Aufsatz 
Aus dem Leben des Prinzen Christian von Waldeck : ein Beitrag zur Geschichte der französischen Revolutionskriege nach urkundlichen Quellen : 1. Teil / von Theodor Hartwig
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Seitdem die Reformation den Söhnen der proteſtantiſchen Fürſtenhäuſer die Möglichkeit genommen hatte, als Würdenträger der Kirche eine ihrer Geburt entſprechende Stellung zu gewinnen, ſuchten viele derſelben, namentlich aber diejenigen, welchen das in enge Grenzen gebannte politiſche Leben der kleineren Fürſtentümer keine Befriedigung ihres Thatendranges zu gewähren vermochte, ſich ein weiteres Feld für Verwendung ihrer Kraft durch Eintritt in die Armeen größerer Staaten zu verſchaffen. Auch haben unzweifelhaft gar manche von ihnen durch ihre Teilnahme an den Welthändeln eine weit höhere Bedeutung in der Geſchichte erlangt, als dies in dem Stillleben des heimiſchen Hofes möglich geweſen wäre. Für dieſe Thatſache liefert namentlich die Geſchichte des 17. und 18. Jahrhunderts zahlreiche Belege.

Aus keinem deutſchen Fürſtengeſchlechte haben aber in jenen Zeiten wohl mehr Prinzen in fremden Heeren geſtanden als aus dem Hauſe Waldeck, deſſen Söhne, meiſtens in kaiſerlichen oder niederländiſchen Dienſten, wenn auch nicht alle hervorragendes Feldherrntalent wie Georg Friedrich, doch ſämtlich einen ächt militäriſchen Sinn und kühnwagende Tapferkeit bekundet haben. Noch am Schluſſe des vorigen Jahrhunderts dienten die vier Söhne des Fürſten Karl, welcher im öſterreichiſchen Erbfolgekriege die Holländer geführt hatte, in den Heeren des Kaiſers und der Generalſtaaten, und drei derſelben, Fürſt Friedrich und die Prinzen Chriſtian und Ludwig waren gleichzeitig als Generale im Kampfe gegen die franzöſiſche Revolution thätig. Prinz Ludwig wurde das Opfer ſeiner todverachtenden Tapferkeit in dem Treffen bei Warwick. Prinz Chriſtian verlor aus derſelben Urſache den linken Arm bei der Belagerung von Thionville.

Der letztgenannte, unter den vier Brüdern wohl der geiſtig hervorragendſte, jedenfalls aber ſchon wegen ſeines wechſelvollen und ereignisreichen Lebens der intereſſanteſte, war ein Mann von ausgebreiteten Kenntniſſen, von ſprühender geiſtiger Lebendigkeit und von künſtleriſch gebil⸗ detem Geſchmack. Freund und Feind urteilen im weſentlichen gleich günſtig über ſeine vielſei⸗ tige Befähigung. Von ſeinem Kunſtſinn geben die von ihm beſonders auf ſeinen Reiſen in Italien geſammelten Schätze des Antikenkabinetts im Arolſer Schloſſe Zeugnis. Auf einer dieſer Reiſen, welche er in den Jahren 1786 und 1787 machte, verkehrte er in Rom und Neapel viel mit Göthe, den er ſeinen Freund nannte, während jener ihn in ſeinerItaliäniſchen Reiſe alseinen vollkommnen und unterrichteten Fürſten bezeichnet. Auch mit Karl Auguſt von Weimar ſtand er in intimem Verkehr¹) und war mit vielen anderen hervorragenden Männern ſeiner Am 25. Dezember 1792 ſchreibt K. Auguſt nach einem zweitägigen Zuſammenſein mit dem Prinzen, welches ihn einigermaßen, wie er bemerkt, mit den Greueln des Kriegs verſöhnt habe, an jenen: Mit

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