Aufsatz 
Das dreihundertjährige Jubiläum des Gymnasiums / von Theodor Hartwig
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Das dreihundertjährige Jubiläum des gymnaſiums.

Das wichtigſte Ereigniß des letztverfloſſenen Schuljahres war die dritte Säcularfeier der Anſtalt. Mit Rückſicht auf die hervorragende Stellung, welche in der Geſchichte einer Schule einem ſo ſeltenen Feſte gebührt, erſcheint ein kurzer Bericht über die Vorbereitungen und den Verlauf der Feier ſelbſt geboten.

Der dreihundertſte Jahrestag der Eröffnung des Gymnaſiums war der 8. Mai. Jedoch hatte das Königliche Provinzial⸗Schulcollegium auf den Antrag des Directors in Berückſichtigung der klimatiſchen Verhältniſſe der hieſigen Gegend die Verlegung des Feſtes in die letzte Ferien⸗ woche vor den Sommerferien genehmigt. Bereits im Mai 1878 trat unter dem Vorſitz des Directors ein Feſtausſchuß zuſammen, gebildet aus den ſämmtlichen Lehrern des Gymnaſiums, den Mitgliedern des Curatoriums, dem Herrn Bürgermeiſter von Hanxleden und den Vertretern der hieſigen Liedertafeln. Derſelbe erweiterte ſich noch durch Heranziehung von auswärtigen Mitgliedern hauptſächlich aus der Zahl der früheren Schüler. Eine ſo frühe Inangriffnahme der Vorbereitungen zu dem Feſte erſchien geboten, weil erſtens die lokalen Verhältniſſe der Stadt einer Feſtfeier in etwas größerem Stile nicht ſonderlich günſtig waren, indem z. B. der Bau einer beſonderen Feſthalle nothwendig wurde, und weil zweitens die Mittel zum Beſtreiten der Koſten, da eine Unterſtützung des Staates kaum in Ausſicht ſtand, durch freiwillige Beiträge beſchafft werden mußten. Das Circular, welches zu dieſem Zwecke an die früheren Schüler verſandt wurde, hatte ein über Erwarten günſtiges Ergebniß. Die dankbare Geſinnung, welche die einſtigen Zöglinge der Anſtalt derſelben bewahrt hatten, manifeſtierte ſich in zahl⸗ reichen und anſehnlichen Gaben, welche zum Theil aus weiter Ferne eingiengen, ſo daß bald der Feſtausſchuß ſich aller Sorgen in dieſer Richtung überhoben ſah. Mit beſonderem Danke mag hier der huldvollen Munificenz Sr. Durchlaucht des Fürſten gedacht werden, welcher dem Comité für die Feier die Summe von 1000 Mark zur Verfügung ſtellen ließ. Obwohl die Anforderungen an den Feſtfonds unter den hier obwaltenden Umſtänden keine geringen waren, ſo ließ ſich doch ſchon im Voraus hoffen, daß noch ein erheblicher Reſt zur Verſtärkung des Sti⸗ pendienfonds übrig bleiben werde, welcher durch öffentliche Vorträge, die in hieſiger Stadt in den drei letzten Wintern in Folge der Anregung des Herrn Director Genthe zumeiſt von Lehrern des Gymnaſiums gehalten wurden, zuſammengebracht worden war. Beträchtlich vergrößert aber wurde dieſer Fonds noch durch anderweite Gaben, unter welchen an erſter Stelle die Summe von 1500 Mark zu erwähnen iſt, welche auf den Antrag des Herrn Landes⸗Directors