Aufsatz 
Über die Hofschule zu Cassel unter Landgraf Moritz / Hartwig
Entstehung
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Abgang von der Anſtalt zuweilen noch Geſchenke ¹), oder wurden auch auf ihr Geſuch unter Begleitung eines gebildeten Mannes mit Stipendien ²) in das Ausland, meiſt mit der vorgeſchriebenen Reiſe⸗ route über Holland(Leyden) ³), England, Frankreich, die Schweiz (Genf) und Italien, geſandt.

Ungeachtet aller trefflichen Beſtimmungen ſcheint jedoch das Verhalten der Hofſchüler oft nicht das beſte geweſen zu ſein. We⸗ nigſtens führen die Lehrer in ihren Schreiben an den Landgrafen wiederholt hierüber Klage. Auch erklärt ſich die ſchlechte Disciplin leicht aus den Verhältniſſen. Der raſche Wechſel, der Vorſteher und Lehrer, die langen Vakanzen der Präfektenſtelle, die wiederhol⸗ ten Reiſen des Landgrafen und vor allem die Verbindung der Schule mit dem Hofe konnten nicht anders als nachtheilig auf die Haltung der Schüler einwirken. Dazu kam, daß es am Hofe, wie wir aus vielen Briefen erfahren, eine nicht geringe Anzahl von Perſönlichkeiten gab, die mit dem Haß, welchen die mit Rohheit gepaarte Unwiſſenheit gegen Bildung und Bildungsmittel alle Zeit zu hegen pflegt, die junge Anſtalt verfolgten, ihren Untergang ſehnlichſt herbeiwünſchten und ihren Gefühlen durch Verfolgung und Aufhetzung der Schüler und Verhöhnung der Hähre Luft zu

¹1) In einem Schreiben aus dem Jahr 1600, welches an den Vorſteher und die Lehrer gerichtet iſt, verfügt Moritz, daß die Adreſſaten dem Sohn des heſſiſchen Hofrichters bei deſſen Abgang von der Hoſſchule, wenn er ſich durch ſein Verhalten einer beſonderen Gunſtbezeugung würdig gemacht habe, nach Einholung des Gutachtens von Seiten des Direktors und der Profeſſoren, entweder ein Pferd aus dem Marſtall übergeben oder ein halbes Beneſicium oder 50 Goldgulden auszahlen follten. Analecta Hass. Coll. I, p. 187 f.

²) Zwei Schüler erhielten für ihre auf zwei Jahre berechnete Reife eine Unterſtützung von 600 Thalern verwilligt.(Mss. II. 4, 103, p. 108).

³) In Leoyden wurden die Stipendiaten gewöhnlich angewieſen den ramiſti⸗ ſchen Philoſophen Rudolph Snell, den Philologen Joſeph Scaliger und den Theologen Junius zu hören. Eine ſehr ausführliche Reiſe⸗ inſtruktion iſt erhalten Mss. H. 4. 103 p. 36 45.