Aufsatz 
Erläuterungen zu Racines Phädra : 1. Teil
Entstehung
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S. 302, 21 ff. Jedenfalls hat Racine die Vorrede nach Beendigung und gewiß auch erst nach der Aufführung des Stückes für den Druck geschrieben. Nach den trüben Erfahrungen in den ersten Tagen des Januar 1677 läßt sich die trotz des spätern Erfolges etwas gedrückte Stimmung, die den Schluß der Vorrede durchzieht, leicht erklären; denn in Racines Gemüt haftete der Schmerz dauernder und eindringlicher als die Freude. Und doch glaube ich, trotz der friedlichen Verfassung des leicht reiz- baren Dichters, aus den Worten: Au reste, je n'ose encore assurer que cette pièce soit en effet la meilleure de mes tragédies einen leichten Spott auf den alten, stolzen Corneille herauszuhören, der in unbefangener Schaffensfreude bei jeder neuen Tragödie, die er schrieb, ihre besondern Vorzüge vor seinen früheren Werken zu preisen liebte. Racine, der Sanfte und Zarte, hat zu keiner Zeit seinen starken Hang zur scharfen Satire völlig bemeistern können.

S. 303, 1 ff. Nicht nur eine künstlerische, sondern vor allem eine wahrhaft sittliche Wirkung wollte Racine, so versichert er, mit der Phädra hervorbringen; das Werk sollte eine poetische Tugend- lehre nach dem Vorbilde der ältesten Tragiker werden. Er dachte dabei sicherlich an Aristophanes Batrachoi 1008 ff., wo Aschylus fragt: dπανκνρωαπε, tivoc ovexa O det dyda wor; und Euripides antwortet: Seεiεr-hros aal voud'elas, ör BeXrlO Te 0Oey o0 dvdoue y rale neotv. Was aber hatte Racine bis dahin für die Besserung und Belehrung seiner kunstliebenden Mitbürger gethan? Der von Gewissenszweifeln und Angsten gequälte Dichter, in dem die harten, bühnen- feindlichen Lehren der Jansenisten wieder mächtig erstarkten, bekannte sich reumütig zerknirscht als Sünder und Seelenverderber; hatte er ja doch, in unrühmlichem Gegensatz zu dem bewunderns- werten Corneille, den Sieg der Leidenschaft über den Vernunftwillen, die Macht der Herzensneigung über das strenge Pflichtgebot gar zu rührend und verführerisch dargestellt. So wollte er denn fortan der Bühnendichtung für immer entsagen. Mancherlei Nebenumstände wirkten gleichzeitig zusammen, ihn in diesem Entschluß zu bestärken: der zornige Gram über die Verkennung der Phädra, Untreue in der Liebe und die Ernennung zum Geschichtsschreiber des Königs; unmöglich konnte sich der Hofhistoriograph des Roi Soleil den wetterwendischen Launen des Theaterpublikums aussetzen. Voll aufrichtigen Eifers begann der bekehrte Dichter ein neues Leben werkthätiger, würdiger Buße; er schrieb die Geschichte des Port Royal und die innig frommen biblischen Dramen Esther und Athalia.

1. en ist notwendig, weil ein grammatisch selbständiger Satz folgt; vgl. 135, 869. Statt prendre un d. braucht die neuere Sprache former un d., was auch schon früher üblich war; vgl. 47. Derselbe Halbvers findet sich Andr. 715, wo en aber auf das vorhergehende zurückweist und des- wegen grammatisch fehlen könnte, wie Mith. 1361. Wenn die Grammatiker meinen, daß im Haupt- satze der Inhalt des folgenden Objektssatzes(oder Objektsinfinitivs) nie durch en angedeutet werde, so ist das richtig bis auf ganz vereinzelte Ausnahmen: Ah, ah, tu ten avises, Traitre, de t'approcher de nous Mol. Amph. 2, 3. Prendre un dessein scheint sich erst im Anfang des siebzehnten Jahr- hunderts festzusetzen; ich finde es bei Théophile Viaud, Véronneau, im Galimatias du sieur Derosiers, bei Rotrou im Dom Bernard. Corneille hat in Prosa prendre les desseins de sa vengeance; vgl. lex. de Corn.:Ce dernier exemple est remarquable; il nous montre que T'hémistiche suivant de Racine: Le dessein en est pris m'appartient pas exclusivement à la haute poésie, mais est emprunté au langage ordinaire. Den bequemen Halbvers le dess. en est pr. kann ich nicht belegen vor Quinault Alci- biade 4, 3. Früher war beliebt le conseil en est pris z. B. bei Jodelle, Robert Garnier, Jacques Grévin, Jean Schélandre, Théophile Viaud, Corn. Cid 384. Den Racineschen Halbvers treffen wir in etwas späterer Zeit bei Houdart de la Motte in Inès de Castro, bei Brueys in Lisimacus und Asba. Das von Rac. Al. 272, Andr. 715 gebrauchte und von D'Olivet getadelte achever un dessein erscheint schon bei Balzac und Voiture; der letztere hat vielleicht zuerst former un d. gebildet: Pouvait-il

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