Aufsatz 
Zur Geschichte der Schaumburg und der Burg Hohenrode : Festrede am Allerhöchsten Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs / geh. von Hartmann
Entstehung
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Wenn, wie es wahrscheinlich ist, der Erbauer der Burg und der Gegner Adolfs eine und dieselbe Person ist, so liesse sich daraus schon annähernd auf die Zeit ihrer Entstehung schliessen. Wir haben aber über den Bau noch bestimmtere Nachricht. Diese Nachricht steht im engen Zusammenhang mit der über die Kirche in Hohenrode. Wir finden sie in der Chronik des Mönches Hermann von Lerbeck(Hermanni de Lerbeke chronicon comitum Schawenburgensium), wo die Stelle folgendermassen lautet:Anuno Domini MCLXXII. Praesul Mindensis Ecclesiam villanam in Ponrode ex opposito castri Schowenborg, olim Parode dicta, a constructione ejusdem castri, a situ Ponrode nominaltum, anno tertio in honorem beatorum Petri et Andreae Apostolorum con- secravit.³) Im Jahre des Herrn 1172 hat der Bischof von Minden die Dorfkirche in Honrode früher Harode genannt im dritten Jahre nach der Erbauung der Burg daselbst, nach ihrer Lage Honrode genannt, zu Ehren der heiligen Apostel Petrus und Andreas geweiht. Also 1172 ist das dritte Lebensjahr unserer Burg, sie ist also 1170 gebaut und 1181 ist sie zerstört.

Auf diesen beiden kurzen Berichten also, der Nachricht von der Einweihung der Kirche zu Hohenrode in der Chronik des Lerbecker Mönches und der kurzen Bemerkung von der Zerstörung der Burg in der Chronik des Arnold von Lübeck beruht alles, was wir von der Geschichte der Burg wissen und was andere Chronisten nach ihnen erzählt haben. Nur der Taufschein und der Todesschein sind uns erhalten. Alles übrige muss unsere Phantasie ergänzen. Dass diese Phantasie eine recht üppige geworden war, lehrt uns die Bezeichnung, welche die Burgreste im Munde des Volkes erhalten haben, die Hünenburg. Dem Volke ist die Erinnerung an die geschichtlichen Ereignisse entschwunden und daher hat es ihr Dasein mit der Vorstellung von vorgeschichtlichen Menschen oder gar sagenhaften Heroen in Verbindung gebracht. Dies war um so eher möglich, als auch der jetzt noch bekannte Name der vom Tale nach der Burg ansteigenden Höhe Wettanz als Wodansplatz an den Namen des alten Germanischen Gottes erinnert. Ich darf aber bei meinen jugendlichen Zuhörern voraussetzen, dass sie die Stätte dieser Burg, deren nächste Umgebung in der allerletzten Zeit durch die Wasserleitung im eigentlichen Sinn zu einem Quell des Segens für unsere Vaterstadt geworden ist, schon besucht haben. Sie werden sich dann erinnern, dass die Burg nach der Westseite steil in das Seitental des Taubenberges, in welchem man die Schaumburger Diamanten findet, abfällt; auf den anderen Seiten ist sie mit einem doppelten Wall umgeben. Der Innenwall zeigt zwei Unterbrechungen. Dass diese Lücken Eingänge gewesen sind, scheint daraus hervor- zugehen, dass der zweite Wall sich schützend vor ihnen herlegt. Auf der Hochfläche der Burg sind an mehreren Stellen sehr deutlich die Reste von Mauern bemerkbar. Ausserdem sind auf dieser Fläche verschiedene Vertiefungen, welche vielleicht von den Grundmauern einzelner Gemächer, Gebäude oder Türen gebildet werden.

Ich habe es vor einer Reihe von Jahren unserm Schaumburger Geschichtsverein nahegelegt, dass es eine dankbare Aufgabe sein werde, die vorhandenen Mauern der Burg wenigstens teilweise freizulegen. Vielleicht, dass etwaige Ausgrabungen uns den Grund- riss vor Augen führen. Es wäre dies meines Erachtens von besonders hohem Interesse, da die Burg bei der kurzen Zeit ihres Bestehens wenig ihre ursprüngliche Anlage ver-