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Zeit u. a. mit dem geiſtreichen Fürſten von Ligne eng befreundet. Von ſeiner perſönlichen Lie⸗⸗ benswürdigkeit und ſeiner anregenden Unterhaltung ſowie von der künſtleriſchen Atmoſphäre, in der er lebte, und ſeinem traulichen Heim in Wien giebt ein kleines aber anmutendes Bild die Schilderung ſeiner Nichte, der Fürſtin Auguſte Amalie zu Naſſau Uſingen. ¹)
Aber die äſthetiſchen und wiſſenſchaftlichen Liebhabereien²) ſtanden nicht im Mittelpunkt der Lebensintereſſen des Prinzen. Er opferte ihnen nur in ſeinen Mußeſtunden oder auf den großen Reiſen, welche er öfters, hauptſächlich zur Kräftigung ſeiner Geſundheit, unternahm. Seine wahre Herzensneigung gehörte, wie er ſelbſt oft verſichert, dem Kriegerſtande, welchen er ſchon in früher Jugend ſich gewählt und dem er treu geblieben iſt bis zum Tod. Als er vor Thionville zum Krüppel geſchoſſen wurde, da war es ſeine drückendſte Sorge, daß er nun ſeinem Berufe ent⸗ ſagen müßte, und weder die Schmerzen ſeiner nur langſam vernarbenden Wunde noch der innere Widerwille gegen den Revolutionskrieg konnten in ihm die Sehnſucht nach Verwendung beim aktiven Heere zurückdrängen. Seine Seele war erfüllt von glühendem Ehrgeiz. Eine jede Verletzung ſeines militäriſchen Selbſtgefühls kränkte ihn ſchwer und veranlaßte ihn oft zu gereiz⸗ ten Erwiderungen. Seine Korreſpondenz mit ſeinen Vorgeſetzten zeigt mannigfaltige Spuren dieſer Empfindlichkeit.
Schon in ſeinem 12. Jahre(1755) erhielt er das Patent als Kapitain im kaiſerlichen Dragonerregiment Zweibrücken, deſſen Chef er ſpäter ſelbſt wurde, und rangierte nach einem
Eurer Hoheit in engere Beziehung zu treten(lier une relation plus intime) war ſeit langer Zeit ein Wunſch, den mir die hohe Achtung einflößt, die ich ſtets den Eigenſchaften gezollt habe, welche alle Welt an Ihnen anerkennt.(Arolſer Archiv). Die ſpäteren Briefe des Herzogs geben die Gewähr, daß vorſtehende Worte mehr als eine Höflichkeitsphraſe waren.
1) Freifrau von Dalberg, Aus dem Leben einer deutſchen Fürſtin, S. 90 f. Da das Buch zu den ſel⸗ tenen gehört und die darin gegebene Charakterzeichnung des Prinzen meines Wiſſens die einzige etwas ausführlichere und auf Autopſie beruhende iſt, welche auf uns gekommen iſt, ſo mag ſie in ihren Hauptzügen hier eine Stelle finden: Mein Onkel, der Prinz Chr. von Waldeck, ſo erzählt die Fürſtin, befand ſich zur Zeit unſerer Ankunft(in Wien, 1702) noch bei der öſterreichiſchen Armee, kam jedoch bald zurück und ich erinnere mich noch heute mit Freude der Abende, welche wir in ſeiner Geſellſchaft verlebten. Er beſaß ein kleines, hübſches Haus in der Vorſtadt auf der Wieden, und ich ſehe ihn noch immer auf ſeinem Divan zwiſchen meiner Mutter und einer alten Freundin, der Gräfin von Waldſtein, ſitzen und mit großer Leb⸗ haftigkeit, namentlich von ſeinen Feldzügen und beſonders von den Chancen der letzten Campagne erzählen. Dieſer Bruder meiner Mutter(Louiſe, der erſten Herzogin von Naſſau) war ein Mann von vielem Geiſte, ſehr unterrichtet und der ſowohl in ſeinem Benehmen als in ſeiner Weiſe zu ſprechen alle Merkmale und Abzeichen der vornehmen Welt vereinigte. Nicht ohne Lächeln vermag ich an die enthuſiaſtiſche Bewunde⸗ rung zurück zu denken, die mein junges Herz, wahrſcheinlich in Erwiderung ſeiner Freundlichkeit gegen mich für ihn empfand. Er liebte die Künſte und beſaß ein hübſches Antiquitätenkabinet; überdies waren ſeine Zimmer mit einer Menge Bilder geſchmückt. Eines derſelben, von dem Pinſel der Angelika Kaufmann, ſoll dem Urteile der Kenner zufolge ſehr ausgezeichnet geweſen ſein. Es ſtellte Hero vor, wie ſie Leander im Tempel erblickt, und entzückte mich um ſo mehr, als mein Onkel behauptete, daß ich eine große Ähn⸗ lichkeit mit einer der Prieſterinnen der Diana habe, welche ebenfalls darauf abgebildet waren. Der Prinz von Ligne brachte viele Abende in dem kleinen Kreiſe zu, den wir um meinen Onkel von Waldeck bilde⸗ ten. Auch lernte ich die berühmte Malerin, Madame Le Brun kennen u. ſ. w.
¹) Auch ſchriftſtelleriſch verſuchte ſich der Prinz. Er iſt der Verfaſſer des Buches: Kleine Berichtigun⸗
gen über„Verſuch einer militäriſchen Geſchichte des bayeriſchen Erbfolgekriegs“. S. L. Curtze, Beſchreibung des Fürſtenthums Waldeck. S. 621.


