Aufsatz 
Das dreihundertjährige Jubiläum des Gymnasiums / von Theodor Hartwig
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der Landtag zu Arolſen aus den Einkünften des Stiftes Schaaken für dieſen Zweck verwilligt hatte. Ebenſo verdient aber auch beſonders der Beitrag von 500 Mark genannt zu werden, welchen ein dankbarer früherer Schüler des Gymnaſiums, Herr J. Wittgenſtein in Berlin, in dieſe Kaſſe fließen ließ.

Inzwiſchen waren die Vorbereitungen zum Feſte ſelbſt weſentlich gefördert worden. In den ſeit Beginn des Winterſemeſters monatlich abgehaltenen Ausſchußſitzungen wurde das Feſt⸗ programm im Einzelnen feſtgeſtellt, mehrere Specialcomités gebildet und alle einleitenden Maßregeln getroffen. Beſondere Einladungen erließ der Unterzeichnete an Se. Durchlaucht den Fürſten und den Erbprinzen, an Ihre Erlaucht die Grafen Adalbert und Richard zu Waldeck, an Se. Excellenz den Herrn Miniſter Falk, an den Herrn Oberpräſidenten Freiherrn von Ende, an den Herrn Geheimerath und vortragenden Rath im Miniſterium Dr. Stauder, an Herrn Provinzial⸗Schulrath Dr. Rumpel und an die benachbarten Schweſteranſtalten. Der Herr Miniſter und der Herr Geh.⸗Rath, an perſönlichem Erſcheinen leider verhindert, erfreuten durch den ſchriftlichen Ausdruck wohlwollender Theilnahme und durch ihre Glück⸗ und Segenswünſche. Der Herr Ober⸗Präſident, welcher Anfangs uns die Ehre ſeines Beſuchs in ſichere Ausſicht geſtellt hatte, wurde durch die Pflichten ſeines Reichstagsmandats zu unſerem tiefſten Bedauern an der Ausführung ſeiner Abſicht gehindert.

Unterdeſſen waren die Tage des Feſtes herangenaht.

In der Bürgerſchaft Corbachs, welche ſchon frühzeitig dem Jubiläum ein lebhaftes Inter⸗ eſſe entgegengebracht hatte, gewann mehr und mehr die Ueberzeugung Raum, daß es eine Ehrenpflicht für die Stadt ſei, alles was in ihren Kräften ſtand, zur Verſchönerung eines⸗ Feſtes beizutragen, das ſeiner Natur nach zu einem wahren Landesfeſte werden mußte. Einen überzeugenden und glänzenden Ausdruck verſchaffte ſich dieſe Geſinnung in der reichen und ge⸗ ſchmackvollen Ausſchmückung der Stadt durch Ehrenpforten, Laubgewinde, Blumenkränze und Embleme, mit denen unter dem freudigen Zuſammenwirken der Bevölkerung ſich Straßen und Häuſer vor dem Feſte bedeckten.

Schon am Morgen des zur Vorſeier beſtimmten Tages, am Mittwoch d. 2. Juli trafen von verſchiedenen Seiten Gäſte ein, in deren Blicken und Mienen ſich die freudige Stimmung kund gab, welche ſie als werthvolle Gabe aus der Ferne mit zum Feſte brachten. Gar viele betrachteten mit unverkennbarer Rührung den alten Kloſterbau, durch deſſen Pforte ſie einſt in der goldenen Jugendzeit mit vielfach wechſelnden Empfindungen oftmals ein- und ausgegangen waren, und deſſen altersgraue Steinwand jetzt faſt ganz bedeckt war von dem Grün der Tannen und Kränze, von den vielen buntflatternden Fahnen und von den chriſtliche und altclaſſiſche Lebensweisheit verkündenden lateiniſchen Gedenkſprüchen.

Die Feier begann mit Ueberreichung einer ſchönen ſchwarz⸗weiß⸗rothen ſeidenen Fahne, welche die Frauen und Jungfrauen Corbachs dem Gymnaſium zu ſeinem Ehrentage ſtifteten. Von den Klängen der Arolſer Militairmuſik geleitet nahten Nachmittags 4 Uhr im feſtlichen Zuge dem Gymnaſium eine große Anzahl weißgekleideter junger Damen. Eine derſelben überreichte auf dem Schulhofe nach einer ſinnigen poetiſchen Anſprache die Fahne dem Unterzeichneten, welcher ſie, nachdem er den anmuthigen Geberinnen kurz gedankt, dem von den Gymnaſiaſten erwählten Fahnenträger übergab. Lehrer und Schüler der Anſtalt zogen darauf, die Muſik an der Spitze, in geordnetem Zuge zum Concert nach dem Feſtplatze, dem Schmalz'ſchen Felſenkeller mit der für