L. Häuſſer, Deutſche Geſchichte, 3. Auflage 1861; H. von Spbel, Geſchichte der Revolutionszeit, 3. Auflage 1865 und dazu Ergänzungsheft 1868, ſowie deſſen Aufſatz: Sſterreich und Preußen im Revolutionskrieg, Hiſt. Zeitſchrift XV, 1866; von Maſſenbach, Memoiren 1. Bd. 1808; Geſchichte der Kriege in Europa ſeit 1792, 1827; A. Wagener, der Feldzug der Königl. Preuß. Armee am Rhein im Jahre 1793, 1831; Öſterreichiſche Militäriſche Zeitſchrift Bd. 3, Heft 7—9, 1834. Jomini, histoire critique et militaire des guerres de la révolution, 1840; C. Re⸗ nouard, Geſchichte des franzöſiſchen Revolutionskrieges im Jahre 1792, 1865. A. v. Vivenot, Herzog Albrecht von Sachſen Teſchen, 1864— 66; deſſelben Thugut, Clerfait und Wurmſer, 1869 und Vertrauliche Briefe des Freiherrn von Thugut, Bd. 1, 1872. E. Herrmann, Diplomatiſche Korreſpondenzen aus der Revolutionszeit, 1866; Herm. Hüffer, Diplomatiſche Verhandlungen aus der Zeit der franz. Revolution, 1868. L. v. Ranke, Urſprung und Beginn der Revolutionskriege 2. Aufl. 1879 und Hardenberg und die Ge⸗ ſchichte des preuß. Staates 1793— 1813, 1879; A. Lufft, der Feldzug am Mittelrhein im Jahre 1793, 1881.
²) Die Abfaſſungszeit wird nirgends beſtimmt angegeben, allein Inhalt und Form tragen an mehreren Stellen deutliche Spuren rückwärts ſchauender Betrachtung.


