Aufsatz 
Das dreihundertjährige Jubiläum des Gymnasiums / von Theodor Hartwig
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das Feſt eigens hergerichteten und auf das geſchmackvollſte decorierten geräumigen Feſthalle. Viele Gäſte hatten ſich hier ſchon zuſammengefunden, und noch immer mehrte ſich deren Zahl. Vielfache Begrüßungen wurden ausgetauſcht und zahlreiche Wiedererkennungsſcenen gefeiert. Unter den bereits eingetroffenen Gäſten mögen genannt werden Se. Erlaucht der Graf Adalbert zu Waldeck, Provinzial⸗Schulrath Dr. Rumpel, der Vertreter des Caſſeler Provinzial⸗Schul⸗Collegs und die beiden früheren Directoren des hieſigen Gymnaſiums, Director Dr. G. Vogt aus Caſſel und Director Profeſſor Dr. H. Genthe von Duisburg.

Abends 9¹½ Uhr ordneten ſich die Schüler der oberen Claſſen des Gymnaſiums zum Fackelzuge, welcher ſich vom Feſtplatz aus zur Stadt bewegte und vor dem in glänzender bunt⸗ farbiger Beleuchtung ſtrahlenden Gymnaſialgebäude halt machte. Ein Primaner trat vor und brachte, nachdem er Worte des Dankes im Namen ſeiner Mitſchüler an die Anſtalt gerichtet, ein Hoch auf dieſelbe aus, in welches alle begeiſtert einſtimmten. Hierauf ſetzte der Zug ſich von neuem in Bewegung und nahm ſeinen Weg nach dem Marktplatze, wo die Fackeln unter Geſang und Muſik zuſammengeworfen wurden.

Am nächſten Morgen verkündete das Glockengeläute der beiden Stadtkirchen den Anbruch des eigentlichen Feſttages. Der Himmel, welcher in den erſten Morgenſtunden dem Feſte ein freund⸗ liches Antlitz gezeigt hatte, hüllte ſich bald in ein trübes Grau, und der Regen, welcher anfangs, als der Zug zur Kirche ſich aufſtellte, nur ſanft herniederrieſelte, ergoß ſich bald in Strömen. Allein die weihevolle Stimmung, welche die Herzen der Feſtgäſte erfüllte, hielt all ſeinen tücki⸗ ſchen Angriffen Stand.

Um 9 Uhr ordnete ſich vor dem Gymnaſium der Feſtzug nach der Kirche, in derſelben Reihenfolge der Theilnehmer, in welcher bei der Eröffnung des Gymnaſiums vor 300 Jahren die Feſtgäſte zum Zuge angetreten waren. Zuerſt Lehrer und Schüler des Gymnaſiums, dann die Muſik, hierauf 1) praefecti und legati, 2) senatus Corbacensis, 3) concionatores, 4) pristini discipuli, 5) scholastici, 6) cives. Mit den Schülern der Secunda gieng der Erbprinz, welcher kurz zuvor mit Sr. Durchlaucht dem Fürſten eingetroffen war. Der Fürſt ſelbſt ſah den Zug von einem Fenſter des Rathhauſes aus an. Der Feſtgottesdienſt begann um 91 ½ Uhr unmit⸗ telbar nach dem Eintreffen Sr. Durchlaucht des Fürſten. Das Altargebet ſprach Herr Pfarrer W. Seehausen in einfachen, aber ergreifenden Worten. Die Predigt hielt Herr Pfarrer R. See- hausen mit Zugrundelegung des Textes aus der Bergpredigt(Matth. 5, 13): Ihr ſeid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit ſoll man ſalzen? Im erſten Theile ſeiner Pre⸗ digt wies er die Aufgabe der Schule nach, ein Salz der Erde zu ſein, und zeigte zweitens in ein⸗ dringlichen Worten, wie ſchlimm es ſei, wenn in ihr das Salz verderbe. Der Predigt voraus gieng ein Geſang des Schülerchors: Preis und Anbetung unſerem Gott!(Motette von Rinck). Nach der Predigt ſangen die beiden Liedertafeln Corbachs den 8. Pſalm: Herr, unſer Herrſcher, wie herrlich iſt dein Name in allen Landen.(Motette von Schnabel).

Seinen Mittelpunkt fand das Feſt in der eigentlichen Schulfeier. Dieſelbe fand in der neu hergerichteten und gleichfalls feſtlich geſchmückten Turnhalle ſtatt und nahm um 11 ¾ Uhr nach dem Eintreffen der höchſten Herrſchaften ihren Anfang. Kurz vorher hatte im Auftrage Seiner Durchlaucht der Landesdirector Freiherr von Sommerfeld dem Herrn Provinzial⸗Schul⸗ rath Dr. Rumpel wie dem Unterzeichneten die Inſignien des Fürſtlich Waldeck'ſchen Verdienſt⸗ ordens 2. Claſſe und dem Conrector Waldſchmidt den gleichen Orden 3. Claſſe überreicht.