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127. que sert. Nach altem Sprachgebrauch kann bei mehreren unpersönlichen Verben, wie d'où vient, qu'importe, mieux vaut u. a., das grammatische Subjekt il fehlen, doch ist dies nicht notwendig. Toutefois que sert-il de me justifier? Baj. 307; Et vous ne tremblez pas?— Que sert-il de trembler? Quinault, Astrate 2, 1.
128. avouez-le. Das le ist hier geboten, weil der darauf folgende Satz grammatisch selb- ständig ist; vgl. zu 1.— tout change ist hier nicht als allgemeiner Erfahrungssatz gesprochen, sondern geht ganz persönlich auf Hipp.: dein ganzes Wesen ist ein anderes geworden.— et könnte für den Sinn ganz gut fehlen; in deutscher Prosa würde man dafür etwa„ja doch, nämlich, denn“ einsetzen dürfen.— depuis quelques jours giebt Schiller mit„schon lange“; freilich„seit einigen Tagen“ wäre unerträglich matt.
129. orgueilleux et sauvage gehört eng zu faire voler un char; in der letzten Zeit ist Hipp. ja nicht mehr kühn und ungestüm.
132. rendre docile au frein un coursier indompté ist dichterischer Ausdruck für unser„ein Pferd zureiten“, dresser, achever un cheval= reddere docilem frenorum equum indomitum; Hor. Sat. 1, 1, 90 siquis asellum In campo doceat parentem currere frenis; Ronsard, Odes 1, 7 ton art qui admonéte L'esprit de la fière bête Se rendre docile au frein
133. Die Umstellung des Adverbs ist zu beachten; sie hängt mit der präpositionalen Be- stimmung des Zeitworts zusammen; vgl. 186. 224.
134. feu secret ist die innere Glut, die Hipp. zu verheimlichen sucht.„Schwer senkt von innerm Feuer durchglüht dein Auge sich nieder.“
135. Vgl. zu 1. 869.
136. Vous périssez d'un mal que vous dissimulez, damit vgl. 45 Phédre, atteinte d'un mal, qu'elle s'obstine à taire; die beiden Hauptpersonen der Tragödie leiden unter geheimem Liebesgram, und dieses Leid wirkt entscheidend auf ihre Handlungen und den Verlauf des ganzen Stückes.
Theramen widerlegt in seiner Antwort Hippolyts Einwendungen. Mit Verstandesgründen läßt sich Liebe nicht bekämpfen; gegen dein Schicksal streitest du vergebens;(später führt Onone das- selbe gegen Phädra an 1287 ff.); auch die stolze Antiopa hat sich der Liebe unterworfen; gerade die verbotene Neigung reizt am stärksten; größere Helden als du sind von Venus bezwungen worden; (ebenso will Onone Phädra beschwichtigen: selbst über die Götter sieget die Liebe); dein stolzes Reden wird durch dein ganzes Wesen verleugnet.— Daß Theramens Lehren im Munde eines helle- nischen Fürstenerziehers aus urältester Zeit nicht durchweg griechisch oder sittenstreng klingen, kann man wohl zugeben. Aber mit tiefem Sinn für die innere Seelenwahrheit hat Racine die wohl- feilen Kunstgriffe zur Herstellung der sogenannten Lokalfarbe verschmäht; er wollte gar nicht spezifisch griechische Gestalten zeichnen, sondern rein menschliche, immerdar vollgültige Wesen, allerdings im Rahmen seiner Zeit und im Geiste der damals in den hohen Kreisen herrschenden Welt- und Lebensanschauung. Sich diesem Banne vollig zu entziehen, hat er nicht vermocht, eben- sowenig wie irgend ein Dramatiker in andern Zeitläuften. Wer auf die Mitwelt wirken will, darf nicht in fremden Zungen reden.— Prosper Mérimée, der das Schriftstellerhandwerk gründlich kannte und in manchen Litteraturen zu Hause war, erzählt einmal:„Je pouvais me vanter d'avoir fait de la couleur locale; mais le procédé était si simple, si facile, que j'en vins à douter du mérite de la couleur locale elle-mêeme, et que je pardonnai à Racine d'avoir policé les sauvages héros de Sophocle et d'Euripide(a. 1840).
138. Dadurch, daß Hipp. auf Ther.'s Frage ausweichend antwortet, zeigt er, daß er seine Liebe, die für den Hôrer durch sein Schweigen nicht geleugnet wird, als Schwäche und ein Zeichen des Ungehorsams gegen den Vater auffaßt. Erst der Geliebten gegenüber spricht er, wider seinen Willen vom Gefühle hingerissen, offen und rückhaltslos; und zu dieser unschuldig reinen Liebes-
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