Aufsatz 
Über die Hofschule zu Cassel unter Landgraf Moritz / Hartwig
Entstehung
Einzelbild herunterladen

49

und endlich Gelegenheit geboten, ein Urtheil über das Lehrtalent der Schüler zu gewinnen.

Wenn Moritz die Hoffnung gehegt hatte, ſich durch Verwen⸗ dung der Alumnen bei dem Unterricht die Anſtellung eines vierten Lehrers erſparen zu können, ſo ſah er ſich bald hierin getäuſcht. In Briefen vom Ende Oktober 1603 finden wir, wie ſchon bemerkt wurde, bereits vier feſtangeſtellte Lehrer erwähnt. Die Gründe, welche den Landgrafen zur Berufung eines vierten Lehrers bewogen, ſind nicht mitgetheilt. Wir werden aber ſchwerlich fehl gehen, wenn wir vermuthen, daß der Verſuch die Stelle eines Lehrers durch ei⸗ nen Alumnen verſehen zu laſſen mißglückte. Obwohl es jetzt an Lehrkräften durchaus nicht fehlte, ſo blieben die beiden Abtheilungen einer jeden Claſſe dennoch combiniert, ſo daß jeder Lehrer täglich nicht mehr als zwei Stunden in den Claſſen zu unterrichten hatte ¹). Es iſt uns aus dieſer Zeit ein Lektionsverzeichnis(Mss. H. fol. 57 p. 45) erhalten, welches, wie die Handſchrift beweiſt, des Land⸗ grafen eigenes Werk war. In ihm finden wir die Lektionen ſo geordnet, daß der Lehrer zu gleicher Zeit beide Abtheilungen der Claſſe beſchäftigen konnte. Wahrſcheinlich wurde durch dasſelbe für einige Jahre das Schwanken beendet und die Lehrordnung fixiert ²). Es iſt der letzte Schulplan, den wir von der Hofſchule beſitzen. Seiner Wichtigkeit halber mag er hier eine Stelle finden.

¹) Außerdem ſollte ein jeder täglich noch eine Vorleſung in dem Colle⸗ gium halten. 19911 9

²) Es iſt zu vermuthen, daß es der von dem Landgrafen früher angekün⸗ digteperpetuus lectionum ordo iſt. Aus den beiden nächſten Jahren iſt keine Angabe vorhanden, welche auf eine Aenderung des Planes ſchließen ließe. 4