102. vainqueur wird in der galanten Sprache von dem objet aimé, auch von der Frau ge- braucht; Bér. 510.
103. Die unpersönliche Verwendung von se souvenir, il me souvient de qch. war in der klassischen Zeit noch gebräuchlicher als die persönliche, die späàter aber jene allmählich ver-
drängt hat. égaré marque le trouble de l'esprit Acad. zu Corn. Cid 335= irre, verstört; es ist das part. von s'égarer.— sens égarés war zu Racines Zeit schon formelhaft, es findet sich z. B. bei Théophile,
Rotrou, Brébeuf.
104. obstacle éternel oder invincible ist ein stehender Ausdruck Baj. 578. 585; Corn.
107. tige und rejeton finden sich natürlich öfter verbunden z. B. bei Ronsard, in der Sat. Ménippée, bei Alex. Hardy: Ce petit rejeton d'un tige valeureux, La force du sang 907. tige wurde bis in das siebzehnte Jahrhundert hinein als masc. gebraucht.
108. ensevelir ist in bildlicher Bedeutung ganz gewöhnlich, 1082, wie unser„begraben“.
109. Man beachte die Beiordnung des Infin. ensevelir und des mit que eingeleiteten Objekts- satzes. Iph. 190 Voudrait-il(Achille) insulter à la crainte publique Et que le chef des Grecs, irritant les destins, Préparât d'un hymen la pompe et les festins?— Alex. 1413 ff.; Andr. 166; Théb. 1254. — Die umgekehrte Satzstellung Ath. 369 Vous voulez que ce Dieu vous comble de bienfaits, Et ne l'aimer jamais. 3
111. dois-je= darf ich.— épouser verb. trans. in dem Sinne von„eintreten für etwas, beipflichten, etwas als eigene Angelegenheit betrachten“ ist ein alter Ausdruck; ép. la querelle, les affaires, Perreur, les passions de qn.
113. s'embarquer wurde gern bildlich von Liebeshändeln gebraucht; D'Urfé, Mme. de La- fayette.— Hippolyts Rede ist kunstvoll gegliedert und zielbewußt zugespitzt: Der Liebe kann ich nicht huldigen; denn von der Mutter her habe ich die Verachtung dieses Gefühls ererbt; später hat mich hierin der reifende Verstand bestärkt, noch tiefer befestigt ist meine Abneigung worden durch die landläufigen Erzählungen von des Theseus unwürdigen Liebesabenteuern. Also ist es unmöglich, daß ich in denselben Fehler verfalle, und umsoweniger darf ich es, weil ich für mich nicht die mil- dernden Umstände anführen kann, die dem Theseus zur Seite stehen, dessen menschliche Schwäche durch gewaltige Heldenthaten weit aufgewogen wird. Wenn ich aber trotz allem mit meinen Lebens- grundsätzen gebrochen hätte, so würde ich doch nicht gerade die einzige Frau lieben, die meinem Vater aus triftigen Gründen verhaßt ist, der er aus zwingenden Staatsrücksichten die Ehe ver- sagen muß.
114. seigneur est un terme de convention dont les poètes tragiques usent pour le dialogue de leurs personnages L. Voltaire hat das Wort für unpassend erklärt und PL.Courier darüber gespottet; es liegt aber nahe an ävas und deowrne zu denken; vgl. Marty-Laveaux 8, XI f.— marqué = vorherbestimmt vom Schicksal.
115. savoir bedeutet öfter„Kraft, Macht, Mittel haben“; also hier: Wenn von dem Geschick entschieden ist, daß du... so kann der Himmel auf menschliche Gegengründe keine Rück- sicht nehmen.
117. sa haine= er in seinem Hasse. Die franz. Dichter setzen statt der Person gern die Eigenschaften und Gefühle, durch die der Mensch in seinem Handeln bestimmt wird. 708.
120. Vgl. riαꝑνμρα 5˙ενμμαα Lur. Hipp. 476.
M122. sur les traces; auch der Sing. ist gebräuchlich. Jai prétendu marcher sur les traces d'Alcide Quinault, Amadis 1, 1(a. 1684); Volt. Mér. 1, 3.
123. courage bedeutet im siebzehnten Jahrhundert nicht nur„Mut“, sondern allgemeiner „Gesinnung, Neigung“; dann aber auch die Person selbst, die jene Gesinnung hegt.— Wegen der Satzform vgl. zu 991.


